Bilaterale Spannungen Russischer Geheimdienst nimmt ukrainischen Diplomaten fest

In Sankt Petersburg ist ein ukrainischer Konsul festgenommen worden. Der Mann soll laut russischen Behörden versucht haben, an geheime Informationen der russischen Strafverfolgungsbehörden zu gelangen.
Hauptquartier des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB (Archiv)

Hauptquartier des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB (Archiv)

Foto: Mladen Antonov / AFP

Inmitten der zunehmenden Spannungen zwischen Russland und der Ukraine hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB einem Medienbericht zufolge einen ukrainischen Diplomaten in Sankt Petersburg festgenommen. Dem Konsul wird vorgeworfen, versucht zu haben, an geheime Informationen aus den Datenbanken der russischen Strafverfolgungsbehörden zu gelangen, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den FSB.

Eine Stellungnahme der Ukraine liegt bislang nicht vor. Die Spannungen im Konflikt zwischen der Regierung in Kiew und von Russland unterstützten Separatisten im Osten der Ukraine haben zuletzt zugenommen. Russland hat nach ukrainischen Angaben an der Grenze mehr als 40.000 Soldaten zusammengezogen.

Russland schickt Kriegsschiffe ins Schwarze Meer

Zudem hat Russland offenbar 15 Kriegsschiffe für ein Manöver ins Schwarze Meer geschickt. Sie hätten am Samstag die Meerenge von Kertsch an der Halbinsel Krim passiert, teilte die Marine der Agentur Interfax zufolge mit. Wie lange die Übungen dauern werden, wurde bislang nicht gesagt. Zuvor hatten die USA nach Beschwerden Russlands die Entsendung zweier Kriegsschiffe ins Schwarze Meer türkischen Angaben zufolge abgesagt.

Am Freitag hatte das russische Verteidigungsministerium erklärt, wegen der Manöver sollten über Monate bestimmte Seegebiete an der Krim abgesperrt werden. Die Schifffahrt an der Meerenge sei davon aber nicht betroffen, hieß es. Dennoch gab es Kritik von EU, Nato und der Ukraine an dem Vorgehen Russlands. Ein ranghoher EU-Beamter sprach von einer »äußerst besorgniserregenden Entwicklung«.

»Wir sehen da keine Angriffsvorbereitungen«

Wegen eines russischen Truppenaufmarschs unweit der ukrainischen Grenze wächst international die Sorge vor einer Eskalation. Seit knapp sieben Jahren werden Teile der Gebiete Donezk und Luhansk entlang der russischen Grenze von moskautreuen Separatisten kontrolliert. Uno-Schätzungen zufolge sind bei den Kämpfen mehr als 13.000 Menschen getötet worden. Ein 2015 mit deutsch-französischer Vermittlung vereinbarter Friedensplan liegt auf Eis.

Der Chef der ukrainischen Militäroperation, Sergej Najew, deutete jedoch an, dass er nicht mit einem neuen Krieg rechne. »Wir sehen da keine Angriffsvorbereitungen«, sagte er in der Nacht zum Samstag im ukrainischen Fernsehen. »Tatsächlich sind Feldhospitäler aufgebaut worden.« Alle Einheiten befänden sich in Lagern, auf Schießplätzen. »In Militärsprache reden wir von einer Demonstration der Stärke.«

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Freitag mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel über die drohende Eskalation beraten. Sie zeigten sich besorgt über den russischen Truppenaufmarsch entlang der ukrainischen Grenze und riefen Moskau zu einem Abzug auf.

bbr/Reuters/dpa
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