Oppositionspolitiker auf Intensivstation Kreml wünscht Regierungskritiker Nawalny "schnelle Genesung"

In Russland kämpfen Ärzte um das Leben von Alexej Nawalny. Der bekannte Oppositionelle wurde seiner Sprecherin zufolge vergiftet. Nun schickt der Kreml Genesungswünsche.
Der Kreml in Moskau (Archivbild)

Der Kreml in Moskau (Archivbild)

Foto: Yuri Kochetkov/ DPA

Alexej Nawalny ist einer der bekanntesten Oppositionspolitiker Russlands. Seit etwa zehn Jahren kämpft er in Russland gegen Korruption und die Machtfülle von Präsident Wladimir Putin. Jetzt liegt Nawalny auf der Intensivstation - ohne Bewusstsein. Seine Sprecherin teilte mit, er sei vergiftet worden. Nun hat sich der Kreml zu der Erkrankung geäußert und dem Regierungskritiker eine baldige Genesung gewünscht.

"Wir wissen, dass er sich in einem ernsten Zustand befindet", sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, zu Journalisten in Moskau. "Wie jedem Bürger der Russischen Föderation wünschen wir ihm eine schnelle Genesung."

Nawalny wird auf der Intensivstation eines Krankenhauses im sibirischen Omsk behandelt, wo er künstlich beatmet wird. Nach Angaben seiner Sprecherin hatte der 44-Jährige während eines Fluges plötzlich das Bewusstsein verloren, was sie auf eine absichtlich herbeigeführte Vergiftung zurückführte.

Der Rechtsanwalt ist der führende Kopf der liberalen Opposition. Er organisierte in den vergangenen Jahren immer wieder landesweite Proteste und deckte mit seiner Stiftung Fälle von Korruption auf. Derzeit bereist er Russland, um die Wahl von Unterstützern Putins bei Regionalwahlen im September zu verhindern.

Nawalny wurde bereits mehrfach attackiert

Nawalny ist in der Vergangenheit bereits mehrfach attackiert worden. 2017 wurde er am Auge verletzt, als Angreifer ihn vor seinem Büro mit einer antiseptischen grünen Flüssigkeit besprühten.

Vor einem Jahr musste er während seiner Freiheitsstrafe in einem Krankenhaus angeblich wegen eines Allergieschocks behandelt werden. Nawalny betonte damals, dass er vergiftet worden sein könnte.

In Russland waren mutmaßliche Vergiftungen im politischen Milieu in der Vergangenheit immer wieder ein Thema. Der Aktivist Pjotr Wersilow, Mitglied der russischen Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot, verdächtigte den russischen Geheimdienst, ihn 2018 in Moskau vergiftet zu haben. Er wurde in Berlin behandelt. Pussy Riot war mit spektakulären Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption weltweit bekannt geworden.

asc/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.