Machtdemonstration Russland testet Interkontinentalrakete, die USA reagieren entspannt

Russland hat eine mit Atomsprengköpfen bestückbare Rakete abgefeuert, Moskau rühmt sich vor allem für die Reichweite. Der Test während des Krieges wurde laut den USA aber angekündigt.
Russischer Raketentest

Russischer Raketentest

Foto: Uncredited / dpa

Inmitten des Ukrainekriegs hat Russland mit einem Raketentest für Aufsehen gesorgt. Der russische Präsident Wladimir Putin ließ eine neue ballistische Interkontinentalrakete vom Typ Sarmat testen und nutzte den Raketenstart für drohende Worte. Keine andere Rakete auf der Welt könne Ziele in einer solchen Entfernung erreichen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die mit Atomsprengköpfen bestückbare Rakete stärke massiv das nukleare Potenzial Russlands , hieß es.

Das Waffensystem habe »beste taktisch-technische Eigenschaften und ist in der Lage, alle modernen Mittel der Raketenabwehr zu überwinden«, sagte Putin. »Das ist eine wirklich einzigartige Waffe, die das Kampfpotenzial unserer Streitkräfte stärken wird und verlässlich die Sicherheit Russlands schützt vor äußeren Bedrohungen.« Die Waffe zwinge »jene zum Nachdenken, die im Feuereifer einer abgebrühten, aggressiven Rhetorik versuchen, unser Land zu bedrohen«.

Die Sarmat hat eine Reichweite von 18.000 Kilometern. Damit kann Russland sowohl über den Nord- als auch über den Südpol angreifen und Ziele weltweit erreichen.

Die USA reagierten betont gelassen auf die Machtdemonstration Moskaus. Pentagon-Sprecher John Kirby sagte in Washington, Russland habe die Vereinigten Staaten im Rahmen seiner Verpflichtungen aus dem atomaren Abrüstungsvertrag New Start »ordnungsgemäß davon in Kenntnis gesetzt, dass es einen ICBM-Test plant«. Die Abkürzung ICBM steht für Interkontinentalrakete.

»Solche Tests sind Routine, und sie waren keine Überraschung«, betonte er. Der Test werde nicht als Bedrohung für die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten angesehen.

Laut Putin unabhängig von Sanktionen

Wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte, sei die Rakete mit dem Nato-Codenamen SS-X-30 Satan 2 am Mittwochnachmittag vom Kosmodrom Plessezk im Gebiet Archangelsk abgeschossen worden. Die für den Test genutzten nicht atomaren Sprengköpfe schlugen demnach auf dem Gelände Kura auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka ein.

Die Sarmat soll die alten, schweren Wojewoda-Atomraketen künftig ablösen. Putin machte deutlich, dass die Waffen unabhängig von den internationalen Sanktionen gegen Russland in Serie gehen könnten. Russland habe alles, was es brauche. Das Verteidigungsministerium in Moskau kündigte an, die Truppen nun an dem neuen System auszubilden.

hba/dpa