»Falschnachrichten« über das Militär Russischer Journalistin Owsjannikowa droht offenbar weitere Strafe

Bisher wurde TV-Journalistin Marina Owsjannikowa für ihre Protestaktion gegen den Krieg in der Ukraine nur zu einer Geldstrafe verurteilt. Nach Angaben der russischen Staatsagentur Tass gibt es nun weitere Ermittlungen.
Marina Owsjannikowa am Mittwoch

Marina Owsjannikowa am Mittwoch

Foto: Mikhail Japaridze / action press

Marina Owsjannikowa hat mit ihrem mutigen Auftritt im russischen Fernsehen weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Nun droht der russischen Journalistin neben der bereits verhängten Geldbuße von 30.000 Rubel, umgerechnet etwa 256 Euro, noch eine weitere Strafe. Es seien Ermittlungen wegen der angeblichen Verbreitung von Lügen über Russlands Streitkräfte aufgenommen worden, meldete die Staatsagentur Tass unter Berufung auf eine Quelle bei den Ermittlungsbehörden. Befürchtet wurde, dass Owsjannikowa doch noch nach dem neuen Mediengesetz in Russland belangt werden könnte. Dieses sieht bis zu 15 Jahre Haft vor.

DER SPIEGEL

Die Journalistin hatte sich am Montagabend während einer Nachrichten-Livesendung des staatlichen TV-Senders Kanal Eins mit einem Plakat hinter die Moderatorin gestellt, auf dem sie zum Ende des Kriegs aufruft und vor Propaganda warnt.

Nach ihrem Protest sorgt sich Owsjannikowa um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder. Sie habe aber nicht vor, aus Russland zu fliehen, sagte sie in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Sie hoffe, dass ihr Protest nicht umsonst gewesen sei und dass die russische Bevölkerung ihre Augen öffne  und Kriegspropaganda genauer hinterfrage.

Owsjannikowa auf Titelseite

Die oppositionelle Zeitung »Nowaja Gaseta«  hatte Owsjannikowa am Mittwoch ihre Titelseite  gewidmet. Die Zeitung druckte über die ganze Seite ein Bild von Owsjannikowa mit ihrem Plakat, das diese am Montagabend hinter der Nachrichtensprecherin des Ersten Kanals in die Kamera gehalten hatte – verpixelte darauf aber dreimal das Wort »Krieg«. In Russland ist es Medien offiziell verboten, von »Krieg«, »Invasion« oder »Einmarsch« im Nachbarland Ukraine zu sprechen.

Auf Telegram beklagte die »Nowaja Gaseta« später, dass viele Kioske sich weigerten, die Ausgabe zu verkaufen. Die Journalisten riefen ihre Leserschaft auf, sich das Blatt persönlich in der Moskauer Redaktion abzuholen, die von Friedensnobelpreisträger Dmitrij Muratow geleitet wird.

kim/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.