Seit Beginn der Invasion Russland hat laut ukrainischem Militär 2800 Soldaten verloren

Falls man dem Kreml noch glauben mag, hat die russische Armee in der Ukraine bislang kaum Verluste zu verzeichnen. Nun veröffentlichte das ukrainische Verteidigungsministerium Zahlen, die dem deutlich widersprechen.
Ein ukrainischer Kämpfer steht vor einem von russischen Bomben zerstörtem Wohnhaus in Kiew

Ein ukrainischer Kämpfer steht vor einem von russischen Bomben zerstörtem Wohnhaus in Kiew

Foto: UMIT BEKTAS / REUTERS

Seit Donnerstagmorgen dringen russische Truppen in die Ukraine ein, nach russischer Lesart angeblich fast widerstandslos. Nun melden die ukrainischen Streitkräfte Zahlen, wonach man den Angreifern bereits schwere Verluste zugefügt habe.

Bisher hätten die einrückenden Truppen 2800 Soldaten »verloren«, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Dabei war unklar, ob es sich um getötete, verwundete oder gefangene Soldaten handeln soll. Außerdem seien schätzungsweise bis zu 80 Panzer, mehr als 500 gepanzerte weitere Kampffahrzeuge sowie zehn Flugzeuge und sieben Hubschrauber zerstört worden.

Die Angaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden. Russland hat bislang keine Verluste in den eigenen Reihen gemeldet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte in der Nacht zum Freitag gesagt, bei den Kämpfen seien bis dahin 137 Militärangehörige und Zivilisten getötet und Hunderte von Menschen verletzt worden.

Das Uno-Menschenrechtsbüro erklärte, es gebe Berichte über mindestens 127 zivile Opfer in der Ukraine, davon 25 Tote und 102 Verletzte. Die eigentliche Zahl dürfte aber weitaus höher liegen. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace hatte am Morgen die Zahl der Opfer auf russischer Seite auf mehr als 450 geschätzt.

Valerii Zaluzhnyi, Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, teilte die Zahlen über russische Verluste auf Facebook mit der an die russischen Angreifer gerichteten Botschaft: »Willkommen in der Hölle«. Russlands Präsident Wladimir Putin wandte sich hingegen am Nachmittag mit einer Rede unmittelbar an die ukrainische Armeen. »Nehmt die Macht in eure eigenen Hände«, sagte Putin darin – ein quasi offener Aufruf zum Staatsstreich. Die Kiewer Regierung beleidigte er als »Bande von Drogenabhängigen und Neonazis«.

Unklare Verhandlungswünsche

Auf Befehl Putins hatten russische Truppen am Donnerstagmorgen mit der Invasion der Ukraine begonnen. Die Einheiten rücken in einer Zangenbewegung von Norden und Süden ins Land ein, derzeit stehen sie vor Kiew. In der ukrainischen Hauptstadt sind immer wieder Explosionen und Schüsse zu hören. Die ukrainische Regierung rechnet damit, dass es bald zu einem Einmarsch der Russen in Kiew kommen könnte.

Selenskyj hatte seit Donnerstagmorgen nach eigenen Angaben mehrfach vergeblich versucht, mit Putin Gespräche aufzunehmen. Er wirft Russland Angriffe auf zivile Ziele vor. Am Mittag hatte der Kreml Gesprächsbereitschaft signalisiert, man könne mit einer »hohen Ebene« in der ukrainischen Regierung verhandeln, sagte Putin. Ob Moskau wirklich zu Gesprächen mit Kiew auf Augenhöhe bereit ist, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

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Der Westen hatte den russischen Großangriff auf die Ukraine scharf verurteilt. Die EU, die USA und weitere westliche Verbündete hatten wegen des russischen Einmarsches in die Ukraine umfangreiche Sanktionen gegen Moskau verhängt – neue Sanktionen sollen direkt Putin und seinen Außenminister Sergej Lawrow treffen. Die Europäische Union bereitet sich zugleich für eine großzügige Aufnahme von Schutzsuchenden aus der Ukraine vor.

mrc/dpa
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