»Ich erkenne meine Schuld nicht an« Russische Journalistin Owsjannikowa muss Geldstrafe zahlen

Sie hat live im russischen Staatsfernsehen mit einem Antikriegsplakat gegen die Militärinvasion in der Ukraine protestiert. Nun wurde die Journalistin Marina Owsjannikowa zu einer milden Strafe verurteilt – vorerst.
Livesendung in Russland: Marina Owsjannikowa läuft mit einem Antikriegsplakat durchs Bild

Livesendung in Russland: Marina Owsjannikowa läuft mit einem Antikriegsplakat durchs Bild

Foto: IMAGO/R4924_italyphotopress / IMAGO/Italy Photo Press

International wird Marina Owsjannikowa als Heldin gefeiert, in ihrem Heimatland Russland musste sie sich für ihren Protest gegen den Ukrainekrieg nun vor Gericht verantworten. Weil sie zu einem nicht genehmigten Protest aufgerufen hatte, wurde die TV-Journalistin schuldig gesprochen, gegen die Protestgesetze verstoßen zu haben. Sie muss eine Geldstrafe von 30.000 Rubel, umgerechnet etwa 256 Euro, zahlen. Es könnte allerdings nicht bei der milden Strafe bleiben.

Owsjannikowa wurde zunächst nicht nach dem neuen russischen Mediengesetz angeklagt, das bis zu 15 Jahre Haft für die Verbreitung von »Falschnachrichten« über das Militär vorsieht. Das russische Parlament hatte vor Kurzem das Gesetz verabschiedet . Damit wurde auch die Bezeichnung des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine als »Krieg« unter Strafe gestellt. So hatte Owsjannikowa die Militärinvasion allerdings auf einem Protestplakat bezeichnet, das sie live im Staatsfernsehen gezeigt hatte. Eine Anklage diesbezüglich soll noch geprüft werden.

Die Angeklagte bekannte sich vor Gericht nicht schuldig. »Ich erkenne meine Schuld nicht an«, sagte Owsjannikowa im Gerichtssaal, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. »Ich bin überzeugt, dass Russland ein Verbrechen begeht«, sagte sie weiter. Russland sei »der Aggressor in der Ukraine«, fügte sie hinzu.

»Ich habe zwei Tage nicht geschlafen, die Befragungen dauerten 14 Stunden an«

Die Redakteurin des Ersten Kanals  des russischen Staatsfernsehens hatte in den Hauptnachrichten am Montagabend ein Protestplakat gegen Putins Krieg in der Ukraine in die Kamera gehalten. Auf dem Plakat war auch zu lesen, dass die Zuschauer »hier belogen« würden. Owsjannikowa hatte den Angriff auf die Ukraine in einem Video als Verbrechen bezeichnet.

Nach der Gerichtssitzung äußerte sich Owsjannikowa nur kurz: »Es waren wirklich sehr schwere Tage meines Lebens, ich habe zwei Tage nicht geschlafen, die Befragungen dauerten 14 Stunden an, ich konnte nicht meine Familie anrufen.« Ihr sei lange nicht erlaubt worden, einen Anwalt zu kontaktieren.

Das Urteil habe sie nicht überrascht, da sie zwei Kinder habe, um die sie sich kümmere. Es sei allein ihre Entscheidung gewesen, gegen den Krieg zu protestieren.

asc/AFP/dpa
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