Russlands Krieg in der Ukraine USA gehen von vorsätzlichen Angriffen auf Zivilisten aus

Russische Truppen nehmen laut der US-Regierung teils gezielt ukrainische Zivilisten ins Visier. Außerdem erklärt Präsident Biden, der Kremlchef stehe mit dem Rücken zur Wand – und erwäge den Einsatz chemischer Kampfstoffe.
Trümmer liegen auf einer Straße in Kiew, Wohngebäude und Geschäfte wurden bei russischen Angriffen getroffen (das Foto entstand am vergangenen Dienstag)

Trümmer liegen auf einer Straße in Kiew, Wohngebäude und Geschäfte wurden bei russischen Angriffen getroffen (das Foto entstand am vergangenen Dienstag)

Foto: Mohammad Javad Abjoushak / dpa

Das US-Verteidigungsministerium geht davon aus, dass die russischen Truppen in der Ukraine vorsätzlich zivile Ziele ins Visier nehmen. »Wir sehen weiterhin wahllose Angriffe auf Zivilisten, von denen wir glauben, dass sie in vielen Fällen vorsätzlich sind«, sagte Ministeriumssprecher John Kirby. Deutlich sei, dass die Angriffe zu einer wachsenden Zahl ziviler Opfer führten. »Dafür gibt es keine Rechtfertigung.«

Kirby betonte zugleich, dass man die Pläne der Russen nicht genau kenne. Er war gefragt worden, ob nach Einschätzung der US-Regierung Angriffe auf Zivilisten Teil der russischen Strategie seien.

Präsident Joe Biden und Außenminister Antony Blinken hatten Russland vergangene Woche Kriegsverbrechen vorgeworfen. Sie hatten aber auch deutlich gemacht, dass es sich um ihre persönliche Meinung handele. Die US-Regierung hat die russischen Angriffe bislang nicht offiziell als Kriegsverbrechen eingestuft.

Biden: Russland zieht Einsatz chemischer Kampfstoffe in Betracht

Am Montag bekräftigte Biden Vorwürfe, Kremlchef Wladimir Putin erwäge den Einsatz von Chemiewaffen in der Ukraine: Russland beharre auf dem erfundenen Vorwurf, die Ukraine verfüge über biologische und chemische Waffen, sagte Biden. Das sei ein klares Zeichen dafür, dass Putin selbst den Einsatz solcher Waffen in Betracht ziehe.

In dem russischen Einsatz der schnellen »Kinschal«-Rakete im Ukrainekrieg sieht Biden eigenen Angaben zufolge auch ein Zeichen der Schwäche Russlands. »Sie haben gerade die Hyperschall-Rakete gestartet, weil es das Einzige ist, was sie mit absoluter Sicherheit durchbringen können«, erklärte er in Washington. Es sei fast unmöglich, die Rakete zu stoppen.

»Und jetzt steht Putin mit dem Rücken zur Wand.«

US-Präsident Biden

Die Ukrainer würden großen Schaden an Russlands Panzern, Hubschraubern oder Flugzeugen anrichten – auch mit den Waffen der westlichen Verbündeten, sagte Biden weiter. »Und jetzt steht Putin mit dem Rücken zur Wand.« Der russische Präsident habe nicht mit der Einheit der Nato gerechnet. Je mehr Putin mit dem Rücken zur Wand stehe, desto härter werde die Taktik, die er anwende.

Russland hatte die neue Waffe in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben zwei Mal in der Ukraine eingesetzt. Demnach fliegen die etwa acht Meter langen Raketen extrem schnell und extrem hoch, bleiben dabei aber manövrierfähig. Sie sind daher nur sehr schwer abzufangen.

Ministeriumssprecher Kirby bestätigte den Einsatz der »Kischal«-Rakete am Montag nicht direkt. »Wir haben die Behauptung der Russen gesehen, dass sie eine Hyperschall-Rakete benutzen. Wir sind nicht in der Lage, diese Behauptung zu widerlegen, aber wir sind auch nicht in der Lage, sie unabhängig zu verifizieren.«

Warnung vor russischen Cyberattacken

Der US-Präsident rief am Montag außerdem amerikanische Unternehmen dazu auf, ihren Schutz gegen mögliche Cyberangriffe aus Russland zu verbessern. Es gebe immer mehr Hinweise darauf, dass Russland Optionen für mögliche Cyberangriffe als Reaktion auf die Wirtschaftssanktionen des Westens prüfe, sagte Biden.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Ein Großteil der kritischen Infrastruktur des Landes sei in privatem Besitz. An die Unternehmen appellierte er deshalb: »Sie haben die Macht, die Kapazität und die Verantwortung, die Cybersicherheit und die Widerstandsfähigkeit der kritischen Dienste und Technologien zu stärken, auf die sich die Amerikaner verlassen.«

aar/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.