Offensive in der Region Charkiw Soldaten hissen ukrainische Flagge in zurückeroberten Gebieten

Die ukrainische Armee rückt im Nordosten vor, manche sprechen schon vom »großartigsten Tag in der modernen Geschichte«. Putins Armee scheint mit der Geschwindigkeit überfordert.
Verpixelte Aufnahmen aus Balaklija: Die ukrainische Flagge ist gehisst

Verpixelte Aufnahmen aus Balaklija: Die ukrainische Flagge ist gehisst

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UKRAINE DEFENSE MINISTRY / HANDOUT / EPA

Es sind Nachrichten, auf die Ukrainer seit Monaten gewartet haben: In vormals von russischen Truppen besetzten Gebieten hissen ukrainische Militärs die blau-gelbe Flagge. So geschehen nach ukrainischen Angaben in der Stadt Balaklija in der Region Charkiw.

Auch die strategisch wichtige Stadt Isjum wurde eingenommen, das gab sogar das sonst schmallippig auf militärische Niederlagen reagierende Verteidigungsministerium in Moskau zu. Wenn auch indirekt: Demnach hätten sich die russischen Truppen für eine »Umgruppierung« aus den Städten zurückgezogen.

»Jungs und Mädels der ukrainischen Streitkräfte, ihr schreibt heute eine neue Geschichte der freien Ukraine, wir sind stolz«, schrieb der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleg Synegubow. Eine neue Geschichte, die erst ihren Anfang gefunden haben soll. »Fortsetzung folgt«, schrieb Synegubow.

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Die vergangenen Tage mit dem Start der überraschenden ukrainischen Gegenoffensive  in der Oblast Charkiw wirken nun wie der Start eines Dominospiels. Am Samstag fielen mehrere russisch besetzte Städte nacheinander. In den sozialen Netzwerken feiern manche Ukrainer schon einen der »großartigsten Tage in der modernen Geschichte «.

Wie dramatisch die Lage für die russischen Invasoren ist, zeigt eine Meldung der russischen Nachrichtenagentur Tass am späten Samstagnachmittag. Der Leiter der russischen Militärverwaltung in der Region Charkiw, Witali Gantschew, ruft die Bewohnerinnen und Bewohner darin auf, die Oblast zu verlassen, um ihr Leben zu retten. »Jetzt in seinem Haus zu bleiben, ist gefährlich.«

Die russischen Besatzer geben offenbar eine ganze Region auf. Zumal das Gebiet Charkiw im Nordosten der Ukraine mit seinen Städten Krupjansk und Isjum strategisch enorm wichtig für die russischen Ambitionen im Donbass ist.

Damit nicht genug: Es gibt zudem Berichte über eine bevorstehende Einnahme der Stadt Lyssytschansk in der Oblast Luhansk, in der Region wurde noch vor Monaten eine »Volksrepublik« ausgerufen. Ukrainische Truppen finden sich Berichten zufolge bereits im Stadtzentrum. Und die russische Armee? Demnach kampflos abgezogen. Nächster Halt soll die Nachbarstadt Sjewjerodonezk sein.

Wie immer im Krieg gilt: Man sollte auch bei Meldungen der ukrainischen Seite vorsichtig sein. Doch eines scheint mittlerweile zumindest möglich: Die russische Armee könnte im Osten der Ukraine kollabieren.

Überraschungsangriff auf den Nordosten

Seit Dienstag läuft eine ukrainische Überraschungsoffensive im Nordosten. Eigentlich war eine für Cherson im Süden des Landes angekündigt worden. Militärexperten sagen, dass Russland an einem verwundbaren Abschnitt seiner Frontlinie überrascht worden sei. Die ukrainischen Truppen drangen binnen weniger Tage Dutzende Kilometer hinter die feindlichen Linien vor.

Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zuletzt von mehr als 30 zurückeroberten Siedlungen in der Region Charkiw. Das war vor den Meldungen aus Krupjansk, Isjum und Balaklija. Am Samstag rief Selenskyj ukrainische Blogger auf, nicht voreilig Ergebnisse von der Front zu veröffentlichen. Damit erschwerten sie die Sache für die Armee.

Offenbar sollen russische Besatzer nicht gewarnt werden. Etwa vor einer Überraschung in Donezk: Es wird berichtet, dass die ukrainische Armee den internationalen Flughafen von Donezk zurückerobert habe. Zum Start des Kriegs im Donbass im Jahr 2014 hatten prorussische Separatisten den Airport eingenommen.

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Entsprechend groß ist die ukrainische Euphorie. Dabei ist zu beachten, dass sämtliche Äußerungen in den sozialen Medien immer auch Teil der Propaganda sind – die zu einer modernen Kriegsführung dazugehört. Je größer der Erfolg der ukrainischen Streitkräfte wirkt, desto größer – so die Hoffnung – sind Angst und Schrecken, die sich unter russischen Soldaten verbreiten. So twitterte das Verteidigungsministerium in Kiew am Mittag ein Video von einem ganzen Bataillon ukrainischer Soldaten, das offenbar in einem Wald zu Geigenklängen die Nationalhymne singt. »Vor dem Kampf«, heißt es dazu.

Ein ukrainischer Regierungsberater witzelt auf Twitter gar , Russland fordere eine dringende Sitzung des Uno-Sicherheitsrats. »Sie haben eine Offensive für Cherson versprochen und nehmen stattdessen Isjum! Nicht fair!« Garniert mit dem Hinweis: »Natürlich ein Scherz.«

hba
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