In Russland inhaftierte Israelin Eine Yogalehrerin als Faustpfand

Naama Issachar wurde in Russland zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt, weil sie knapp zehn Gramm Hasch in ihrem Gepäck hatte. Das Urteil hatte offenbar politische Hintergründe.
Naama Issachars Mutter Yaffa (2.v.r.) mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Russlands Präsident Wladimir Putin

Naama Issachars Mutter Yaffa (2.v.r.) mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Russlands Präsident Wladimir Putin

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Heidi Levine/ REUTERS

Sie wollte Geld sparen, deshalb buchte sie ihren Flug mit einem Umstieg in Moskau: Naama Issachar hatte Urlaub in Indien gemacht und war auf dem Weg zurück nach Hause, nach Israel. Am 9. April 2019 stieg die 26 Jahre alte Yogalehrerin in Delhi ins Flugzeug. Doch sie erreichte Tel Aviv nie. Stattdessen sitzt Issachar heute in einem russischen Gefängnis.

Issachars Vergehen: Die junge Frau hatte 9,6 Gramm Haschisch in ihrem Aufgabegepäck. Spürhunde fanden die Drogen, als Issachar in Moskau umstieg. Noch am Gate wurde sie in Gewahrsam genommen. Im Oktober verurteilte ein Gericht die Israelin wegen des Drogenbesitzes zu mehr als sieben Jahren Haft.

Der Fall belastete monatelang die Beziehungen zwischen Israel und Russland. Denn Issachars Strafe fiel ungewöhnlich hoch aus: Eine Amerikanerin, die wegen ähnlicher Vergehen festgenommen wurde, war im September dazu verurteilt worden , knapp 210 Euro zu bezahlen.

Warum bekam Naama Issachar stattdessen eine mehrjährige Haftstrafe? Offenbar gibt es dafür politische Gründe: Issachar sollte als Faustpfand für einen Gefangenenaustausch dienen, den Russland mit Israel anstrebte.

2015 wurde in Israel der russische Staatsbürger Alexej Burkow festgenommen. Israelischen Medien zufolge hatte Amerika um den Zugriff gebeten: Burkow wurde demnach in den USA wegen Betrugs, Identitätsdiebstahl und Hacking gesucht.

Russland bat Israel nach Burkows Festnahme mehrfach darum, den Russen nicht an die USA auszuliefern. Ihm drohe dort ein „politisierter und voreingenommener“ Prozess, sagte das russische Außenministerium laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax . Trotzdem schien Israel Burkows Auslieferung zu planen. Als Naama Issachar im August mit Drogen im Gepäck erwischt wurde, erkannten die russischen Behörden offenbar eine Möglichkeit, Israel unter Druck zu setzen.

Naama Issachar als Faustpfand für die Freilassung von Alexej Burkow

Issachars Mutter erzählt der "Washington Post" , ein Freund Burkows habe sie kontaktiert. „Die Nachricht war sehr bedrohlich“, sagte Yaffa Issachar. „Es hieß, dass meine Tochter nur freigelassen würde, wenn Burkow von Israel freigelassen wird.“ Ein anonymer israelischer Beamter bestätigte der "New York Times" , dass die beiden Fälle zusammenhingen.

Trotzdem wurde Burkow im November 2019 an die USA überstellt: Israels höchstes Gericht hatte beschlossen, dass seine Auslieferung rechtens sei. Als einen Monat später in Moskau Issachars Einspruch verhandelt wurde, entschieden die Richter, die hohe Strafe aufrecht zu erhalten. Es schien, als müsse die junge Frau noch Jahre im Gefängnis bleiben.

Aber nun könnte Naima Issachar doch freikommen. Wladimir Putin, der derzeit für eine Holocaust-Gedenkveranstaltung in Israel ist, traf am Donnerstag Yaffa Issachar, die Mutter der Inhaftierten Naama. Berichte zitieren ihn mit den Worten, alles werde gut werden. 

Medienberichten nach könnte es sogar schon einen Deal mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu geben: Einem Zeitungsbericht zufolge  bekommt Russland ein Gelände in der Jerusalemer Altstadt, das einst einem Zaren gehörte und dessen Besitzrechte im vergangenen Jahrhundert umstritten waren. Im Gegenzug dafür soll Issachar begnadigt werden. Beobachter mutmaßen, dass Israel hinter den Kulissen noch mehr Zugeständnisse gemacht haben könnte, beispielsweise bei wirtschaftlicher oder militärischer Kooperation.

Offiziell verkündet ist die Einigung noch nicht. Doch für Netanyahu käme eine Freilassung Issachars zum perfekten Zeitpunkt: Anfang März wird in Israel gewählt. Ein Verhandlungserfolg mit Russland könnte ihm Pluspunkte bei den Wählern bescheren – und davon ablenken, dass Netanjahu wegen Korruption angeklagt ist.

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