Russland Regisseur Serebrennikow schuldig gesprochen

Russlands wohl bekanntester Regisseur Kirill Serebrennikow ist im Verfahren um angeblich unterschlagene Fördergelder von einem Moskauer Gericht für schuldig befunden worden. Das Strafmaß war zunächst unklar.
Serebrennikow am Freitag mit Schutzmaske und Sonnenbrille vor Gericht

Serebrennikow am Freitag mit Schutzmaske und Sonnenbrille vor Gericht

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ALEXANDER NEMENOV/ AFP

Ein russisches Gericht hat den prominenten Regisseur Kirill Serebrennikow in einem umstrittenen Verfahren schuldig gesprochen. Der 50-Jährige wurde wegen Veruntreuung von Fördergeldern verurteilt, wie das Bezirksgericht der Agentur Interfax zufolge in Moskau entschied. Das Strafmaß war zunächst unklar.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gefängnisstrafe von sechs Jahren gefordert. Zudem sollte der 50-Jährige 800.000 Rubel (rund 10.300 Euro) zahlen. Der Regisseur beteuerte stets seine Unschuld. Die Verteidigung forderte Freispruch. Auch drei Mitarbeiter sind angeklagt. Sie sollen nach dem Willen der Staatsanwaltschaft in Haft und zusätzlich Geldstrafen bezahlen.

Serebrennikow übt in seinen Filmen und Theateraufführungen immer wieder auch Gesellschaftskritik. Er hatte in seinem Schlusswort am Montag seine Unschuld beteuert und hervorgehoben, dass in dem Verfahren keine Beweise vorgelegt worden seien. Zugleich räumte der Regisseur ein, dass die Buchhaltung seines Theaters schrecklich organisiert gewesen sei. Er verstehe aber nichts von Buchhaltung und Finanzen, sagte er. Deshalb gebe es Experten dafür. Eine Buchhalterin hatte Serebrennikow belastet. Ihr Fall wird in einem getrennten Verfahren behandelt.

Die Ermittlungen gegen Serebrennikow und mehrere seiner Mitarbeiter laufen seit Sommer 2017. Russlands wohl bekanntester Filme- und Theatermacher soll 129 Millionen Rubel (1,6 Millionen Euro) unterschlagen haben. Im vergangenen Jahr kam er nach mehr als anderthalb Jahren im Hausarrest mit Einschränkungen auf freien Fuß. Zudem legten Sachverständige ein entlastendes Gutachten vor.

Anklagebehörde erwirkte Verhandlung vor einem anderen Gericht

Im September 2019 hatte eine Richterin den Fall wegen Widersprüchen in der Anklage zurück an die Generalstaatsanwaltschaft verwiesen. Serebrennikow durfte daraufhin auch zwischenzeitlich wieder aus Russland ausreisen. Die Anklagebehörde wiederum legte Berufung ein und setzte durch, dass ein anderes Gericht den Fall verhandelte.

Das Verfahren steht international als politischer Schauprozess gegen die liberale Kunstszene in Russland in der Kritik. Auch Kanzlerin Angela Merkel sowie internationale Stars hatten sich für den Filme- und Theatermacher eingesetzt. Serebrennikow leitet in Moskau das anerkannte Gogol-Zentrum, inszenierte aber auch in Berlin, Stuttgart und Hamburg. Tausende Kulturschaffende in Russland haben einen Unterstützerbrief für Serebrennikow unterzeichnet.

Auch in Deutschland gab es im Internet Solidaritätsbekundungen unter dem Schlagwort #freekirill. Die Schaubühne Berlin betonte, dass es Anschuldigungen gebe, "die in dem seit 2017 laufenden Strafprozess in keiner Weise belegt werden konnten". Man sei "fassungslos und empört", dass Serebrennikow womöglich mehrere Jahre in einem Gefängnis verbringen solle.

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Vor der russischen Botschaft in Berlin versammelte sich am Freitag nach einem Aufruf der Schaubühne eine kleine Gruppe von Demonstranten. Dem Botschafter soll eine Petition mit 56.000 Unterschriften übergeben werden. Auch der deutsche Schauspielstar Lars Eidinger rief zur Demonstration vor der diplomatischen Vertretung auf.

mes/dpa/Reuters