Russland-Ukraine-Konflikt Außenministerin Baerbock besucht vermintes Gebiet

Mit Helm und Schutzweste besuchte Annalena Baerbock ein Dorf in der Ostukraine. Für die deutsche Außenministerin war es der erste Besuch in einem Kriegsgebiet. Eindrücke von der Front.
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DER SPIEGEL

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»Da wurden keine Minen geräumt. Deshalb nicht näher ran, bitte.«

Besuch an der »Kontaktlinie«. Die Außenministerin Annalena Baerbock besucht auf ihrer Ukraine-Reise ein Dorf am Asowschen Meer.

Ort: Schyrokyne, Region Mariupol, Ukraine

Ukrainischer Soldat:
»Der Beschuss wurde ausgeführt mit Artillerie und Panzern vonseiten des Gegners.«

Seit 2014 kommt es hier im Südosten der Ukraine immer wieder zu Gefechten zwischen russischeno Milizen und der ukrainischen Armee. Hier verläuft die reale Frontlinie eines nie erklärten Krieges.

Annalena Baerbock, Bundesaußenministerin:
»Man spürt, was vor Jahren hier passiert ist. Dass Menschen vom einen Tag auf den anderen alles verloren haben, was sie hatten. Kinderspielzeug liegt noch am Wegesrand, Häuser sind zerstört. Einstmals ein Ferienort gewesen – jetzt ein Zeugnis dessen, dass wir mitten in Europa Krieg haben.«

Baerbocks Besuch im Lagezentrum an der Front soll ein Zeichen sein, dass Deutschland der Ukraine beisteht. Weiterhin bedrohen 100.000 russische Soldaten die Grenze, Experten und westliche Politiker befürchten nach wie vor eine Invasion. Am Asowschen Meer gilt ein Waffenstillstand - eigentlich und aufgrund des Minsker Abkommens. Trotzdem gehen die Kämpfe weiter. Kiew und Moskau werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Vereinbarung vor.

Annalena Baerbock, Bundesaußenministerin:
»Vor allen Dingen machen diese Orte deutlich, wie wichtig es ist, dass wir das Minsk-Abkommen wieder mit Leben füllen. Damit wir hier zu einer Situation kommen können, dass Frieden herrscht und dass die Menschen weiterleben können in der Region, die ihre Heimat ist.«

Vor Ort besuchte Baerbock auch die Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Die Beobachter der OSZE sollen eigentlich den Waffenstillstand überwachen. Immer wieder, berichten sie, kämen ihnen dabei aber russlandtreue Kämpfer in die Quere.

Annalena Baerbock, Bundesaußenministerin:
»Die Mission muss ihre Arbeit machen können. Mit technischer Unterstützung auch von uns als Bundesrepublik Deutschland. Sie muss aber auch ihre Arbeit machen können, indem von allen Seiten, gerade auch von russischer Seite, dafür gesorgt wird, dass diese Mission wirklich diese Überwachung tätigen kann, für die sie eigentlich hier ist.«

Am Mittwoch will die Außenministerin in die nächste Krisenregion reisen: Nach Israel und in die Palästinensergebiete.