Konflikt in Osteuropa Ukraine im Ausnahmezustand – das müssen Sie wissen, das sollten Sie lesen

Wie reagieren die Menschen in der Ukraine auf Russlands Aggression? Wie viel bringen die Sanktionen des Westens? Und wohin steuert der Konflikt? Hier finden Sie wichtige SPIEGEL-Artikel zum Thema in der Übersicht.
Ukrainischer Präsident Selenskyj während einer Sitzung des Kongresses der lokalen und regionalen Behörden

Ukrainischer Präsident Selenskyj während einer Sitzung des Kongresses der lokalen und regionalen Behörden

Foto: Ukrinform / dpa
Die Entwicklungen im Russland-Ukraine-Konflikt

Wie weit wird Wladimir Putin gehen? Seit Monaten zieht der russische Staatschef Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammen. Seit Wochen eskaliert die Lage mit zunehmender Geschwindigkeit. Und seit wenigen Tagen wirkt kaum noch etwas undenkbar: nicht die Besetzung von weiterem ukrainischen Territorium durch das russische Militär, nicht einmal Bomben auf eine europäische Hauptstadt.

Putins jüngste Drohgebärden – eine bizarre gegen das Nachbarland gerichtete Rede, die Anerkennung der selbst ernannten »Volksrepubliken« Luhansk und Donezk und ein Beschluss zur Entsendung russischer Truppen – stoßen auf Gegenschritte des Westens: Die Europäische Union und die USA haben Sanktionen erlassen, die sich unter anderem gegen Banken sowie russische Parlamentarier und andere Eliten richten.

Der ukrainische Sicherheitsrat hat angesichts der Bedrohung angekündigt, für das ganze Land den Ausnahmezustand zu verhängen. Er soll zunächst für einen Monat gelten und unter anderem Ausgangssperren ermöglichen. Auch verstärkte Polizeipräsenz und das Recht auf willkürliche Kontrollen von Personen und Autos wären dann zulässig.

Zuletzt nahmen auch die Spannungen im ostukrainischen Konfliktgebiet zu. Laut dem ukrainischen Militär haben prorussische Separatisten im umkämpften Landesteil seit gestern einen Soldaten getötet und sechs weitere verletzt. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) meldete mehr als tausend Explosionen in der Gegend.

In der Hauptstadt Kiew nimmt derweil die Nervosität unter den Menschen zu. Und in Charkiw unweit der Grenze zu Russland proben Schüler den Kriegsfall: Sie lernen, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen, wie Granaten aussehen, wie sie Blindgänger erkennen.

Der SPIEGEL berichtet ausführlich über den Konflikt in Osteuropa. Hier finden Sie aktuelle Reportagen, Analysen sowie lesenswerte Hintergründe aus den vergangenen Tagen, sortiert nach Themenschwerpunkten.

Ukrainischer Soldat nahe Luhansk

Ukrainischer Soldat nahe Luhansk

Foto: ARIS MESSINIS / AFP

Wie entwickelt sich der Konflikt?

Verstärkt Russland seine Einheiten in der Konfliktregion? Und wie kommt der Westen an Informationen über die Truppenbewegungen? Antworten finden Sie hier:

Desinformation ist im Krieg genauso eine Waffe wie Panzer oder Kampfflugzeuge. Wie gezielt Putin Falschmeldungen einsetzt, um Argumente zum Einmarsch in die Ostukraine zu fabrizieren, erklären hier Alexander Epp und Klaas Neumann:

Proteste gegen Russlands Aggression vor der russischen Botschaft in Kiew

Proteste gegen Russlands Aggression vor der russischen Botschaft in Kiew

Foto: SERGEY DOLZHENKO / EPA

Wie gehen die Menschen vor Ort mit der Situation um?

Steht die russische Bevölkerung hinter Wladimir Putins Entscheidung, die »Volksrepubliken Donezk und Luhansk« anzuerkennen? Und wie erleben die Menschen im russisch-ukrainischen Grenzgebiet die Eskalation? Diesen Fragen ist unsere Korrespondentin Christina Hebel nachgegangen. Ihre Eindrücke finden Sie hier:

Unsere Reporterinnen und Reporter haben sich auch anderswo in der Ukraine umgesehen. In der Hafenstadt Odessa, vor der die russische Kriegsmarine kreuzt. In Kiew, wo sich die Leute fragen, wie weit Putin gehen wird. Und ein Video zeigt, wie Schülerinnen und Schüler in der Ostukraine lernen, wie Granaten aussehen und woran sie Blindgänger erkennen.

In den Nachbarländern der Ukraine stellt man sich auf die Möglichkeit ein, dass zahlreiche Menschen vor einem Krieg mit Russland fliehen. Besonders in Polen laufen Vorbereitungen, Flüchtlinge aufzunehmen. Fachleute gehen davon aus, dass möglicherweise Millionen Menschen die Ukraine verlassen würden.

US-Präsident Joe Biden bei seiner Rede zu Sanktionen gegen Russland (22. Februar im Weißen Haus)

US-Präsident Joe Biden bei seiner Rede zu Sanktionen gegen Russland (22. Februar im Weißen Haus)

Foto: Alex Brandon / AP

Welche Sanktionen gegen Russland gibt es – und was bringen sie?

International stößt Russlands Vorgehen nahezu einhellig auf Kritik und Widerstand. Einen Überblick zu den Reaktionen, Sanktionen und möglichen Handlungsoptionen für den Westen finden Sie hier:

Mit der Frage, wie sehr wirtschaftliche Sanktionen Russland treffen, hat sich unser Autor Michael Sauga befasst:

Und die Wirtschaftsredakteure Claus Hecking und Tim Bartz haben analysiert, wie Putin sich gegen westliche Sanktionen zu wappnen versucht:

Kanzler Scholz, Außenministerin Baerbock vor der Sitzung des Sicherheitskabinetts

Kanzler Scholz, Außenministerin Baerbock vor der Sitzung des Sicherheitskabinetts

Foto: MICHELE TANTUSSI / REUTERS

Wie reagiert die deutsche Politik auf die Krise in der Ostukraine?

Die Bundesregierung hat angesichts der russischen Aggression die Gaspipeline Nord Stream 2 gestoppt. Dies ist auch Ausdruck der Erkenntnis, dass das Bemühen Deutschlands, zu einer diplomatischen Lösung mit Russland zu gelangen, gescheitert ist.

Als Außenminister war Frank-Walter Steinmeier jahrelang ein zentraler Akteur der deutschen Russlandpolitik. Inzwischen ist er als Bundespräsident wiedergewählt, doch auch in diesem Amt hat ihn der Konflikt in der Ostukraine eingeholt. Unser Kollege Veit Medick beschreibt Steinmeiers Reise in den Senegal, die von der Krise in Osteuropa überschattet wurde.

Gasempfangsstation der Pipeline Nord Stream 2 im Lubmin, Mecklenburg-Vorpommern

Gasempfangsstation der Pipeline Nord Stream 2 im Lubmin, Mecklenburg-Vorpommern

Foto: Stefan Sauer / dpa

Der Konflikt und die Energiefrage

Dank mildem Wetter und Flüssiggas ist die EU wohl in diesem Winter nicht auf russisches Erdgas angewiesen, analysieren Katharina Graça Peters, Michael Sauga und Stefan Schultz. Entsprechend selbstbewusst tritt die Staatengemeinschaft nun gegenüber Moskau auf. Doch auf eine längere Konfrontation mit Russland, dem bislang wichtigsten Roh- und Brennstofflieferanten, wäre die EU derzeit schlecht vorbereitet. Sie bezieht rund 40 Prozent ihres Erdgases aus Russland.

Niemand in der EU kauft so viel russisches Erdgas wie Deutschland, aktuell stammen mehr als die Hälfte der Einkäufe aus Russland. Wie könnten Alternativen aussehen, wenn Moskau Lieferungen einstellt – oder die Preise drastisch steigen? Und ist die Versorgung in dieser Heizperiode gesichert? Mit diesen Fragen haben sich unsere Kollegen Christoph Seidler und Stefan Schultz beschäftigt:

Wladimir Putin: Großmachtstreben, auch um den Preis eines Krieges

Wladimir Putin: Großmachtstreben, auch um den Preis eines Krieges

Foto: Sergey Guneev; Kremlin Pool / dpa

Was treibt Wladimir Putin an?

Der Historiker Serhii Plokhy ist Professor für ukrainische Geschichte an der Harvard University und Direktor des dort ansässigen Ukrainian Research Institute. Im Interview mit Felix Bohr und Katja Iken beschreibt der Experte, wie sich Kremlchef Putin die Geschichte Osteuropas zurechtbiegt und damit das Existenzrecht der Ukraine leugnet:

Sehr aufschlussreich ist auch das Interview mit drei Kremlexpertinnen, die sich intensiv mit dem Kremlchef, seiner Persönlichkeit und seiner politischen Agenda befasst haben:

Eine Szene zeigt beispielhaft, wie dominant Putins Machtstellung in Russland ist – und wie er sie ungeniert auslebt: Vor laufenden Kameras behandelt er einen Geheimdienstchef wie einen Schuljungen, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

asa/ulz