Warnung aus den USA Russland schickt laut Pentagon weitere Truppen an die ukrainische Grenze

Zehntausende russische Einheiten stehen schon nahe der Ukraine bereit – und am Wochenende sind laut US-Angaben noch weitere hinzugekommen. Auch auf See verstärkt der Kreml demnach seine Präsenz.
Transport von russischen Militärfahrzeugen (Archivbild)

Transport von russischen Militärfahrzeugen (Archivbild)

Foto: MINISTRY OF DEFENCE REPUBLIC OF BELARUS / AFP

Die Lage an der Grenze zur Ukraine ist seit Wochen höchst angespannt – und die nun gemeldeten Truppenbewegungen dürften wenig dazu beitragen, die Situation zu beruhigen.

Russland hat nach Angaben der US-Regierung seine Präsenz in der Krisenregion weiter verstärkt. »Im Laufe des Wochenendes sind weitere russische Bodentruppen in Belarus und an der Grenze zur Ukraine aufmarschiert«, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Montag in Washington.

Außerdem beobachte man zunehmende Aktivitäten der Marine im Mittelmeer und im Atlantik. Es handle sich um »nichts Feindliches«, so Kirby. »Aber sie haben mehr Schiffe, sie üben auf See, sie erhöhen eindeutig die Fähigkeiten, die sie auf See haben, wenn sie sie brauchen.«

Mit Blick auf US-Präsident Joe Bidens Ankündigung, wegen der Ukrainekrise bald zusätzliche US-Truppen in die osteuropäischen Nato-Staaten zu verlegen, sagte Kirby: »Eine Option, die uns zur Verfügung steht, ist der Einsatz von US-Streitkräften, die sich bereits in Europa aufhalten. Man muss nicht unbedingt Truppen aus den USA oder aus anderen Orten einfliegen lassen.«

In Europa sind regulär auch außerhalb von Krisenzeiten Zehntausende US-Soldaten stationiert, darunter rund 35.000 in Deutschland.

Auf Bidens Anordnung hin waren am Montag 8500 Soldaten in den USA in erhöhte Bereitschaft versetzt worden, um bei Bedarf eine schnelle Verlegung zu ermöglichen. Kirby betonte, dass es sich dabei um zusätzliche Truppen handele. Der Pentagon-Sprecher machte keine Angaben, wann oder wie viele US-Soldaten wohin verlegt werden sollen. Er betonte aber noch einmal, dass keine US-Soldaten in die Ukraine geschickt würden.

Angesichts eines Aufmarschs von mehr als 100.000 Soldaten in der Nähe der Ukraine wird im Westen befürchtet, dass der Kreml einen Einmarsch in die ehemalige Sowjetrepublik plant.

Für möglich wird allerdings auch gehalten, dass nur Ängste geschürt werden sollen, um die Nato-Staaten zu Zugeständnissen bei Forderungen nach neuen Sicherheitsgarantien zu bewegen. Moskau dementiert Pläne zu einem angeblichen Einmarsch.

Schreiben aus dem Kreml an die USA

Die diplomatischen Bemühungen zur Entschärfung der Krise erweisen sich derweil als äußerst zäh. Immerhin haben die USA zuletzt laut eigenen Angaben eine neue schriftliche Antwort der russischen Regierung im Briefwechsel zur Ukrainekrise erhalten. Ein Sprecher des US-Außenministeriums bestätigte den Erhalt des Schreibens am Montag, ohne näher auf den Inhalt einzugehen. »Wir glauben, dass es nicht produktiv wäre, in der Öffentlichkeit zu verhandeln, daher werden wir es Russland überlassen, über seine Antwort zu sprechen, wenn es das möchte«, erklärte er.

Bei einem neuen Telefonat zu dem Konflikt haben zudem Russlands Präsident Wladimir Putin und sein französischer Kollege Emmanuel Macron die Möglichkeit eines persönlichen Treffens ausgelotet. An einer solchen Begegnung werde neben den telefonischen Kontakten gearbeitet, teilte der Kreml am Montagabend in Moskau mit.

SPD ist uneins – und dann ist da noch die Waffenfrage

Macron und Putin hatten erst am Freitag länger miteinander telefoniert. In Paris verlautete dazu aus dem Élysée-Palast, beide Staatschefs hielten am Willen zu einer Deeskalation fest.

Auch in Deutschland sorgen die russischen Aktivitäten für erhebliche Unruhe. Besonders die SPD ringt weiter um einen klaren Kurs in der Russlandfrage (eine ausführliche Analyse lesen Sie hier ).

Außerdem zieht die Bundesregierung in der Debatte über Waffenexporte an die Ukraine einigen Unmut auf sich. Bisher hat Berlin die Lieferung von 5000 Militärhelmen zugesagt – mehr Material soll das Land, trotz der Gefahr einer möglichen russischen Invasion, aus Deutschland vorerst nicht erhalten. Die Kritik aus dem Ausland ist deutlich.

jok/dpa
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