News zum Krieg in Osteuropa Russland will Sitzung des Uno-Sicherheitsrats zu Butscha

Russland will angesichts des Vorwurfs von Kriegsverbrechen in Butscha, dass der Uno-Sicherheitsrat am Montag zusammentritt. Und: Scholz kündigt neue Sanktionen gegen Russland an. Das waren die News am 3. April.
Zerstörung in der Stadt Butscha: In dem Kiewer Vorort sind ukrainische Soldaten auf zahlreiche getötete Zivilisten gestoßen

Zerstörung in der Stadt Butscha: In dem Kiewer Vorort sind ukrainische Soldaten auf zahlreiche getötete Zivilisten gestoßen

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Rodrigo Abd / dpa

Das Wichtigste in Kürze
  • Russland will angesichts des Vorwurfs von Kriegsverbrechen im ukrainischen Butscha für Montag eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrats einberufen. Das schreibt der Vertreter Russlands bei den Uno, Dmitri Polanski, auf der Plattform Telegram. Bei der Sitzung solle über die »Provokation von ukrainischen Radikalen« diskutiert werden.

  • Bundeskanzler Olaf Scholz hat angesichts der russischen Gräueltaten in Butscha neue Sanktionen gegen Russland in Aussicht gestellt.

  • Nach Angaben der ukrainischen Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa wurden in den Vororten von Kiew mindestens 410 Leichen von Zivilisten gefunden.

  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den russischen Truppen angesichts von Gräueltaten gegen Zivilisten einen Genozid vorgeworfen.

  • Das russische Verteidigungsministerium hat Vorwürfe zurückgewiesen, einen Massenmord an Zivilisten in der ukrainischen Stadt Butscha begangen zu haben.

  • Russland hat Hoffnungen der Ukraine auf ein baldiges Spitzentreffen der beiden Präsidenten Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj zur Beendigung des Kriegs gedämpft.

  • Gefesselte Leichen in Butscha, Raketen auf Odessa – Lesen Sie hier nach, was am 39. Kriegstag geschah.

Ukraine: Mehr als 30 Verletzte sowie Tote in Charkiw

23.23 Uhr: Bei russischem Beschuss der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw sind nach ukrainischen Angaben 34 Menschen verletzt worden. Mindestens sieben Menschen seien getötet worden, schrieb die Staatsanwaltschaft der Region Charkiw am Sonntagabend auf Telegram. Unter den Verletzten waren demnach drei Kinder. Außerdem seien zehn Häuser beschädigt worden.

Der regionale Militärchef Oleg Synegubow hatte zuvor nach Angaben der Zeitung »Ukrajinska Prawda« im Einheitsprogramm des ukrainischen Fernsehens von mindestens 23 Verletzten und mehreren Toten gesprochen.

Russland will Sitzung des Uno-Sicherheitsrats zu Butscha

21.57 Uhr: Russland will angesichts des Vorwurfs von Kriegsverbrechen im ukrainischen Butscha für Montag eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrats einberufen. Das schreibt der Vertreter Russlands bei den Uno, Dmitri Polanski, auf der Plattform Telegram. Bei der Sitzung solle über die »Provokation von ukrainischen Radikalen« diskutiert werden.

Nach dem Abzug russischer Truppen hat die Ukraine nach eigenen Angaben in der Region um die Hauptstadt Kiew die Leichen von insgesamt 410 Bewohnern geborgen. »Das ist eine Hölle, die dokumentiert werden muss, damit die Unmenschen, die sie geschaffen haben, bestraft werden«, schrieb die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa am Sonntagabend auf Facebook. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch veröffentlichte Beweise für mutmaßliche Kriegsverbrechen.

Die Ukraine macht für das Massaker russische Truppen verantwortlich, die die kleine Stadt bis vor Kurzem besetzt hatten. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem Genozid. Russland weist die Vorwürfe zurück.

Habeck weiter distanziert gegenüber Energie-Embargo

21.39 Uhr: Putin habe »den Krieg jetzt schon praktisch verloren«, sagt Wirtschaftsminister Habeck. Einen sofortigen Importstopp für russisches Gas lehnt er jedoch weiter ab. Lesen Sie hier mehr dazu.

Streitereien zwischen Unternehmen im Ukrainekrieg: »Die wollen sich auch nach dem Krieg noch in die Augen schauen können«

20.40 Uhr: Dreht Moskau den Gashahn zu oder verhängt Berlin einen Importstopp, wird es hart für Deutschlands Unternehmen. Viele Firmen prüfen Schadensersatzklagen – doch am Ende dürften die meisten auf Verständigung setzen. Lesen Sie hier mehr dazu.

Uno-Chef Guterres »zutiefst geschockt« von Gräueltaten in Butscha

19.48 Uhr: Uno-Generalsekretär António Guterres hat sich schockiert über Gräueltaten an Bewohnern der ukrainischen Stadt Butscha gezeigt. »Es ist essenziell, dass eine unabhängige Untersuchung zu effektiver Rechenschaft führt«, sagte der Uno-Chef am Sonntag in New York laut Mitteilung. Nach dem Rückzug russischer Truppen aus dem Nordwesten der ukrainischen Hauptstadt hatten Aufnahmen von Leichen auf den Straßen von Butscha international für Entsetzen gesorgt.

Die Ukraine hat in der Region rund um die Hauptstadt Kiew die Leichen von insgesamt 410 Bewohnern geborgen, wie die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa am Sonntagabend auf Facebook schrieb. Gerichtsmediziner und andere Spezialisten seien im Einsatz, um die Leichen zu untersuchen und Ermittlungen aufzunehmen. Die Ukraine macht für das Massaker russische Truppen verantwortlich, die die kleine Stadt bis vor Kurzem besetzt hatten. Moskau bestreitet das.

Ukraine: Russland beschießt Charkiw

19.27 Uhr: Russische Streitkräfte haben am Sonntag Charkiw beschossen und dabei nach Angaben des Gouverneurs der Region mehrere Menschen getötet und verletzt. »Am Abend beschossen die Besatzer den Slobidski-Bezirk von Charkiw«, sagte Gouverneur Oleh Synjehubow auf Telegram. »Leider gibt es Tote und Verwundete unter der Zivilbevölkerung. Im Moment gibt es 23 Verletzte, darunter auch Kinder. Die Zahlen werden derzeit ermittelt.«

Scholz stellt neue Sanktionen gegen Russland in Aussicht

18.50 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz hat nach den Gräueltaten russischer Truppen im ukrainischen Butscha neue Sanktionen gegen Russland in Aussicht gestellt. »Wir werden im Kreis der Verbündeten in den nächsten Tagen weitere Maßnahmen beschließen«, kündigte der SPD-Politiker am Sonntag an, ohne weitere Details zu nennen. Der russische Präsident Wladimir Putin und seine Unterstützer würden die Folgen spüren. »Und wir werden der Ukraine weiterhin Waffen zur Verfügung stellen, damit sie sich gegen die russische Invasion verteidigen kann.«

Scholz beschrieb die Szenen aus Butscha, einem Vorort von Kiew, der bis vor wenigen Tagen von russischen Truppen besetzt war: »Straßen übersät mit Leichen. Notdürftig verscharrte Körper.« Er betonte: »Die Ermordung von Zivilisten ist ein Kriegsverbrechen. Diese Verbrechen der russischen Streitkräfte müssen wir schonungslos aufklären.«

Wirtschaftsminister der Slowakei: »Notfalls zahlen wir in Rubel«

18.47 Uhr: Der slowakische Wirtschaftsminister und Vizeregierungschef Richard Sulik will notfalls lieber russische Zahlungsbedingungen für Gasimporte akzeptieren, als die eigene Wirtschaft zu schädigen. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sagte er am Sonntag: »Das Gas darf nicht abgedreht werden. Deshalb sage ich, auch wenn das manchen als zu pragmatische Position erscheinen mag: Wenn die Bedingung ist, in Rubel zu bezahlen, dann zahlen wir in Rubel.« Die slowakische Industrie könne nicht völlig auf das russische Gas verzichten, erklärte Sulik.

Die Forderung Russlands, Gasimporte in Rubel zu bezahlen, verurteilte Sulik als Verletzung bestehender Verträge. Er gab jedoch zu bedenken, dass die Slowakei derzeit 85 Prozent ihres Gasbedarfs aus Russland beziehe. Zwar arbeite man daran, diese Abhängigkeit unter anderem durch den Import von Flüssiggas zu verringern. Bis aber die technischen Voraussetzungen geschaffen seien, russisches Gas völlig zu ersetzen, werde man noch Jahre brauchen, erklärte Sulik, der auch Parteichef der liberalen zweitgrößten Regierungspartei SaS ist.

Johnson wirft Putin Kriegsverbrechen vor

18.45 Uhr: Der britische Premierminister Boris Johnson hat die Gräueltaten an der ukrainischen Zivilbevölkerung scharf verurteilt. »Russlands verabscheuenswürdige Angriffe auf unschuldige Zivilisten in Irpin und Butscha sind weitere Beweise dafür, dass (der russische Präsident Wladimir) Putin und seine Armee in der Ukraine Kriegsverbrechen begehen«, sagte Johnson einer Mitteilung vom Sonntag zufolge.

Der britische Premier versprach, »alles in meiner Macht zu tun, um Putins Kriegsmaschinerie auszuhungern«. London werde sowohl die Sanktionen gegen Moskau verschärfen als auch die Waffenlieferungen und die humanitäre Hilfe für die Ukraine erhöhen, fügte Johnson hinzu.

Der Premier bekräftigte die britische Unterstützung für eine Untersuchung von Gräueltaten in der Ukraine durch den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. London werde die finanzielle Unterstützung dafür aufstocken und spezialisierte Ermittler entsenden, sagte Johnson. Er fügte hinzu: »Wir werden nicht ruhen, bis der Gerechtigkeit Genüge getan ist.«

Generalstaatsanwältin: 410 tote Zivilisten rund um Kiew gefunden

18.21 Uhr: Nach dem Rückzug der russischen Truppen haben ukrainische Behörden nach Angaben von Generalstaatsanwältin Iryna Wenedyktowa mindestens 410 Leichen in Orten rund um Kiew gefunden. Sie seien aus »den befreiten Gebieten in der Region Kiew in Sicherheit gebracht« worden. Es seien viele Verbrechen begangen worden und würden noch immer begangen, sagte sie bei einem Fernsehauftritt. 140 Leichen seien im Rahmen von Ermittlungen über mögliche Kriegsverbrechen vonseiten russischer Soldaten bereits untersucht worden.

Ministerium: Mehr als eine halbe Million Menschen in die Ukraine zurückgekehrt

18.17 Uhr: Mehr als 500.000 Menschen sind in die Ukraine zurückgekehrt, seitdem Russland das Nachbarland angegriffen hat. In der vergangenen Woche hätten 144.000 Menschen die Ukraine verlassen und 88.000 seien eingereist, teilte das ukrainische Innenministerium am Sonntag unter Berufung auf die nationalen Grenzbehörden mit. »Insgesamt sind rund 537.000 unserer Landsleute in die Ukraine zurückgekommen«, erklärte das Ministerium.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) flohen seit dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar bis Samstag 4.176.401 Ukrainer aus ihrer Heimat. Gegenüber Freitag stieg die Zahl der Geflüchteten um 38.559. Europa erlebt derzeit die größte Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge flohen aus der Ukraine auch 205.500 Nicht-Ukrainer. Insgesamt wurden mehr als zehn Millionen Menschen durch die Kämpfe vertrieben, das ist mehr als ein Viertel der ukrainischen Bevölkerung.

Keine deutschen »Marder«-Schützenpanzer für die Ukraine

18.12 Uhr: Die Ukraine erhält nach Informationen der »Welt« keine deutschen Schützenpanzer vom Typ »Marder«, die sie bei der Bundeswehr angefragt hat. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) habe die Anfrage aus Kiew abschlägig beschieden, berichtete das Onlineportal am Sonntag. Das Verteidigungsministerium habe dies bestätigt und erklärt, alle eigenen Schützenpanzer seien in Nato-Verpflichtungen gebunden. Über eine »Herauslösung« wäre daher auch im Rahmen der Allianz zu entscheiden. In einem Schreiben, das am Mittwoch vergangener Woche im Verteidigungsministerium einging und der »Welt« vorliegt, hatte der ukrainische Verteidigungsminister um die Überlassung von 100 Schützenpanzern vom Typ »Marder« und anderen schweren Waffen gebeten.

Italiens Regierungschef Draghi von Massakern in Butscha erschüttert

18.06 Uhr: Italiens Ministerpräsident Mario Draghi hat sich erschüttert geäußert über die Berichte von Gräueltaten russischer Soldaten an Zivilisten im ukrainischen Butscha und Konsequenzen für Russland gefordert. »Die Bilder der Verbrechen aus Butscha und anderen vom ukrainischen Heer befreiten Gebieten sind erschütternd«, sagte der Regierungschef in Rom in einer Mitteilung vom Sonntag. »Die Grausamkeit der Massaker an hilflosen Zivilisten ist furchtbar und unerträglich.« Italien verurteile entschieden »diesen Horror« und spreche den Ukrainern seine Nähe und Solidarität aus. »Die Russen müssen sofort die Kriegshandlungen einstellen, die Gewalt gegen Zivilisten stoppen und für das Geschehene geradestehen«, sagte Draghi weiter.

Selenskyj wirft russischen Truppen »Völkermord« vor

17.42 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den russischen Truppen angesichts der Berichte von Gräueltaten gegen Zivilisten in Butscha  einen Genozid vorgeworfen. »Das ist in der Tat ein Völkermord«, sagte Selenskyj dem US-Sender CBS laut Übersetzer auf eine entsprechende Frage der Moderatorin. »Wir sind Bürger der Ukraine und wollen nicht der Politik der Russischen Föderation unterworfen werden. Und das ist der Grund, warum wir zerstört und ausgelöscht werden. Und das geschieht im Europa des 21. Jahrhunderts.« Nicht nur der russische Präsident Wladimir Putin, auch die für Gräueltaten verantwortlichen russischen Militärs müssten auf der Grundlage geltenden Rechts zur Rechenschaft gezogen werden.

Selenskyj sagte, seine Pflicht als Präsident sei es trotzdem, mit Putin zu verhandeln. »Es gibt keinen anderen Weg als den Dialog, wenn wir nicht wollen, dass Hunderttausende, dass Millionen sterben.« Er forderte den Rückzug aller russischen Truppen hinter die Grenzen, die vor der Invasion bestanden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj

Foto: Ukraine Presidency; Ukraine Presi / dpa

Russland weist Vorwürfe zurück

17.16 Uhr: Das russische Verteidigungsministerium hat Vorwürfe zurückgewiesen, einen Massenmord an Zivilisten in der ukrainischen Stadt Butscha begangen zu haben. Wie das Ministerium erklärte, stelle jegliches von der Ukraine veröffentlichtes Bild- und Filmmaterial in diesem Zusammenhang eine Provokation dar. Alle russischen Einheiten hätten Butscha am 30. März verlassen. In dem Kiewer Vorort wurden Dutzende tote Zivilisten auf Straßen gefunden, offenbar hingerichtet von russischen Soldaten. Die Europäische Union kündigte weitere Sanktionen gegen Russland an. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch veröffentlichte Beweise für mutmaßliche Kriegsverbrechen.

Nato sieht Neupositionierung russischer Truppen

17.03 Uhr: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rechnet nicht mit einem Abzug russischer Truppen aus der Umgebung von Kiew. »Was wir sehen, ist kein wirklicher Rückzug, sondern wir sehen, dass Russland seine Truppen neu positioniert«, sagte Stoltenberg dem Sender CNN. Er warnte, zu optimistisch zu sein. »Die Angriffe werden weitergehen. Wir sind auch besorgt über mögliche verstärkte Angriffe, vor allem im Süden und im Osten.« Die ukrainische Regierung hatte am Samstag von einem »schnellen Rückzug« der russischen Truppen aus dem Norden der Ukraine berichtet. Stattdessen wolle Russland im Süden und Osten die Kontrolle behalten, hieß es.

Özdemir warnt Ungarn vor Schließung der Märkte

16.24 Uhr: Die Ukraine und Russland sind wichtige Produzenten von günstigem Getreide, vor allem von Weizen. Durch den Krieg drohen Auswirkungen auf die Agrarmärkte. In dieser Debatte über drohende Nahrungsmittelengpässe hat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) die ungarische Regierung vor Protektionismus gewarnt. »Ich rate allen Staaten, hier vernünftig zu agieren. Ich sage das auch an die Adresse des EU-Mitglieds Ungarn«, sagte Özdemir der Funke-Mediengruppe. »Wer seine Märkte schließt, handelt wie ein Brandbeschleuniger. Wenn das alle machen, fahren wir gegen die Wand. Dann schießen die Preise durch die Decke.«

Die ungarische Regierung um Präsident Viktor Orbán hatte Anfang März angesichts steigender Preise in einem Dekret den Export von Getreide eingeschränkt . Demnach hat Ungarn bis zum 15. Mai ein Vorkaufsrecht unter anderem für Weizen, um die eigene Futter- und Lebensmittelversorgung zu sichern. Geplante Exporte müssen beim zuständigen Amt angemeldet werden.

»Die russischen Soldaten haben eine Safari auf Zivilisten gemacht«

15.57 Uhr: In Butscha wurden offenbar Dutzende Zivilisten von russischen Soldaten hingerichtet. Die Gebrüder Klitschko begaben sich heute an den Tatort. Im Interview mit dem SPIEGEL kritisieren sie Deutschlands Haltung zu Russland. Lesen Sie hier  mehr.

Auch Scholz verlangt Aufklärung über Geschehen in Butscha

15.28 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat dem russischen Militär Verbrechen in der Ukraine vorgeworfen und schonungslose Aufklärung gefordert. »Ich verlange, dass internationale Organisationen wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz Zugang erhalten zu diesen Gebieten, um die Gräueltaten unabhängig zu dokumentieren«, erklärte Scholz in Berlin. »Diese Verbrechen des russischen Militärs müssen wir schonungslos aufklären.« Täter und Auftraggeber müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Das Wort Kriegsverbrechen benutzte er in der Stellungnahme nicht. »Furchtbare und grauenerregende Aufnahmen haben uns an diesem Wochenende aus der Ukraine erreicht«, sagte Scholz.

In Butscha – einem Gebiet, das bis vor wenigen Tagen vom russischen Militär kontrolliert wurde – wurden Dutzende erschossene Zivilisten entdeckt. »Straßen übersät mit Leichen. Notdürftig verscharrte Körper. Es ist von Frauen, Kindern und Alten die Rede, die unter den Opfern sind.«

Bundeskanzler Olaf Scholz (bei einem Besuch in Bottrop am Samstag)

Bundeskanzler Olaf Scholz (bei einem Besuch in Bottrop am Samstag)

Foto: IMAGO/Political-Moments

Elf Bürgermeister nach ukrainischen Angaben entführt

14.21 Uhr: Nach Angaben aus Kiew sind seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine elf Bürgermeister entführt worden . Amtsträger aus Gemeinden in den Regionen Kiew, Cherson, Charkiw, Saporischschja, Mykolajiw und Donezk befänden sich in russischer »Gefangenschaft«, erklärte die stellvertretende ukrainische Regierungschefin Iryna Wereschtschyk. Die Bürgermeisterin von Motyschyn bei Kiew, Olga Suchenko, sowie deren Mann seien von russischen Soldaten festgenommen und dann getötet worden. Die ukrainische Staatsanwaltschaft hatte die Entführung von Suchenko und ihrem Mann vor einer Woche bekannt gegeben.

»Wir informieren das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), die Uno und alle möglichen Organisationen, genau wie bei den anderen verschwundenen Zivilisten«, erklärte Wereschtschyk. Der verschleppte Bürgermeister der Stadt Melitopol im Süden des Landes, Iwan Fedorow, kam im Austausch mit neun russischen Soldaten wieder frei.

Berichte über mindestens eine weitere Explosion im russischen Belgorod

13.37 Uhr: In der russischen Oblast Belgorod an der Grenze zur Ukraine hat es offenbar mindestens eine weitere Explosion gegeben. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Augenzeugen von zwei Explosionen, die russische Staatsagentur Tass schreibt lediglich von einer . Behördenangaben zufolge habe es eine Explosion im Dorf Tomarowka gegeben, Verletzte habe es nicht gegeben. »Es gab einen Knall, Trümmer fielen auf den Boden«, sagte der Verwaltungsleiter des Stadtbezirks Jakowlewski, Oleg Medwedew. Die Hintergründe waren unklar, auch die Behörden machten keine Angaben dazu.

Jedoch hatte Russland dem ukrainischen Militär unter der Woche einen Luftangriff auf ein Treibstofflager in Belgorod vorgeworfen. Zuvor hatte es zudem ein Feuer in einem Munitionslager in der Nähe von Belgorod gegeben.

Bilder von einem brennenden Öldepot in Belgorod, aufgenommen offenbar am Freitag

Bilder von einem brennenden Öldepot in Belgorod, aufgenommen offenbar am Freitag

Foto: Anton Vergun / ITAR-TASS / IMAGO

Neuer Anlauf für Evakuierungen aus Mariupol

12.28 Uhr: Gemeinsam mit dem Roten Kreuz will die Ukraine einen neuen Versuch zur Evakuierung von Menschen aus der belagerten Hafenstadt Mariupol unternehmen. »Sieben Busse werden versuchen, näher an Mariupol heranzukommen«, teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschyk bei Telegram mit. Demnach standen am Sonntag 17 Busse in der Nähe von Berdjansk bereit. Zehn davon seien für die Einwohner von Mariupol bestimmt. Wenn die Busse nicht durchkämen, sollten sie in Berdjansk warten. Zudem sei über einen anderen Fluchtweg die Fahrt mit privaten Pkw von Mariupol in das nordwestlich gelegene Saporischschja möglich.

In der umkämpften und inzwischen auch schwer beschädigten Stadt  halten sich nach Schätzungen noch etwa 100.000 Einwohner auf. In den vergangenen Tagen hatte es schon mehrere Versuche gegeben, Mariupol zu erreichen. Russland wirft dem Roten Kreuz vor, die Evakuierung schlecht vorbereitet zu haben. Am Samstag habe ein Konvoi aus unbekannten Gründen mit großer Verspätung nicht einmal die Stadt Berdjansk als geplante Zwischenstation erreicht, hieß es aus Moskau.

Russen begehen in Kiewer Vorort offenbar massive Kriegsverbrechen

11.58 Uhr: Nach einem Monat Belagerung haben ukrainische Truppen den Ort Butscha bei Kiew zurückerobert. Auf den Straßen finden sie viele tote Zivilisten. Alles spricht für ein russisches Kriegsverbrechen. Die Bilder sind entsetzlich. Lesen Sie hier mehr.

EU-Ratspräsident Michel kündigt nach Berichten aus Butscha weitere Sanktionen an

11.32 Uhr: EU-Ratspräsident Charles Michel hat sich bei Twitter »erschüttert« von Bildern von toten Zivilisten in der ukrainischen Stadt Butscha bei Kiew gezeigt und eine Reaktion der Europäischen Union angekündigt. Die EU unterstütze die Ukraine und NGOs, um Beweise für die Verfolgung vor internationalen Gerichten zu sammeln. »Weitere EU-Sanktionen und Unterstützung sind auf dem Weg«, schrieb Michel, der von »Gräueltaten der russischen Armee« schrieb. Aus dem Kiewer Vorort verbreitete die ukrainische Armee Videos, die Dutzende zivil gekleidete Leichen auf den Straßen zeigen. Auch Journalisten berichteten von toten Zivilisten.

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Die Berichte sorgten in der Ukraine, aber auch darüber hinaus für Entsetzen. Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak twitterte: »Sie waren nicht beim Militär, sie hatten keine Waffen, sie stellten keine Bedrohung dar. ... Wie viele derartige Fälle ereignen sich gerade in den besetzten Gebieten?«

London macht Russland für Seeminen verantwortlich

11.16 Uhr: Das britische Verteidigungsministerium hat Russland für Seeminen verantwortlich gemacht, die im Schwarzen Meer gesichtet wurden. Die Minen seien »beinahe sicher bedingt durch die russischen Aktivitäten in der Gegend«, hieß es aus London. Die Gefahr durch die Minen zeige, wie Russland die Interessen ziviler oder neutraler Parteien beeinträchtige. Wiederholt hatten Reedereiverbände in den vergangenen Wochen gefordert, einen Seekorridor für Handelsschiffe aus dem Kriegsgebiet heraus zu schaffen. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) sprach am Mittwoch von mindestens 60 festsitzenden Schiffen in ukrainischen Häfen.

Nach Erkenntnissen der britischen Geheimdienste erhalten russische Seestreitkräfte weiterhin ihre Blockade der ukrainischen Küste aufrecht. Die russischen Truppen seien auch in der Lage, mit Amphibienfahrzeugen an Land zu gehen. Ein solcher Einsatz sei aber zunehmend »hochriskant«, weil die Ukrainer inzwischen Zeit zur Vorbereitung gehabt hätten, hieß es in der Mitteilung weiter.

Auch Russland berichtet von Raketenbeschuss auf Treibstofflager bei Odessa

10.53 Uhr: Russland hat nach eigenen Angaben Ziele nahe der ukrainischen Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer angegriffen. Von Schiffen und Flugzeugen aus seien Raketen auf eine Ölraffinerie und drei Treibstofflager abgefeuert worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Nach russischen Angaben wurden in der Nacht zum Sonntag in der Ukraine insgesamt 51 Militäreinrichtungen getroffen, darunter vier Kommandoposten und zwei Raketenabwehrsysteme. Die Angaben aus dem Kriegsgebiet lassen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

Der Stadtrat der Metropole mit etwa einer Million Einwohnern hatte jedoch zuvor schon von Bränden im Stadtgebiet berichtet. Ukrainische Medien veröffentlichten Fotos, auf denen Rauch über Odessa zu sehen war. Es soll demnach keine Verletzten gegeben haben. Dem Stadtrat zufolge wurden »einige Raketen« von der Luftabwehr abgefangen.

Russisches Gas strömt weiter durch die Ukraine

10.11 Uhr: Der russische Staatskonzern Gazprom setzt nach eigenen Angaben seine Gaslieferungen durch die Ukraine in den Westen  in großem Umfang fort. Ungeachtet des Kriegs sollen an diesem Sonntag 108,4 Millionen Kubikmeter durch das Leitungssystem des Nachbarlands gepumpt werden, wie das Unternehmen der Nachrichtenagentur Interfax zufolge mitteilte. Dies entspricht nach russischen Angaben der bestellten Menge. Am Samstag waren es Gazprom zufolge 108,1 Millionen Kubikmeter. Die vertraglich mögliche maximale Auslastung liegt bei 109 Millionen.

Damit gingen auch am Wochenende die russischen Lieferungen nach der Umstellung der Zahlungen auf Rubel weiter. Präsident Wladimir Putin hatte angewiesen, Gas an westliche Staaten nur noch gegen Rubel zu verkaufen, was diese strikt ablehnen. Daraufhin erließ Putin ein Dekret, das westliche Kunden seit Freitag verpflichtet, ein Rubelkonto bei der Gazprombank zu eröffnen und die Zahlungen darüber abzuwickeln. Die Ukraine bezieht aus dem Transit des russischen Gases wichtige Einnahmen in Milliardenhöhe.

Moskau dämpft Hoffnungen auf Spitzentreffen

9.35 Uhr: Russland hat Hoffnungen der Ukraine auf ein baldiges Spitzentreffen der beiden Präsidenten Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj zur Beendigung des Kriegs gedämpft. Es gebe noch viel zu tun, sagte der russische Verhandlungsführer Wladimir Medinski der Nachrichtenagentur Interfax. »Ich teile leider nicht den Optimismus von Arachamija.« Zuvor hatte der ukrainische Chefunterhändler Davyd Arachamija von einem möglichen Treffen der beiden Staatschefs gesprochen. Die Entwürfe der entsprechenden Dokumente seien bereits so weit fortgeschritten, dass ein »direktes Gespräch der beiden Staatschefs« möglich sei.

Obwohl die Ukraine Zugeständnisse angedeutet hatte, war Medinski daraufhin im eigenen Land scharf in die Kritik geraten . Der russische Chefunterhändler betonte nun, dass Russlands Position in Bezug auf die Krim und den Donbass »unverändert« sei.

Ukrainischer Botschafter rechnet mit Steinmeier ab

8.50 Uhr: Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs eine zu große Nähe zu Russland vorgeworfen. »Für Steinmeier war und bleibt das Verhältnis zu Russland etwas Fundamentales, ja Heiliges, egal was geschieht, auch der Angriffskrieg spielt da keine große Rolle«, sagte Melnyk dem »Tagesspiegel«. Lesen Sie hier mehr.

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk

Foto: Fabian Sommer / dpa

Polen zeigt sich offen für eine Stationierung amerikanischer Atomwaffen

8.26 Uhr: Polens Vizeregierungschef hat die Politik der Bundesregierung in Bezug auf den Ukrainekrieg kritisiert. »Ich bin sehr unzufrieden mit dem Verhalten der deutschen Regierung«, sagte Jarosław Kaczyński, der auch Vorsitzender der nationalkonservativen Partei PiS ist, der »Welt am Sonntag«. »Deutschland könnte mehr Waffen liefern. Und Deutschland könnte sich in der EU für ein Ölembargo aussprechen.« Lesen Sie hier mehr.

Dutzende Zivilisten in Vorort von Kiew getötet

7.42 Uhr: Aus dem Kiewer Vorort Butscha, den russische Truppen in den vergangenen Tagen geräumt haben, werden nun Bilder bekannt, die auf mögliche Kriegsverbrechen schließen lassen: Von der ukrainischen Armee verbreitete Videos zeigen Dutzende zivil gekleidete Leichen auf den Straßen des Ortes. Auch Journalisten, die die zurückeroberte Stadt Butscha nordwestlich von Kiew besuchten, berichteten von auf den Straßen liegenden zivilen Toten. Lesen Sie hier mehr.

hba/col/ngo/dpa/Reuters/AFP
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