Krieg in Osteuropa Letzte OSZE-Beobachter verlassen Ukraine

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zieht auch die letzten ihrer Beobachter aus der Ukraine ab. Die Uno spricht derweil von der »am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg«.
OSZE-Beobachter verlassen Anfang März Donezk

OSZE-Beobachter verlassen Anfang März Donezk

Foto: Valentin Sprinchak / imago images/ITAR-TASS

Die vorübergehende Evakuierung aller internationalen OSZE-Beobachter in der Ukraine ist nahezu abgeschlossen. Das teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in einem am Sonntagabend veröffentlichten Bericht mit. Die letzte verbliebene Gruppe – der Leiter und das Führungsteam – würden nun die Ukraine verlassen.

Zuletzt hatte das Team aus rund 500 Personen bestanden. Anfang vergangener Woche hatten noch mehrere der OSZE-Beobachter in umkämpften ukrainischen Städten wie Charkiw und Cherson festgesessen. Auch aus den vergleichsweise ruhigeren östlichen Regionen Luhansk und Donezk seien einige Beobachter noch nicht evakuiert worden, hieß es. Am Dienstag war eine ukrainische OSZE-Mitarbeiterin beim Beschuss von Charkiw gestorben , als sie Vorräte für ihre Familie besorgen wollte.

In dem Bericht von Sonntag  heißt es nun zudem, das Beobachterbüro in Mariupol sei durch Beschuss beschädigt worden. Ersten Berichten von Mitgliedern der nationalen SMM-Mission zufolge sei das Gebäude beschädigt und die Kommunikationsausrüstung zerstört worden. Außerdem hätten zwei SMM-Fahrzeuge Feuer gefangen.

Die OSZE hatte Ende Februar beschlossen, ihre Mission angesichts der russischen Invasion vorübergehend zu beenden und ihr unbewaffnetes internationales Team außer Landes zu bringen. Die Mission SMM hatte vor allem die Aufgabe, in der Ostukraine die Waffenstillstandslinie zwischen staatlichen Truppen und prorussischen Separatisten zu überwachen.

»Am schnellsten wachsende Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg«

Nach mehr als einer Woche Krieg fliehen immer mehr Ukrainerinnen und Ukrainer aus ihrer Heimat – vor allem in EU-Länder. Nach aktuellen Schätzungen der Uno-Flüchtlingshilfsorganisation UNHCR sind bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen vor dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine geflohen. »Dies ist nun die am schnellsten wachsende Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg«, schrieb das UNHCR bei Twitter .

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Allein im ukrainischen Nachbarland Polen sind nach Angaben des Grenzschutzes seit Kriegsbeginn rund 964.000 Flüchtlinge angekommen. Auch in Deutschland stieg die Zahl der ukrainischen Kriegsflüchtlinge am Wochenende weiter: Nach Angaben des Innenministeriums registrierte die Bundespolizei bis Sonntag deutschlandweit 37.786 geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer.

Video zu Kriegsflüchtlingen an der Grenze zu Polen: Dieser Weg führt raus aus der Ukraine

DER SPIEGEL

Ein Sprecher des Innenministeriums wies erneut darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der nach Deutschland eingereisten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine deutlich höher sein könnte: Die Daten der Bundespolizei würden auch wegen nicht bestehender Grenzkontrollen nur einen Teil der Geflüchteten abbilden.

Bundeskanzler Olaf Scholz äußerte sich nach seinem Treffen mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lobend über die europäische Solidarität: »Es ist gut und eben nicht selbstverständlich, dass alle EU-Staaten gemeinsam, schnell und unbürokratisch Kinder, Frauen und Männer aufnehmen.«

aar/dpa
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