Krieg in der Ukraine Präsident Selenskyj bestätigt Fund von Massengrab in Isjum

In der aus russischer Gewalt befreiten ukrainischen Stadt Isjum soll ein Massengrab entdeckt worden sein. Präsident Selenskyj sagte in einer Videobotschaft, Russland müsse zur Verantwortung gezogen werden.
Ein ukrainischer Soldat inspiziert mit einem Metalldetektor ein Massengrab nahe der kürzlich zurückeroberten Stadt Isjum

Ein ukrainischer Soldat inspiziert mit einem Metalldetektor ein Massengrab nahe der kürzlich zurückeroberten Stadt Isjum

Foto: Evgeniy Maloletka / dpa

Nach den Rückeroberungen im Osten des Landes stoßen ukrainische Behörden nach eigenen Angaben seit Tagen auf Hinweise für mutmaßliche Verbrechen der russischen Besatzungsmacht. Laut einem Bericht von »Sky News«  wurde nun in der befreiten Stadt Isjum ein Massengrab mit mehr als 440 Leichen gefunden.

Der Sender bezieht sich in seinem Bericht auf Exklusivinformationen des ranghohen ukrainischen Polizisten Serhij Bolwinow. Die Leichen würden laut Bolwinow nun gerichtmedizinisch untersucht werden, um Beweise für mutmaßliche russische Kriegsverbrechen zu sammeln. Laut dem Bericht weiß die ukrainische Polizei von weiteren Massengräbern in den zurückeroberten Gebieten. Das in Isjum sei allerdings »eines der größten mit mehr als 440 Leichen«, wird Bolwinow zitiert. »Wir wissen, dass einige der Toten erschossen wurden, einige starben durch Artilleriebeschuss, sogenannte Minenexplosionstraumata. Einige starben durch Luftangriffe«, sagte Bolwinow demnach.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Fund des Massengrabs in Isjum bestätigt. »Wir wollen, dass die Welt weiß, was die russische Besatzung verursacht hat«, sagte Selenskyj am Donnerstag, ohne Details zur Anzahl der Leichen oder die Todesursache zu nennen. Die Ermittlungen hätten begonnen, am Freitag sollten erste Erkenntnisse vorliegen, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft.

Aus anderen Orten der Region gibt es bereits seit Tagen nicht verifizierte Berichte über den Fund von Ermordeten. Nach dem Abzug russischer Truppen aus der Umgebung von Kiew im Frühjahr waren dort Hunderte tote Zivilisten entdeckt worden. Moskau stritt trotz erdrückender Beweise ab, dass die Tötungen auf das Konto russischer Soldaten gingen, und sprach von einer ukrainischen Inszenierung.

Mit einem Überraschungsschlag hatte die Ukraine vor wenigen Tagen einen der bedeutendsten Geländegewinne  seit der Frühphase des Krieges erzielt und den Verlauf zu ihren Gunsten gedreht.

Selenskyj bezeichnete den russischen Rückzug aus Isjum gut 120 Kilometer südöstlich von Charkiw als Durchbruch in dem seit sechs Monaten andauernden russischen Angriffskrieg. Dieser Winter könne weitere schnelle Geländegewinne bringen für die Ukraine, vor allem wenn die Streitkräfte weiterhin mit schweren Waffen versorgt würden.

svs/jok/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.