Kampf gegen Russland Erste Japaner melden sich für Selenskyjs »internationale Legion«

Japan hat sich infolge des Zweiten Weltkriegs eine pazifistische Gesellschaft verordnet. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine wollen nun aber Männer freiwillig an die ferne Front gegen die Kremltruppen ziehen.
Anti-Kriegs-Demonstration in Japans Hauptstadt Tokio

Anti-Kriegs-Demonstration in Japans Hauptstadt Tokio

Foto: CHARLY TRIBALLEAU / AFP

Russlands Krieg gegen die Ukraine sei ein Krieg gegen Europa, sagte Litauens Staatschefin Dalia Grybauskaitė in der vergangenen Woche. Dem Aufruf des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, im Kampf gegen Russland eine »internationale Legion« zu bilden, folgen mittlerweile nicht nur EU-Einwohner.

In Japan wollen nun Dutzende Männer in die Ukraine ziehen und dort gegen die russischen Invasoren kämpfen. Einer von ihnen ist Keiichi Kurogi, 39 Jahre alt, ein Büroangestellter aus dem Südwesten des Landes. Gekämpft hat er noch nie. »Als ich Bilder von älteren Männern und Frauen in der Ukraine sah, die Waffen hielten und an die Front gingen, dachte ich: Ich sollte an ihrer Stelle sein«, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Er meldete sich deshalb in der ukrainischen Botschaft in Tokio zum freiwilligen Kriegsdienst.

Veteranen der französischen Fremdenlegion melden sich

Die Botschaft lehnte Kurogis Angebot zum Kampf allerdings ab – mit der Begründung, dass ihm die notwendige militärische Erfahrung fehle.

70 japanische Männer meldeten sich in den vergangenen Tagen als Freiwillige, berichtete die Zeitung »Mainichi Shimbun«. Unter ihnen sollen 50 ehemalige Mitglieder der japanischen Selbstverteidigungskräfte und zwei Veteranen der französischen Fremdenlegion sein. Ein Sprecher der ukrainischen Botschaft bestätigte Reuters, dass Japaner angeboten haben, »für die Ukraine kämpfen zu wollen«.

Einzelheiten wollte er jedoch nicht nennen. »Jeder Kandidat dafür muss Erfahrung in den japanischen Selbstverteidigungskräften haben oder eine spezielle Ausbildung absolviert haben«, hieß es in einem Beitrag der Botschaft in sozialen Medien. Auf dem Nachrichtendienst Twitter suchte die Botschaft nach Freiwilligen mit medizinischer, IT-, Kommunikations- oder Feuerwehrerfahrung.

Auch in Japan löste der Krieg in der Ukraine starke Emotionen aus. Hunderte versammelten sich letzte Woche in Tokio zu einem Protest gegen die russische Invasion. Nach Angaben der ukrainischen Botschaft sind 17 Millionen Dollar an Spenden von rund 60.000 Japaner eingegangen.

Der Büroangestellte Kurogi bleibt trotz der ersten Absage bei seinem Angebot, für die Ukraine zu kämpfen. »Ich komme aus einer Generation, die Krieg überhaupt nicht kennt«, sagte er. »Es ist nicht so, dass ich gerne in einen Krieg ziehen möchte. Es ist eher so, dass ich lieber dorthin gehen will, als Kinder zu sehen, die gezwungen werden, Waffen zu tragen.«

muk/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.