Krieg in der Ukraine Selenskyj will Crowdfunding für Seedrohnen, Kämpfe um Cherson

Der ukrainische Präsident ruft zu Spenden auf, um eine Seedrohnenflotte zu schaffen – und beschuldigt Iran, zu lügen. In Cherson wird schwer gekämpft. Das AKW Saporischschja hat wieder Strom aus dem Netz. Der Stand am Morgen.
Selenskyj spricht bei einem Besuch des Präsidenten von Guinea-Bissau Ende Oktober

Selenskyj spricht bei einem Besuch des Präsidenten von Guinea-Bissau Ende Oktober

Foto: Ruslan Kaniuka / Ukrinform / IMAGO

Das geschah in den vergangenen Stunden

Rund um die südukrainische Stadt Cherson haben sich ukrainische Truppen und russische Besatzer am Samstag schwere Kämpfe geliefert. Nach russischer Darstellung sollen verschiedene Frontabschnitte in der Region unter schwersten Artilleriebeschuss geraten sein. An einigen Stellen seien größere Truppenverlegungen und Bewegungen ukrainischer Panzerverbände registriert worden.

Auch das ukrainische Militär hatte zuvor von schweren Kämpfen und Artillerieduellen in der Umgebung von Cherson berichtet. Die ukrainische Führung will die Region im Süden des Landes nach ersten Erfolgen komplett befreien.

Unterdessen ist die externe Stromversorgung des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja ist nach zwei Tagen Unterbrechung wiederhergestellt worden. Wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien am Samstagabend berichtete, wurden zwei Leitungen repariert. Das von Russland besetzte AKW ist zwar derzeit nicht im Betrieb, doch die Anlage braucht weiterhin Strom für die Kühlung, sonst droht ein Atomunfall.

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Die zwei Leitungen waren nach einem Beschuss auf ukrainisch kontrolliertem Gebiet in rund 60 Kilometer Entfernung von dem AKW beschädigt worden. Die Stromversorgung des größten europäischen Atomkraftwerks wurde bis zur Reparatur mit Notgeneratoren sichergestellt, die über genug Treibstoff für rund 15 Tage verfügen.

Das sagt Kiew

Nachdem Iran eingeräumt hat, Kampfdrohnen an Russland geliefert zu haben, wirft der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Teheran Lügen vor. »Selbst bei diesem Geständnis lügen sie«, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft. Die Zahl der von der ukrainischen Luftabwehr abgeschossenen iranischen Kampfdrohnen übersteige die vom Iran genannten »wenigen« Drohnen, begründete Selenskyj seinen Vorwurf.

Iran hatte am Samstag erstmals Drohnenlieferungen an Russland eingeräumt, Waffenlieferungen nach Beginn des russischen Angriffskriegs sowie Bereitstellung von Raketen jedoch dementiert. Das ukrainische Militär gibt dagegen an, bereits Hunderte iranische Kamikazedrohnen abgeschossen zu haben. »Allein gestern wurden elf Schahed-Drohnen abgeschossen«, sagte Selenskyj. Die ukrainische Militärführung vermutet, dass Russland 2400 solcher Drohnen bestellt hat, mit denen das russische Militär zuletzt verstärkt die ukrainische Energieversorgung angegriffen hat.

Die Ukraine dagegen hatte zuletzt überraschend die russische Schwarzmeerflotte auf der Krim mit Seedrohnen angegriffen  und will nun weitere Waffen dieser Art kaufen. »Wir werden in der kommenden Woche noch eine Fundraising-Aktion starten, wir wollen Mittel für eine ganze Flotte von Seedrohnen sammeln«, kündigte Selenskyj an. Er sei zuversichtlich, dass »Millionen Menschen« die Aktion unterstützen werden.

Internationale Reaktionen

Bundeskanzler Olaf Scholz hat Russland aufgefordert, den Einsatz von Atomwaffen im Ukrainekrieg eindeutig auszuschließen. »Es ist nicht erlaubt, es ist unvertretbar, in diesem Konflikt Nuklearwaffen einzusetzen«, sagte Scholz am Samstag beim SPD-Debattenkonvent in Berlin. »Wir fordern Russland auf, dass es klar erklärt, dass es das nicht tun wird. Das wäre eine Grenze, die nicht überschritten werden darf.« Am Freitag hatte Scholz bei seinem Peking-Besuch gemeinsam mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping vor einer nuklearen Eskalation gewarnt.

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, hat wegen des Schweizer Vetos gegen die Lieferung von Flugabwehrmunition an die Ukraine für eine grundsätzliche Überprüfung der Lieferketten plädiert. Deutschland könne sich nicht länger abhängig machen, sagte die FDP-Politikerin. Die Welt sei sicherheitspolitisch eine andere seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, Deutschland müsse »Lieferwege überprüfen, gegebenenfalls verändern oder anpassen«. Die Schweiz hatte die Weitergabe von Gepard-Munition am Donnerstag zum zweiten Mal blockiert (lesen Sie hier  mehr dazu).

Man müsse die Entscheidung der Schweiz akzeptieren, sagte Strack-Zimmermann. »Bedauerlich ist es allerdings, da die Munition für den Gepard benötigt wird, um primär Luftangriffe auf mit Weizen beladene Schiffe in den ukrainischen Häfen abzuwehren. Wenn dies nicht gelingt, hat das am Ende für 190 Millionen Menschen weltweit zur Folge, in eine Hungersnot zu geraten.«

kko/dpa
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