Ukrainekrieg Russland feuerte laut Selenskyj bisher 56 Raketen und 113 Marschflugkörper ab

»Das Böse muss sofort gestoppt werden«: Der ukrainische Präsident hat sich in einer neuen Videobotschaft zu Wort gemeldet. Er fordert den Ausschluss Russlands aus dem Uno-Sicherheitsrat und wirft Moskau Kriegsverbrechen vor.
Kämpfe in Charkiw (am 27. Februar)

Kämpfe in Charkiw (am 27. Februar)

Foto: Marienko Andrew / dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Ausschluss Russlands aus dem Uno-Sicherheitsrat gefordert. »Ein Staat, der Kriegsverbrechen an Zivilisten begeht, kann nicht Mitglied des Uno-Sicherheitsrates sein«, sagte er in einer Videobotschaft, die er am späten Montagabend auf seiner Facebook-Seite und in seinem Telegram-Kanal verbreitete .

»Hier ist die Ukraine. Hier ist Europa. Hier ist das Jahr 2022. Das mit Raketen, Bomben und Artillerie bewaffnete Böse muss sofort gestoppt werden. Wirtschaftlich zerstört. Um zu zeigen, dass die Menschheit sich selbst verteidigen kann«, sagte Selenskyj weiter. Eine vollständige Sperrung des Luftraums für russische Raketen, Flugzeuge und Hubschrauber müsse in Betracht gezogen werden. Außerdem forderte er, dass Russland der Zugang zu allen Häfen, Kanälen und Flughäfen der Welt verwehrt werden solle.

Selenskyj bei seiner Videoansprache am 27. Februar

Selenskyj bei seiner Videoansprache am 27. Februar

Foto: Uncredited / dpa

Zu den Friedensverhandlungen, die am Montag von einer ukrainischen und einer russischen Delegation geführt wurden, sagte er, die Ukraine habe noch nicht das gewünschte Ergebnis erzielt. »Russland hat seine Positionen dargelegt, von uns wurden Gegenargumente vorgebracht, um den Krieg zu beenden.« Sobald die Delegation wieder in Kiew sei, werde man analysieren und entscheiden, wie es in der zweiten Verhandlungsrunde weitergehen soll.

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Den Beschuss der ostukrainischen Stadt Charkiw bezeichnete Selenskyj als Kriegsverbrechen. »Es wird definitiv ein Tribunal für dieses Verbrechen geben. Ein internationales. Das ist ein Verstoß gegen alle Konventionen.«

Charkiw ist die zweitgrößte Stadt des Landes. Ihr Bürgermeister Ihor Terechow erklärte am Montag in einer Videobotschaft , bei dem Beschuss seien 87 Wohngebäude beschädigt worden. Neun Menschen seien getötet und 37 weitere Personen verletzt worden. Die Informationen ließen sich nicht unabhängig prüfen. Terechow sagte zudem: »Der heutige Tag hat gezeigt, dass das nicht einfach Krieg ist. Das ist die Ermordung von uns, dem ukrainischen Volk.«

Internationaler Strafgerichtshof kündigt Untersuchung zu Kriegsverbrechen in Ukraine an

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag kündigte am Montag an, »so schnell wie möglich eine Untersuchung zur Situation in der Ukraine« einzuleiten. Es gebe »plausible Gründe« für die Annahme, dass seit 2014 in der Ukraine »sowohl mutmaßliche Kriegsverbrechen als auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen wurden«.

Angesichts der »Ausweitung des Konflikts« in der Ukraine werde die Untersuchung »auch alle neuen mutmaßlichen Verbrechen umfassen, die in den Zuständigkeitsbereich meines Amtes fallen und von einer Konfliktpartei in irgendeinem Teil des ukrainischen Staatsgebiets begangen wurden«, sagte Khan.

Nach Angaben Selenskyjs, die nicht unabhängig geprüft werden konnten, habe Russland seit Beginn des Einmarsches vor fünf Tagen 56 Raketenangriffe auf die Ukraine durchgeführt. 113 Marschflugkörper seien abgefeuert worden. »So ist sie, die ›brüderliche Freundschaft‹«, sagte Selenskyj. »Ein solcher Staat sollte nicht Hunderte von Milliarden für den Export von Energieressourcen erhalten. Wer jetzt russische Waren kauft, zahlt Geld, um Menschen zu töten.«

aar/dpa