Dmitrij Gudkow Russischer Oppositioneller kündigt Flucht in die Ukraine an

Informanten des Kremls sollen ihn gewarnt haben: Falls er Russland nicht verlasse, werde er festgenommen. Nun will sich der Oppositionelle Dmitrij Gudkow nach Kiew absetzen.
Dmitri Gudkow im Juli 2019

Dmitri Gudkow im Juli 2019

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Alexander Zemlianichenko / dpa

Wenige Monate vor der Parlamentswahl in Russland gehen die Behörden weiter mit aller Härte gegen russische Oppositionelle vor. Der Kremlkritiker und ehemalige Abgeordnete Dmitri Gudkow zog nun Konsequenzen und hat angekündigt, das Land zu verlassen. Zuflucht will er in der ukrainischen Hauptstadt Kiew finden. Das verkündete der 41-Jährige auf Telegram.

»Mehrere nahe Quellen aus dem Umfeld der Präsidialverwaltung haben mir gesagt, wenn ich das Land nicht verlasse, werden gefakte Strafverfahren bis zu meiner Verhaftung fortgesetzt«, schrieb Gudkow auf der Social-Media-Plattform. »Sollte ich bleiben, wurde die Genehmigung erteilt, die Gudkow-Frage 'mit allen Mitteln’ zu lösen.«

Gudkow war am Dienstag unter dem Vorwurf festgenommen worden, er schulde der Stadt Geld wegen der Anmietung von Büro-Räumlichkeiten. Zwei Tage später wurde er aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Es sei keine Anklage erhoben worden, sagte sein Anwalt am Donnerstag. Bei einer Anklage hätten Gudkow fünf Jahre Gefängnis gedroht. Die Polizei hatte am Dienstag sein Landhaus nahe Moskau durchsucht. Auch in Wohnungen von weiteren Oppositionellen fanden Razzien statt.

Andrej Piwowarow zeigt während einer Gerichtsverhandlung am 2. Juni hinter einer Glaswand das »Victory«-Zeichen

Andrej Piwowarow zeigt während einer Gerichtsverhandlung am 2. Juni hinter einer Glaswand das »Victory«-Zeichen

Foto: AP / dpa

Am Montagabend hatte die Polizei den Oppositionellen Andrej Piwowarow kurz vor seinem Abflug nach Warschau aus dem Flieger geholt. Am Mittwoch ordnete ein Gericht eine zweimonatige Untersuchungshaft gegen den 39-Jährigen an. Ihm drohen bis zu sechs Jahre Haft.

Piwowarow ist der frühere Chef der Oppositionsbewegung Open Russia, die sich vergangene Woche aufgrund des wachsenden Drucks russischer Behörden selbst aufgelöst hatte. Open Russia war einst von Kremlkritiker Michail Chodorkowski gegründet worden.

mjm/dpa
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