Tag zwei im Ukrainekrieg Explosionen erschüttern Hauptstadt Kiew

Mehr als 130 Menschen wurden bereits im Ukrainekrieg getötet. Nun sind in Kiew erneut Explosionen zu hören, der Außenminister spricht von schrecklichem Raketenbeschuss. Präsident Selenskyj befehligt den Widerstand – und sieht sich selbst als »Ziel Nummer eins« der Russen. Der Überblick.
Blick auf die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht zum Freitag

Blick auf die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht zum Freitag

Foto:

Pierre Crom / Getty Images

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj organisiert eigenen Angaben zufolge aus Kiew heraus den Widerstand gegen den Angriff russischer Truppen. »Ich bleibe in der Hauptstadt, bleibe bei meinem Volk«, sagte er in der Nacht zum Freitag in einer Videobotschaft. Der 44-jährige Staatschef wurde dabei an einem nicht identifizierbaren Ort gefilmt.

Bewohnerinnen und Bewohner von Kiew berichteten nachts von Explosionsgeräuschen: Im Zentrum der Stadt seien zwei laute Detonationen hörbar gewesen. Der ukrainische Vize-Innenminister Anton Geraschtschenko schrieb auf seinem Telegram-Account: »Die Angriffe auf Kiew mit Marschflugkörpern oder ballistischen Raketen haben wieder begonnen. Ich habe zwei starke Explosionen gehört.« Außenminister Dmytro Kuleba twitterte : »Schreckliche russische Raketenangriffe auf Kiew.« Der in Polen ansässige Nachrichtenkanal Nexta berichtete, dass mindestens sechs Explosionen die Stadt erschüttert hätten.

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Nach Informationen der Agentur Unian wurde unter anderem ein mehrstöckiges Wohnhaus am Ostufer des Flusses Dnipro getroffen, in dem ein Brand ausbrach. Dort seien Trümmer einer Rakete eingeschlagen, teilte die Stadtverwaltung auf Telegram mit. Drei Menschen seien verletzt worden. Ein Berater des ukrainischen Innenministers schrieb, dort sei es ukrainischen Kräften gelungen, einen russischen »Flugapparat« abzuschießen. Mehr Details sind bisher nicht bekannt.

Bürgermeister Vitali Klitschko veröffentlichte bei Telegram ein Video, das Brände in mehreren Etagen des Gebäudes zeigte. Feuerwehrleute waren vor Ort. Einer der Verletzten sei in einem kritischen Zustand, schrieb Klitschko auch bei Twitter .

Selenskyj meldet den Tod von 137 »Helden«

Die russischen Angriffe aus mehreren Richtungen hatten am Donnerstagmorgen begonnen. »Heute hat Russland das gesamte Gebiet der Ukraine angegriffen. Und heute haben unsere Verteidiger sehr viel geleistet«, sagte Selenskyj.

Am ersten Tag der russischen Invasion wurden seinen Angaben zufolge 137 Soldaten getötet. Er nannte sie Helden. Außerdem seien 316 Soldaten verletzt worden, sagte Selenskyj.

Angaben über zivile Opfer gibt es bisher kaum. Im Gebiet Charkiw an der Ostgrenze seien 23 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden, teilte Verwaltungschef Oleg Sinegubow nach Angaben der Agentur Unian mit.

Selenskyj mutmaßte, dass der russische Angriff ihn stürzen solle. »Nach unseren Informationen hat mich der Feind zum Ziel Nummer eins erklärt, meine Familie zum Ziel Nummer zwei«, sagte er. Er beklagte, dass keiner seiner internationalen Gesprächspartner eine Aufnahme der Ukraine in die Nato befürwortet habe. So sei die Ukraine auf sich allein gestellt.

DER SPIEGEL

Auch von der US-Regierung hieß es, Selenskyj sei ein »Hauptziel für russische Aggressionen«. Er verkörpere »in vielerlei Hinsicht die demokratischen Bestrebungen und Ambitionen der Ukraine und des ukrainischen Volkes«, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, dem Sender CNN.

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Allgemeine Mobilmachung in Ukraine – Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen Land nicht verlassen

Der ukrainische Präsident ordnete am späten Donnerstagabend eine allgemeine Mobilmachung an, die für 90 Tage gelten soll und die Einberufung von Wehrpflichtigen und Reservisten vorsieht. Schon vorher hatte er eine Teilmobilmachung von Reservisten befohlen. »Wir müssen operativ die Armee und andere militärische Formationen auffüllen«, begründete er seine Entscheidung. Bei den Territorialeinheiten werde es zudem Wehrübungen geben. Wie viele Männer betroffen sein werden, sagte der 44-Jährige nicht.

Nach ukrainischen Behördenangaben dürfen männliche Staatsbürger im Alter von 18 bis 60 Jahren das Land nicht verlassen. Man werde sie nicht über die Landesgrenze lassen, sagte der Leiter der ukrainischen Zollbehörde in Lemberg, Danil Menschikow. Er bat die Menschen, keine Panik zu verbreiten und nicht zu versuchen, eigenständig die Landesgrenze zu überqueren.

Verlässliche Angaben zur militärischen Lage gab es nicht. Der Gegner konzentriere seine Truppen in den Gebieten Charkiw und Donezk im Osten sowie im Süden, sagte ein Sprecher des ukrainischen Generalstabs. Hauptziel scheine zu sein, Kiew zu blockieren. Nachts rückten russische Kolonnen auf die Hauptstadt vor. In etwa 200 Kilometer Entfernung kreisten sie die Kleinstadt Konotop ein, wie die örtliche Verwaltung meldete.

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In der strategisch wichtigen ukrainischen Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer wurden nach Angaben der Stadtverwaltung 17 Hochhäuser durch Beschuss beschädigt. Die Stromversorgung sei teilweise ausgefallen, die Wasserversorgung funktioniere hingegen. 23 verletzte Einwohner der Stadt sowie 23 verletzte Soldaten seien in Kliniken aufgenommen worden.

aar/dpa/AFP