Wegen Drohnenangriffen auf der Krim Russland kündigt Abkommen zur Ausfuhr von Getreide auf

Unter Vermittlung der Türkei und der Uno hat Russland im Juli die Blockade ukrainischer Häfen aufgegeben, um den Export von Getreide zu ermöglichen. Nun erklärt Moskau den Deal für beendet – und gibt der Ukraine die Schuld.
Das Frachtschiff »Rahmi Yagci« verlässt – gefüllt mit Sonnenblumenschrot – den Hafen in der ukrainischen Stadt Tschornomorsk

Das Frachtschiff »Rahmi Yagci« verlässt – gefüllt mit Sonnenblumenschrot – den Hafen in der ukrainischen Stadt Tschornomorsk

Foto: Michael Shtekel / picture alliance/dpa/AP

Russland setzt seine Teilnahme am Abkommen zum Export von ukrainischem Getreide aus. Dies teilte das Verteidigungsministerium in Moskau auf Telegram mit. Als Grund für die Aufhebung des Deals nannte der Kreml ukrainische Drohnenangriffe auf Stützpunkte der russischen Schwarzmeerflotte auf der annektierten Halbinsel Krim, deren Ziel auch Schiffe zum Schutz der Konvois zum Getreideexport gewesen seien.

»In Anbetracht des terroristischen Akts des Kiewer Regimes unter Beteiligung britischer Experten gegen die Schiffe der Schwarzmeerflotte und zivile Schiffe, die an der Sicherung des Getreidekorridors beteiligt sind, setzt die russische Seite ihre Beteiligung an der Umsetzung von Vereinbarungen über den Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus ukrainischen Häfen aus«, teilte das Ministerium in seiner Erklärung mit.

London weist Vorwürfe zurück

Zuvor hatte es mitgeteilt, dass die Drohnenangriffe am Samstag weitgehend abgewehrt wurden und ein russisches Minenräumboot nur geringfügig beschädigt wurde.

Die Regierung in London wies die Vorwürfe empört zurück. »Um von ihrem katastrophalen Umgang mit der illegalen Invasion in der Ukraine abzulenken, greift das russische Verteidigungsministerium auf die Verbreitung falscher Behauptungen epischen Ausmaßes zurück«, erklärte das britische Verteidigungsministerium über Twitter. »Diese erfundene Geschichte sagt mehr über Streitigkeiten innerhalb der russischen Regierung aus als über den Westen.«

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat die Aussetzung des Abkommens kritisiert. Moskau blockiere unter einem Vorwand die Transporte, »die Lebensmittelsicherheit für Millionen Menschen bedeuten«, schrieb Kuleba auf Twitter. »Ich rufe alle Staaten auf, zu fordern, dass Russland seine Hunger Games stoppt und sich wieder an seine Verpflichtungen hält.« Die Ukraine habe seit Längerem davor gewarnt, dass Moskau aus der Vereinbarung aussteigen könnte.

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Die Vereinten Nationen geben sich hoffnungsvoll, dass der Deal dennoch fortbestehen kann. Man habe die Berichte über die Aussetzung gesehen, sagte ein Uno-Sprecher in New York. »Wir stehen mit den russischen Behörden in dieser Sache in Kontakt«, hieß es weiter. »Es ist unerlässlich, dass alle Seiten jegliche Handlungen unterlassen, die das Getreideabkommen gefährden, das eine entscheidende humanitäre Anstrengung ist, die eindeutig einen positiven Einfluss auf den Zugang zu Lebensmitteln für Millionen von Menschen weltweit hat.«

Der Chef der Uno-Hilfsorganisation Martin Griffiths hatte erst am Mittwoch erklärt, er sei »relativ optimistisch«, dass die Vereinbarung, die eine Wiederaufnahme der ukrainischen Getreideexporte aus dem Schwarzen Meer ermöglicht, über Mitte November hinaus verlängert werde.

Im Rahmen der Vereinbarung vom 22. Juli konnte die Ukraine ihre Getreide- und Düngemittelausfuhren aus dem Schwarzen Meer wieder aufnehmen, die nach Beginn des russischen Angriffskriegs zum Erliegen gekommen waren. Das Exportabkommen mit der Ukraine war ursprünglich für 120 Tage vereinbart worden.

svs/AFP/AP
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