Aktuelle Lage im Ukrainekrieg Großbritannien sperrt Luftraum für Oligarchen

Russische Privatjets dürfen in Großbritannien nicht mehr landen. Nach Überzeugung des Pentagon attackiert Russland Mariupol mithilfe amphibischer Schiffe. Und: Wirbel um Papst-Besuch in der russischen Botschaft. Die News.
Kleinflugzeug (Archivbild): »Jeder, der von Russlands Aggression profitiert, ist nicht willkommen«

Kleinflugzeug (Archivbild): »Jeder, der von Russlands Aggression profitiert, ist nicht willkommen«

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Larry W. Smith / picture alliance / dpa

Das Wichtigste in Kürze
  • Nach einer Anordnung des Präsidenten Wladimir Putin haben russische Truppen am Donnerstagmorgen mit der Invasion der Ukraine begonnen. Hier  lesen Sie die aktuelle SPIEGEL-Titelgeschichte zum Thema.

  • Russische Truppen sind in den Großraum Kiew vorgedrungen. »Der schwerste Tag wird heute sein. Der Plan des Feindes ist, mit Panzern von Iwankiw und Tschernihiw nach Kiew durchzubrechen«, sagte Anton Gerashenko, Berater im ukrainischen Innenministerium. Präsident Selenskyi wirft Russland Angriffe auf zivile Ziele vor.

  • Nach der Europäischen Union haben auch Großbritannien und die USA Sanktionen gegen Putin und Lawrow persönlich angekündigt, doch es gibt weiterhin keine Einigung bezüglich eines Ausschlusses Russlands aus dem Swift-Zahlungssystem.

  • Die Nato verlegt zur Abschreckung Russlands Einheiten ihrer schnellen Einsatztruppe NRF. Das kündigte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Freitag nach einer Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs der 30 Bündnisstaaten an. Er sagte zunächst nicht, wohin die Einheiten verlegt werden sollen.

  • Die ukrainischen Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge mehr als 1000 russische Angreifer getötet. Solch schwere Verluste in so kurzer Zeit habe Russland bisher in keinem Konflikt erlitten, behauptete das ukrainische Heer am Freitag.

Russische Einheiten angeblich in Melitopol

23.52 Uhr: Russische Kräfte sind nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums in die ukrainische Kleinstadt Melitopol eingedrungen. Das meldet die russische Staatsagentur Ria Nowosti in Berufung auf eine Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums am Donnerstagabend. Demnach sind russische Einheiten erst in Asow am Asowschen Meer gelandet, hätten sich in Marsch gesetzt und schließlich »ohne Widerstand« Melitopol besetzt.

Von ukrainischer Seite hieß es, die Stadt sei umzingelt und kleine Gruppen russischer Soldaten in die Stadt eingedrungen. Diese versuchten nun, die kritische Infrastruktur zu besetzen, sagte der Leiter der Regionalverwaltung von Saporischschja, Oleksandr Staruch, in einer Videobotschaft. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Ukrinform.

Resolution gegen Russlands Einmarsch scheitert im UN-Sicherheitsrat

23.48 Uhr: Eine gegen Russlands Einmarsch in die Ukraine gerichtete Resolution ist im Uno-Sicherheitsrat gescheitert. Moskau legte bei der Abstimmung im mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen am Freitag in New York wie erwartet ein Veto gegen den Text ein – China enthielt sich.

Auch Kanada will Sanktionen gegen Putin und Lawrow verhängen

23.45 Uhr: Nach der EU, Großbritannien und den USA hat auch Kanada wegen des Ukraine-Kriegs Sanktionen gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen Außenminister Sergej Lawrow angekündigt. »Wir werden Sanktionen gegen Präsident Putin und seine Mitarchitekten dieses barbarischen Krieges, seinen Stabschef und Außenminister Sergej Lawrow verhängen«, sagte Premierminister Justin Trudeau am Freitag. »Diese Männer tragen die größte Verantwortung für Tod und Zerstörung in der Ukraine.«

Trudeau sprach sich dafür aus, Russland auch aus dem internationalen Zahlungssystem Swift auszuschließen. Er kündigte zudem Sanktionen gegen Belarus an, »weil es Präsident Putin beim Einmarsch in ein freies und souveränes Land unterstützt hat«.

Russland greift Mariupol laut Pentagon mithilfe amphibischer Schiffe an

23.27 Uhr: Die russische Armee hat nach US-Erkenntnissen nahe der ukrainischen Großstadt Mariupol von See aus Soldaten und Gerät mit amphibischen Kriegsschiffen an Land gebracht. Solche Schiffe brauchen zum Landen keinen Hafen. Auf die Frage, ob er Informationen zu einem solchen Angriff bei Mariupol habe, sagte Pentagonsprecher John Kirby am Freitag: »Wir glauben, dass so ein Angriff heute ausgeführt wird.« Die USA hätten aber keine genauen Informationen zum Fortschritt des Einsatzes, sagte Kirby.

Die umkämpfte Industriestadt Mariupol liegt am Asowschen Meer, das über die Straße von Kertsch mit dem Schwarzen Meer verbunden ist. Mariupol liegt auch unweit der von russischen Separatisten kontrollierten Gebiete in der Ostukraine.

Großbritannien sperrt Luftraum für russische Privatflugzeuge

23.05 Uhr: Großbritannien hat seinen Luftraum für russische Privatflugzeuge gesperrt. »Ich habe unser Verbot in Großbritannien verschärft, damit kein russischer Privatjet im britischen Luftraum fliegen oder landen kann – mit sofortiger Wirkung«, verkündete Verkehrsminister Grant Shapps am Freitagabend im Onlinedienst Twitter. Das Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin sei rechtswidrig und »jeder, der von Russlands Aggression in der Ukraine profitiert, ist hier nicht willkommen«, erklärte Shapps.

Nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine hatte die Regierung in London bereits am Donnerstag entschieden, die russische Fluggesellschaft Aeroflot aus dem britischen Luftraum zu verbannen. Russland sperrte daraufhin seinen Luftraum für Maschinen aus Großbritannien.

Großbritannien ist seit Jahren ein bevorzugtes Ziel russischer Oligarchen und ihrer Familien. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, zu zögerlich gegen die russischen Gelder an den britischen Finanzmärkten und im Immobiliensektor des Landes vorzugehen.

Russland kritisiert Sanktionen gegen Putin und Lawrow

22.58 Uhr: Russland hat die Sanktionen des Westens gegen Präsident Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow kritisiert. Das sei ein Beispiel für eine absolute außenpolitische Schwäche, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Freitagabend im Staatsfernsehen. »Mit wem werden Sie sprechen?«, fragte sie und erinnerte daran, dass Russland eine Atommacht sei.

Ministeriumssprecherin Sarachowa (Archivbild): »Mit wem werden Sie sprechen?«

Ministeriumssprecherin Sarachowa (Archivbild): »Mit wem werden Sie sprechen?«

Foto: SERGEI KARPUKHIN/ REUTERS

Zuvor hatten die USA, die EU und Großbritannien Strafmaßnahmen gegen den russischen Präsidenten und seinen Außenminister beschlossen.

Zehntausende protestieren in Georgien

22.56 Uhr: In Georgien sind zehntausende Menschen gegen den russischen Einmarsch in der Ukraine auf die Straße gegangen. In der Hauptstadt Tiflis versammelten sich am Freitagabend rund 30.000 Menschen, die ukrainische und georgische Flaggen schwenkten und die Nationalhymnen beider Länder sangen.

Das Bestreben Georgiens, Nato-Mitglied zu werden, sorgt wie im Fall der Ukraine seit Jahren für Konflikte mit Russland. 2008 gipfelten die Spannungen zwischen Tiflis und Moskau in einem kurzen Krieg um die abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien, bei dem Georgien unterlag. In beiden Regionen unterhält Russland seither eine starke Militärpräsenz.

NHL-Star Owetschkin spricht sich gegen den Krieg aus

22.51 Uhr: Der russische Eishockeystar Alexander Owetschkin hat sich am Freitag gegen den von seinem Heimatland begonnenen Krieg in der Ukraine ausgesprochen. »Bitte, keinen Krieg mehr. Wir müssen in Frieden leben«, sagte der NHL-Profi der Washington Capitals nach einer Trainingseinheit. Owetschkin ist als glühender Anhänger von Russlands Präsident Waldimir Putin bekannt.

Eishockeystar Owetschkin (Archivbild): »Bitte, keinen Krieg mehr«

Eishockeystar Owetschkin (Archivbild): »Bitte, keinen Krieg mehr«

Foto: Rob Carr/ AFP

»Natürlich ist es eine schwierige Situation. Ich habe viele Freunde in Russland und der Ukraine, und es ist schwer, den Krieg zu sehen«, sagte Owetschkin, der hofft, »dass der Krieg bald vorbei ist«. Trotz seiner Haltung zu Putin betonte Owetschkin, er sei »kein Politiker«, sagte aber: »Er ist mein Präsident«.

Russischer Botschafter im Vatikan: Papst wollte nicht vermitteln

22.43 Uhr: Nach dem Besuch von Papst Franziskus in der russischen Botschaft im Vatikan hat dessen Leiter bestritten, dass das Kirchenoberhaupt seine Vermittlerdienste angeboten habe. Die Nachrichtenagentur RIA Novosti zitiert Botschafter Aleksandr Awdejew, dass Franziskus »große Besorgnis« über die humanitäre Lage in der Ukraine geäußert und »zum Schutz der Kinder, zum Schutz der Kranken und Leidenden und zum Schutz der Menschen« aufgerufen habe.

Vatikan-Sprecher Matteo Bruni hatte über Franziskus' Botschaftsbesuch am Freitag gesagt, dieser sei dorthin gegangen, »um seine Besorgnis über den Krieg auszudrücken.« Einzelheiten nannte er nicht. Beobachtern zufolge ist es das erste Mal, dass ein Papst während eines Konflikts direkt eine Botschaft aufgesucht hat. Ausländische Gesandte werden normalerweise vom Staatssekretär des Vatikans vorgeladen oder treffen sich mit dem Papst im Apostolischen Palast. Der Papst habe mehr als 30 Minuten in der Botschaft verbracht, sagte Bruni. Er wollte sich nicht zu einem Bericht äußern, wonach der 85-Jährige die Vermittlung des Vatikan angeboten habe. Dies hatte ein argentinischer Medienbericht nahegelegt. Franziskus kommt aus Argentinien.

OECD stellt russischen Beitrittsprozess ein

22.35 Uhr: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat angesichts des russischen Einmarschs in die Ukraine angekündigt, den Beitrittsprozess Russlands endgültig einzustellen. Sie werde daher auch ihr Büro in Moskau schließen, teilte die Organisation am Freitag mit. »Die OECD bleibt fest mit dem ukrainischen Volk solidarisch«, hieß es in der Erklärung, in der auch »Russlands groß angelegte Aggression gegen die Ukraine auf das Schärfste« verurteilt wurde.

Darüber hinaus werde Russland »auf Ministerebene und in Gremien, in denen es auf der Gästeliste steht«, nicht mehr willkommen sein, erklärte die OECD. Die Organisation, in der alle Industrieländer vertreten sind, hatte das russische Beitrittsverfahren bereits 2014 nach der Stationierung russischer Streitkräfte auf der ukrainischen Halbinsel Krim ausgesetzt.

Frankreich stationiert Kampfflugzeuge in Estland

22.20 Uhr: Frankreich plant, vier Kampfflugzeuge vom Typ Mirage 2000-5 nach Estland zu entsenden, um die NATO-Streitkräfte in der Region nach der russischen Invasion in der Ukraine zu verstärken. Das teilte die französische Präsidentschaft am Freitag mit. Neben dänischen und britischen Truppen würden auch 200 Soldaten in Estland stationiert und der geplante Aufbau einer taktischen Einheit in Rumänien mit 500 Soldaten beschleunigt, hieß es in einer Erklärung.

Biden telefoniert mit Selenskyj

22.05 Uhr: Inmitten des russischen Angriffs auf die Ukraine hat US-Präsident Joe Biden dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erneut Unterstützung der Vereinigten Staaten zugesichert. Biden teilte am Freitag in einer schriftlichen Stellungnahme mit, er habe mit Selenskyj telefoniert und ihn über laufende wirtschaftliche, humanitäre und sicherheitspolitische Hilfen der USA informiert. Biden betonte auch: »Ich habe das mutige Handeln des ukrainischen Volkes gelobt, das für die Verteidigung seines Landes kämpft.«

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte, derzeit würden eine Reihe von Optionen geprüft, wie zusätzliche Unterstützung für die Ukraine sichergestellt werden könne.

Nach EU will auch US-Regierung Sanktionen gegen Putin verhängen

21.50 Uhr: Nach der Europäischen Union will auch die US-Regierung Sanktionen gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow verhängen. Das sagte US-Präsident Joe Bidens Sprecherin, Jen Psaki, am Freitag.

Einzelheiten zu den Sanktionen würden noch im Laufe des Nachmittags (Ortszeit) bekanntgegeben, sagte sie weiter. Bei den meisten US-Sanktionen, die sich auf bestimmte Personen oder Firmen beziehen, wird jeglicher möglicher Besitz in den USA eingefroren. US-Bürgern und Firmen ist es dann weitgehend verboten, mit ihnen Geschäfte einzugehen oder sie finanziell zu unterstützen.

Slowakei meldet 7000 Grenzübertritte aus der Ukraine

20.40 Uhr: Die Slowakei hat am ersten Tag nach dem russischen Angriff auf die Ukraine mehr als fünfmal so viele Grenzübertritte aus dem Nachbarland verzeichnet wie normalerweise. Von Mittwochnachmittag bis Donnerstagnachmittag seien 7.490 ukrainische Staatsbürger über die Grenze gekommen, teilte das Innenministerium in Bratislava am Freitag mit. Normalerweise seien es rund 1.400 an einem Tag. Von den in die Slowakei eingereisten Ukrainern beantragten bis Freitagnachmittag aber nur 14 Personen offiziell Schutz als Geflüchtete. Sie wurden in einer grenznahen Auffangstation untergebracht.

Laut Bürgerrechtlern 90 Festnahmen bei Demos in Russland

20.20 Uhr: Bei erneuten Anti-Kriegs-Demonstrationen in Russland gegen den Einmarsch ins Nachbarland Ukraine sind nach Angaben von Bürgerrechtlern am Freitag rund 90 Menschen festgenommen worden. Das Portal Owd-Info registrierte bis zum Abend Proteste in 17 russischen Städten. Im sozialen Netzwerk Telegram wurden Fotos und Videos vor allem aus der Ostsee-Metropole St. Petersburg veröffentlicht, auf denen zu sehen ist, wie Polizisten teils hart gegen Demonstranten vorgehen. Viele Russen fühlen sich den Ukrainern eng verbunden, oft bestehen familiäre Beziehungen. Sie wollen ihr Mitgefühl zeigen.

Antikriegsdemonstration in Sankt Petersburg

Antikriegsdemonstration in Sankt Petersburg

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Dmitri Lovetsky / dpa

Die Protestbewegung war zunächst deutlich kleiner als am Tag zuvor, als in mehr als 40 Städten insgesamt mehr als 1700 Menschen festgenommen worden waren. Die Menschen rufen »Nein zum Krieg!« und müssen harte Strafen wegen des verbotenen Straßenprotests befürchten. Die russischen Behörden warnen eindringlich vor einer Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen. Unter dem Vorwand der Sicherheit vor Ansteckung in der Coronapandemie werden Demonstrationen nicht erlaubt.

Sondertreffen der EU-Energieminister am Montag

20.16 Uhr: Angesichts der russischen Invasion in die Ukraine wollen die EU-Energieminister am Montag zu einem Krisentreffen in Brüssel zusammenkommen. Das sagte eine Sprecherin des Rats der EU-Staaten der dpa am Freitag. Für Deutschland wird Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) in Brüssel erwartet. Thema der Gespräche ist nach Angaben der Sprecherin die Energiesituation in Europa angesichts des russischen Einmarschs in die Ukraine. Die EU ist stark von russischem Gas abhängig und es wird befürchtet, dass der Konflikt die Gaspreise weiter hochtreiben oder dass Russland Gaslieferungen in die EU ganz stoppen könnte.

Deutschland will Kompanie in die Slowakei entsenden

20.08 Uhr: Deutschland wird eine Truppenkompanie in die Slowakei entsenden, die einen Teil einer neuen NATO-Kampfgruppe bilden wird. Das sagte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht am Freitag. »Wir arbeiten daran, schnell eine Kompanie in die Slowakei zu schicken«, sagte sie nach Gesprächen mit ihrem slowakischen Amtskollegen dem ZDF.

Lesen Sie hier unsere Meldung dazu.

Rumänien zählt 19.000 Flüchtlinge aus Ukraine

20.04 Uhr: Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind in Rumänien nach Angaben von Ministerpräsident Nicolae Ciuca 19.000 ukrainische Flüchtlinge eingetroffen. Davon hätten 8000 ihren Weg nach Bulgarien und Ungarn fortgesetzt.

Großbritannien setzt Putin und Lawrow auf Sanktionsliste

19.27 Uhr: Nach der Europäischen Union verhängt auch Großbritannien Sanktionen gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinen Außenminister Sergej Lawrow. Das sagte der britische Premier Boris Johnson einer Regierungsmitteilung zufolge bei einer Sitzung der Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten. Grund für den Schritt sei die »revanchistische Mission« Putins und Lawrows, mit der sie die Weltordnung nach dem Kalten Krieg durch den Angriff auf die Ukraine beseitigen wollten. Zuvor hatte die EU ebenfalls Sanktionen gegen die beiden russischen Spitzenpolitiker verhängt.

Johnson warnte die Nato-Staats- und Regierungschefs bei ihrer Videoschalte der Mitteilung zufolge, dass Putins Absichten möglicherweise über die Invasion in die Ukraine hinausgehen könnten. Er forderte, Russland umgehend aus dem Zahlungsverkehrssystem Swift auszuschließen, »um Präsident Putin und seinem Regime maximal wehzutun«.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, schrieb am Abend im Nachrichtenkanal Telegram, Putin und Lawrow hätten keine Konten in Großbritannien oder in Übersee.

Scholz betont Notwendigkeit der Nato-Truppenverlegung nach Osten

19.22 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz hat beim Nato-Sondergipfel die Notwendigkeit betont, nach dem russischen Angriff auf die Ukraine weitere Truppen der Allianz in die östlichen Mitgliedstaaten zu schicken. Damit werde dem Sicherheitsbedürfnis der Nato-Partner Rechnung getragen, erklärte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Freitag nach den Beratungen im Namen des Kanzlers. Präsident Putins durch nichts zu rechtfertigender Angriff auf die Ukraine treffe auf die scharfe Ablehnung aller Nato-Partner. Damit stelle Russland die europäische Friedensordnung zur Disposition.

Serbiens Präsident Vučić hält Ukraine-Invasion für »schweren Fehler«

19.02 Uhr: Der eigentlich russlandfreundliche serbische Präsident Aleksandar Vučić hat den Einmarsch Russlands in die Ukraine kritisiert. »Wir halten es für einen schweren Fehler, die territoriale Unversehrtheit eines Landes wie der Ukraine zu verletzen«, sagte er am Freitagabend in Belgrad. Zugleich kündigte er an, dass sein Land keine Sanktionen gegen Russland verhängen werde.

Fast 40 Stunden nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine äußerte sich Vučić zum ersten Mal zu der weltweit verurteilten Aggression Moskaus. Der Serbe pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu seinem russischen Kollegen Wladimir Putin.

Nato verlegt schnelle Eingreiftruppe zur Abschreckung Russlands

19.00 Uhr: Die Nato verlegt zur Abschreckung Russlands Einheiten ihrer schnellen Einsatztruppe NRF. Das kündigte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Freitag nach einer Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs der 30 Bündnisstaaten an. Er sagte zunächst nicht, wohin die Einheiten verlegt werden sollen.

Russische Truppen überwinden Dneprbei Großstadt Cherson

18.40 Uhr: Nach schweren Kämpfen haben russische Truppen den Fluss Dnepr in der Südukraine überschritten. Damit hätten sie nun Zugang zur strategisch wichtigen Stadt Cherson, teilte die Gebietsverwaltung am Freitag mit. Der Gegner habe mit schweren Kräften angegriffen und heftige Verluste erlitten. Schließlich hätten die Verteidiger aber die Kontrolle verloren. Die Führung der Region unternehme alle Anstrengungen, um die Ordnung aufrechtzuerhalten und Leben zu retten. Die Großstadt mit knapp 300.000 Einwohnern spielt eine wichtige Rolle beim Schutz der Hafenstadt Odessa im Südwesten des Landes.

Selenskyj zeigt sich mit Spitzenpolitikern: »Wir sind in Kiew«

18.32 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich mit weiteren ranghohen Politikern gezeigt. Er sei gemeinsam mit Ministerpräsident Denys Schmyhal sowie den Chefs der Präsidialverwaltung und des Parlaments in der ukrainischen Hauptstadt, sagte Selenskyj in einem kurzen Clip, den er am Freitagabend auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. »Wir sind alle hier«, sagte er. Dazu schrieb er: »Wir sind in Kiew. Wir verteidigen die Ukraine.« Damit reagierte Selenskyj, der wie die anderen Spitzenpolitiker ein Uniformhemd trug, auf Gerüchte, er verstecke sich in einem Bunker oder habe die Stadt verlassen.

Russisches Öl fließt weiter nach Europa

18.25 Uhr: Russische Ölexporte erreichen ihre Abnehmer in Europa Marktteilnehmern zufolge trotz Handelshindernissen. Das ergibt ein Lagebild bei Händlern, Hafenagenten und aus Schifffahrtsdaten. Am Donnerstag hatten Marktteilnehmer berichtet, Banken und Schifffahrtsunternehmen stellten wegen der unsicheren Lage einigen Käufern nicht mehr die für den Handel benötigten Bürgschaften und Transportkapazitäten zur Verfügung.

Rom beendet wegen Russlands Einmarsch in Ukraine gemeinsames Impfstoff-Projekt

18.18 Uhr: Die Region Latium im Zentrum Italiens beendet wegen des russischen Einmarschs in die Ukraine die Zusammenarbeit mit Moskau zur Evaluierung des Coronaimpfstoffs Sputnik V. »Wir setzen die Zusammenarbeit bezüglich Sputnik aus, weil die Wissenschaft dem Frieden und nicht dem Krieg dienen sollte«, sagte der regionale Gesundheitsbeauftragte Alessio D'Amato am Freitag der Zeitung »La Repubblica«. Ein Sprecher der Region, zu der auch die Hauptstadt Rom gehört, bestätigte die Angaben auf AFP-Anfrage. Die Kooperation sah eine Reihe von Tests vor, die vom italienischen Spallanzani-Institut an etwa 600 Freiwilligen vorgenommen wurden, denen nach einer AstraZeneca-Impfung als zweite Dosis das Präparat Sputnik V verabreicht wurde. Das Projekt war im April 2021 angelaufen.

Russland beschränkt Facebook teilweise

18.15 Uhr: Russland will das soziale Netzwerk Facebook teilweise beschränken. Das gelte vom Freitag an und sei eine Reaktion auf Sperrungen staatlicher russischer Medien, teilte die Kommunikationsaufsicht Roskomnadsor in Moskau mit. Das habe die Generalstaatsanwaltschaft nach Rücksprache mit dem Außenministerium entschieden. Der Zugang solle teilweise eingeschränkt werden. Unklar blieb zunächst, welche Konsequenzen das genau hat. Am Abend ließ sich etwa die Facebook-App über Smartphones weiterhin öffnen.

Nato will Truppen verstärken

18.10 Uhr: Die Nato kündigt eine Verstärkung ihrer Truppen in Osteuropa an. Es würden in bedeutendem Umfang zusätzliche Kräfte dorthin verlegt, heißt es in der Abschlusserklärung der 30 Staats- und Regierungschefs, die unter dem Vorsitz von Generalsekretär Jens Stoltenberg virtuell getagt hatten. Details werden nicht genannt. Der russischen Regierung wird in dem Dokument Verbreitung von Lügen vorgeworfen.

EU beschließt Sanktionen gegen Putin und Lawrow

18.03 Uhr: Die EU verhängt nun auch Sanktionen gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow. Die Außenminister der 27 Mitgliedstaaten verabschiedeten am Freitagnachmittag einen entsprechenden Rechtsakt, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Diplomatenkreisen erfuhr. Der Sanktionsbeschluss, der auch weitreichende Wirtschaftssanktionen umfasst, sollte umgehend im EU-Amtsblatt veröffentlicht werden und damit in Kraft treten.

Putin und Lawrow 2015 im Élysée

Putin und Lawrow 2015 im Élysée

Foto: imago stock&people / imago/ITAR-TASS

Stimmenfang-Sonderfolge: Die Fehler der deutschen Russlandpolitik

18 Uhr: War die Bundesregierung im Umgang mit Putin zu naiv? Und warum zögert sie jetzt bei einschneidenden Sanktionen? In einer Sonderfolge des Stimmenfang-Podcasts analysiert Martin Knobbe, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros, die Fehler der deutschen Russlandpolitik.

Gazprom pumpt weiter Erdgas nach Europa

17.46 Uhr: Aus Russland fließt weiter Erdgas nach Europa. Die durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 gepumpten Gasmengen schwankten auch in den vergangenen Tagen nur wenig, wie am Freitag aus einer Übersicht der im schweizerischen Zug ansässigen Betreibergesellschaft Nord Stream AG hervorging. Demnach flossen seit Jahresbeginn täglich zwischen 1,63 Milliarden und 1,76 Milliarden Kilowattstunden Erdgas über Greifswald ins deutsche Verteilnetz.

Die Gaslieferungen gingen am Freitag unvermindert weiter. Bis 16 Uhr flossen stündlich etwa 73 Millionen Kilowattstunden Gas. Lieferant ist der russische Staatskonzern Gazprom. Er hält auch 51 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft. Beteiligt sind außerdem die Energieunternehmen Wintershall Dea, Eon, Gasunie und Engie.

SPIEGEL-Reporterin in der Ukraine: lange Staus westlich von Kiew

17.39 Uhr: Unsere Reporterin Alexandra Rojkov, die sich derzeit in der Ukraine befindet, berichtet von kilometerlangen Staus westlich von Kiew. »Wir haben fünf Stunden für 130 Kilometer gebraucht«, sagt sie.

Flucht aus Kiew: Lange Staus schon seit Donnerstag

Flucht aus Kiew: Lange Staus schon seit Donnerstag

Foto: Sergey Starostenko / imago images/Xinhua

Die Staus betreffen nicht nur Autobahnen, sondern das gesamte Straßennetz. »Die meisten Menschen sind schon seit heute Morgen unterwegs, als der Beschuss auf Kiew richtig losging. Jetzt versuchen alle, es in den Westen zu schaffen, ohne dass ihnen das Benzin ausgeht.«

Russische Airline S7 streicht alle Flüge nach Europa bis 13. März

17.33 Uhr: Die russische Fluglinie S7 streicht wegen des Konflikts zwischen Russland und der Nato für gut zwei Wochen alle Flüge nach Europa. Betroffen sind bis zum 13. März die Verbindungen in 16 Städte, unter anderem nach Berlin, Düsseldorf und München. Die Airline begründete den Schritt am Freitag nach Angaben der Agentur Tass mit Luftraumsperrungen mehrerer EU-Staaten wie Polen oder Tschechien für russische Flugzeuge. Zudem sollen auch für die Zeit vom 13. März an zunächst keine Tickets verkauft werden. Der Kaufpreis werde zurückerstattet.

Russland nimmt nicht am Eurovision Song Contest teil

17.30 Uhr: Russland nimmt aufgrund des militärischen Angriffs auf die Ukraine nicht am diesjährigen Eurovision Song Contest teil. Das teilte die zuständige Europäische Rundfunkunion EBU am Freitag in Genf mit.

Russland soll unbeteiligtes Schiff unter moldawischer Flagge bombardiert haben

17.28 Uhr: Bei seinem Angriff auf die Ukraine hat die russische Marine im Schwarzen Meer auch auf ein unbeteiligtes Schiff geschossen. Das meldete der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Valerii Zaluzhnyi, auf Facebook.

Bei dem Schiff handelt es sich demnach um die »Millennial Spirit« unter moldawischer Flagge. Der Tanker sei vor Odessa getroffen worden. Bilder zeigen schwere Beschädigungen am Schiff, laut Zaluzhnyi sei derzeit keine Kommunikation mit der Crew möglich.

Wegen Krieg in der Ukraine: Kurzarbeit bei VW in Zwickau und Dresden

17.06 Uhr: Wegen des Krieges in der Ukraine ruht in der kommenden Woche in den VW -Werken Zwickau und Dresden für einige Tage die Fahrzeugfertigung. Ursache seien ausbleibende Materiallieferungen, wie ein Volkswagen-Sprecher am Freitag auf Anfrage sagte. Demnach fehlen unter anderem Elektrokabelsätze, die in der Ukraine hergestellt werden. In Zwickau werden nach Angaben des Sprechers von Dienstag bis Freitag und in Dresden von Mittwoch bis Freitag keine Fahrzeuge produziert. Dies bedeute für mehrere Tausend Mitarbeiter Kurzarbeit. Zunächst hatte »Radio Zwickau« berichtet.

VW-Werk in Zwickau

VW-Werk in Zwickau

Foto: Jan Woitas / dpa

Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess erklärte am Freitag, man habe eine Taskforce eingerichtet, um weitere mögliche Folgen etwa auf die Lieferbeziehungen abzuschätzen. Der VW-Chef hatte mit Entsetzen auf den Kriegsbeginn in der Ukraine reagiert. Zentral- und Osteuropa sind für den nach Toyota zweitgrößten Autokonzern ein wichtiger Absatzmarkt. 2021 lieferten alle Marken der VW-Gruppe dort fast 660.000 Fahrzeuge aus. Die Kernmarke VW Pkw kam im vergangenen Jahr in der Region auf rund 206.000 verkaufte Neuwagen.

Wirtschaftsforschungsinstitut: Sanktionen werden Russland kaum beeindrucken

16.30 Uhr: Ifo-Chef Clemens Fuest hat die westlichen Sanktionen gegen Russland nach dem Angriff auf die Ukraine als insgesamt schwach bezeichnet. Der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts sagte am Freitag der Nachrichtenagentur dpa: »Dass man sich überhaupt schnell auf Sanktionen geeinigt hat, ist positiv. Die Sanktionen sind aber insgesamt schwach, sie werden die russische Regierung kaum beeindrucken.« Es wäre wünschenswert gewesen, gegen eine deutlich größere Zahl russischer Banken und Einzelpersonen vorzugehen, deutlich mehr ausländisches Vermögen einzufrieren und umfassendere Exportverbote zu verhängen. Man müsste außerdem überzeugend erläutern, warum Deutschland offenbar den Swift-Ausschluss russischer Banken nicht unterstützen will, sagte Fuest mit Blick auf das Banken-Kommunikationsnetzwerk.

Nestlé setzt Produktion in der Ukraine aus

16.20 Uhr: Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé hat die Arbeit in seinen Werken in der Ukraine wegen des russischen Angriffs vorläufig gestoppt. Die Sicherheit und der Schutz der Beschäftigten sei »Priorität Nummer eins«, teilte Nestlé am Freitag mit. Daher seien alle Fabriken und Lager im Land vorübergehend geschlossen.

Der Konzern riet den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zu Hause zu bleiben und den Anweisungen der örtlichen Behörden zu folgen. Für Nestlé arbeiten in der Ukraine rund 5000 Menschen in drei Werken. Sie stellen vor allem Fertiggerichte und Süßigkeiten her.

Deutsche Helme für das ukrainische Militär sind unterwegs

16.20 Uhr: Deutschland hat die angekündigte Lieferung von 5000 Helmen für das ukrainische Militär auf den Weg gebracht. Die Schutzausstattung war am Freitag in zwei Lastwagen unterwegs, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Das Material sollte wegen der laufenden Kämpfe außerhalb der Ukraine übergeben werden. Im Streit um die von der Bundesregierung abgelehnte Lieferung von Waffen hatte die Ankündigung von Helmen Wirbel gemacht – und teils auch öffentlichen Spott ausgelöst. Aus der Bundesregierung war darauf verwiesen worden, dass die Lieferung von Helmen offiziell und in einem Brief auch ohne Angabe von Zahlen angefordert worden war.

Schweiz macht von EU-Sanktionen Betroffenen das Leben etwas schwerer

16.18 Uhr: Die Schweiz geht nach Kritik an ihren ausbleibenden Sanktionen gegen Russland nun doch einen Schritt weiter. Weiterhin werden keine Konten eingefroren, aber Schweizer Finanzintermediäre, das sind Banken und andere Finanzmakler, dürften nun keine neuen Geschäftsbeziehungen mehr zu Hunderten Personen und Unternehmen eingehen, die auf EU-Sanktionslisten stehen. Dies teilte das Wirtschaftsministerium am Freitag mit. Sie müssen nun auch sämtliche bestehenden Geschäftsbeziehungen mit diesen Personen und Unternehmen melden.

Die Schweiz sprach von 361 Einzelpersonen und vier Unternehmen. Die EU hatte am Mittwoch neue Sanktionen, darunter das Einfrieren von Vermögenswerten, gegen 351 Parlamentsabgeordnete und 27 weitere Personen und Unternehmen oder Organisationen verhängt.

Tschechien und Polen wollen Luftraum für russische Flugzeuge sperren

16.13 Uhr: Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine eine Sperre des polnischen Luftraums für russische Flugzeuge angekündigt. »Ich habe die Vorbereitung einer Entschließung des Ministerrats in Auftrag gegeben, die zur Sperre des Luftraums für russische Fluglinien führen wird«, schrieb der nationalkonservative Politiker am Freitag auf Twitter. Der TV-Nachrichtensender TVN24 berichtete anschließend unter Berufung auf Regierungssprecher Piotr Mueller, ein entsprechendes Gesetz solle bereits ab Mitternacht wirksam werden. Auch Tschechien will sich dem polnischen Schritt anschließen, wie Ministerpräsident Petr Fiala nach einer Kabinettssitzung am Freitag sagte. Details sollten noch bekannt gegeben werden.

Französische Eliteeinheit in Kiew im Einsatz

16.09 Uhr: Frankreich hat nach Angaben aus Sicherheitskreisen eine Eliteeinheit der Polizei in der ukrainischen Hauptstadt im Einsatz, um die Botschaft in Kiew zu schützen. Es handele sich um eine achtköpfige Gruppe der Eliteeinheit der Gendarmerie (GIGN), die seit Mittwoch in der Botschaft sei, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus Sicherheitskreisen. Diese seien dort jetzt zusätzlich zu den fünf GIGN-Mitgliedern, die ständig vor Ort seien.

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian

Foto: FRANCOIS WALSCHAERTS / AFP

Der Einsatz kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich Frankreich auch Sorgen um die Sicherheit des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj macht. Selenskyj erklärte am Freitag, er werde vor Ort bleiben, obwohl er das »Ziel Nummer eins« der vorrückenden russischen Truppen sei. »Wir sind bereit, ihm notfalls zu helfen«, sagte der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian am Freitag dem Radiosender France Inter. Ob diese Hilfe auch eine mögliche Außer-Landes-Bringung des Präsidenten einschließe, wollte Le Drian nicht sagen.

Putin ruft ukrainische Armee zur Machtübernahme in Kiew auf

15.53 Uhr: Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich direkt an die Truppen der Ukraine gewendet. Er forderte das ukrainische Militär auf, die Macht übernehmen. »Ich appelliere noch einmal an die Streitkräfte der Ukraine: Erlauben Sie Neonazis und (ukrainischen radikalen Nationalisten) nicht, Ihre Kinder, Ehefrauen und Ältesten als menschliche Schutzschilde zu benutzen«, sagte Putin bei einem im Fernsehen übertragenen Treffen mit der russischen Sicherheit Rat. »Nehmen Sie die Macht selbst in die Hand, dann können wir uns leichter einigen.« Putin fügte hinzu, dass russische Soldaten in der Ukraine »mutig, professionell und heldenhaft« kämpfen würden.

Der Kreml behauptet seit Jahren, 2014 hätten aus dem Ausland gesteuerte »Faschisten« in Kiew einen Staatsstreich herbeigeführt.

Trotz Konflikt mit Westen: Lawrow will an Uno-Sitzung teilnehmen

15.45 Uhr: Russlands Außenminister Sergej Lawrow will trotz des Konfliktes um den Einmarsch in die Ukraine zu internationalen Gesprächen nach Genf fliegen. Bei seiner Reise Anfang kommender Woche werde er an der Sitzung des Uno-Menschenrechtsrats teilnehmen, sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Zudem wolle der Spitzendiplomat bei einer Abrüstungskonferenz sprechen. Geplant sind demnach Gespräche etwa mit der Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet.

Der Westen hat wegen des russischen Angriffs auf das Nachbarland Ukraine neue Sanktionen gegen Moskau verhängt. Russland seinerseits drohte mit Gegenmaßnahmen. Zuletzt hatte etwa US-Außenminister Antony Blinken ein geplantes Treffen mit Lawrow abgesagt.

Gas aus Russland fließt weiterhin nach Deutschland

15.31 Uhr: Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine sieht die Bundesnetzagentur für Deutschland derzeit keinen Versorgungsengpass bei Strom und Gas. »Eine unmittelbare Gefährdung der sicheren Strom- und Gasversorgung liegt nicht vor«, sagte ein Behördensprecher der Nachrichtenagentur dpa. »Wir untersuchen fortlaufend den Zustand der Energieversorgung in Deutschland in engem Kontakt mit der Energiewirtschaft. Nach unserer Einschätzung treffen die Unternehmen die nötigen vorausschauenden Maßnahmen.«

Die Gasspeicher seien ausreichend gefüllt. »Der aktuelle Füllstand liegt inzwischen nah an dem Stand, der in den vergangenen Jahren jeweils Ende Februar zu verzeichnen war.« Der Sprecher äußerte sich auch zum Thema Gasimporte: »Die Importflüsse haben sich in den letzten Tagen nicht nennenswert verschoben.« Auch aus Russland fließe weiterhin Gas nach Deutschland.

Deutsche Luftwaffe betankt Kampfflugzeuge an Nato-Außengrenzen

15.25 Uhr: Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine beteiligt sich die Bundeswehr an der Luftbetankung von Nato-Flugzeugen entlang der östlichen und südöstlichen Flanke des Bündnisses. Seit Donnerstag war dazu im Luftraum über Rumänien ein Airbus A400M unterwegs, wie öffentlich zugängliche Informationen im Internet zeigten. Mit deutscher Beteiligung fliegen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zudem seit dem Vortag zwei multinational betriebene A330-Tanker über Polen, um dort Kampfflugzeuge der Verbündeten mit Treibstoff zu versorgen. Die Nato hat Sicherungsmaßnahmen im Luftraum verstärkt.

Hunderte Menschen demonstrieren in New York gegen Krieg in Ukraine

15.06 Uhr: Hunderte Menschen haben in New York gegen den russischen Einmarsch in die Ukraine demonstriert. Mit ukrainischen Flaggen und Plakaten versammelten sie sich am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag in Manhattan unter anderem auf dem Times Square, vor dem russischen Konsulat und den Vereinten Nationen. Vor den zahlreichen ukrainischen Restaurants und Bars der Stadt bildeten sich teils lange Schlangen.

Foto: JEENAH MOON / REUTERS

In der Millionenmetropole an der US-Ostküste leben rund 150.000 Ukrainer und Ukrainerinnen, nach Angaben von Bürgermeister Eric Adams die größte solche Gruppe in den USA. »Unsere Stadt steht mit ihnen zusammen«, schrieb Adams via Twitter. »Diese nicht provozierte und nicht zu rechtfertigende Invasion in ihr Heimatland ist ein Angriff auf die Freiheit.«

Russische Prominente distanzieren sich von Putins Krieg

15.00 Uhr: Mit scharfen Worten haben sich zahlreiche prominente Russinnen und Russen gegen den Angriff ihres Landes auf die Ukraine gewandt. »Der von Russland begonnene Krieg gegen die Ukraine ist eine Schande. Das ist unsere Schande, aber leider wird die Verantwortung dafür noch von unseren Kindern, einer ganz jungen Generation und von noch nicht einmal geborenen Russen getragen werden müssen«, heißt es in einer von Schriftstellern, Filmemachern und anderen Künstlern sowie von Medienschaffenden unterschriebenen Erklärung.

»Das ist ein politisches Verbrechen, das später in Geschichtsbüchern auch so beschrieben sein wird.«

Autorin Ljudmila Ulitzkaja

»Wir wollen nicht, dass unsere Kinder in einem Aggressor-Staat leben«, heißt es in dem unter anderem von der Schauspielerin Tschulpan Chamatowa und dem Schriftsteller Dmitri Bykow unterzeichneten Schreiben. Russland habe einen unabhängigen benachbarten Staat überfallen. »Wir rufen alle Bürger Russlands auf, Nein zu sagen zu diesem Krieg.« Sie glaubten den Behauptungen von Kremlchef Wladimir Putin nicht, dass an der Spitze des ukrainischen Volkes Nazis stünden, von dem die Menschen befreit werden müssten.

»Wir fordern ein Ende dieses Kriegs.« Die unabhängige Ukraine stelle für Russland oder einen anderen Staat keine Gefahr dar. Die auch in Deutschland viel gelesene Autorin Ljudmila Ulitzkaja schrieb: »Das ist ein politisches Verbrechen, das später in Geschichtsbüchern auch so beschrieben sein wird.« Dass der Krieg nach jahrzehntelangem Frieden anfange, sei eine Katastrophe für die ganze Menschheit.

»So traurig das auch sein mag – für die Kultur sind derart gespannte Zeiten immer sehr fruchtbar, sie lebt immer auf, wenn Not kommt. Die Kultur gibt mit der Zeit womöglich eine Antwort«, schrieb Ulitzkaja. »Es wäre besser, eine schlappe Kultur und ein einigermaßen ruhiges Leben zu haben, ohne Krieg. Leider werden unsere Machthaber uns den Luxus nicht bieten.«

Offene Proteste in der russischen Gesellschaft erwarte sie nicht. »Unsere Gesellschaft befindet sich in tiefster Apathie, Niedergeschlagenheit und Angst.« Der Machtapparat unterdrücke jede Form von Protest. Der populäre russische Moderator Iwan Urgant sagte emotional »Angst und Schmerz. Nein zum Krieg«. Seine populäre Abendshow im Staatsfernsehen wurde für Freitagabend abgesetzt.

Litauens Präsident fordert Rauswurf Russlands aus G20

15.00 Uhr: Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda hat die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, Russland nach seiner Invasion in die Ukraine weitestgehend politisch zu isolieren. »Wir müssen die Mitgliedschaft Russlands in internationalen Organisationen sofort aussetzen. Der Aggressor hat keinen Platz in der G20 und im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen«, wurde er in einer Mitteilung der Präsidialkanzlei in Vilnius zitiert. In den G20 sind die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer der Welt vereint.

Das Staatsoberhaupt des baltischen EU- und Nato-Landes forderte zudem für noch weitgehendere westliche Strafmaßnahmen gegen Moskau. »Sanktionen müssen verhängt und weiter verschärft werden, indem Russland vom Swift-System abgeschnitten und Nord Stream 2 gestoppt wird«, erklärte Nauseda.

Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten hatten am Donnerstagabend bei einem Krisengipfel in Brüssel einem umfangreichen Sanktionspaket gegen Russland zugestimmt. Gegen den sofortigen Ausschluss Russland aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift gibt es in einigen EU-Staaten aber Vorbehalte. Darunter auch Deutschland, das zuletzt die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 auf Eis gelegt hatte.

Litauens Präsident betonte auch die Notwendigkeit, die Unterstützung für die Ukraine mit allen Mitteln zu verstärken. »Putin greift die Ukraine an, Kiew wird bombardiert. Das brutale Regime des Kremls wird nicht aufhören, wenn wir es nicht aufhalten«, betonte Nauseda.

Nestle schließt seine drei Fabriken in der Ukraine

14.54 Uhr: Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestle hat seine Fabriken und Lagerhäuser in der Ukraine mit insgesamt rund 5000 Beschäftigten vorerst geschlossen. Priorität sei es, das Personal zu schützen, teilte das Unternehmen am Freitag in Vevey am Genfersee mit. Alle Beschäftigten seien in Sicherheit. Es handelt sich unter anderem um drei Fabriken, die Süßwaren, Getränke und Fertiggerichte sowie Zutaten herstellen. Das Unternehmen nehme die Produktion wieder auf, sobald dies sicher sei, hieß es.

EU-Länder schicken Hilfsgüter in die Ukraine

14.46 Uhr: Erste-Hilfe-Kästen, Schutzkleidung, Zelte, Feuerlöscher, Stromgeneratoren und Wasserpumpen: EU-Länder haben Hilfsgüter für die Ukraine gespendet. Die Hilfen kommen aus zwölf Ländern, unter anderem aus Deutschland, und werden mit der Unterstützung des EU-Mechanismus für Katastrophenschutz verteilt, wie die Europäische Kommission am Freitag mitteilte. Insgesamt seien über zwei Millionen lebenswichtige Güter gespendet worden.

Neben der Ukraine habe auch das Nachbarland Moldau in der Nacht zu Freitag offiziell über den Katastrophenschutzmechanismus um Hilfe gebeten, um Flüchtlinge besser versorgen zu können, bestätigte eine Sprecherin der Kommission. Laut offiziellen Angaben führt die Brüsseler Behörde auch Gespräche mit Polen, Ungarn und Rumänien darüber, wie die EU sie bei der Aufnahme von Menschen aus der Ukraine unterstützen könnte.

Die Vereinten Nationen stellen sich wegen des Krieges in der Ukraine auf bis zu vier Millionen Geflüchtete aus der Ukraine ein, sollte sich die Situation weiter verschlechtern. Schon jetzt seien Tausende Menschen über die Grenzen in Nachbarländer wie Polen, Moldau, die Slowakei und auch Russland geströmt, sagte eine Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Freitag in Genf.

Ukrainische Bahn setzt Sonderzug für Evakuierung ein

14.45 Uhr: Angesichts schwerer Kämpfe iwerden Menschen auch mit Zügen in Sicherheit gebracht. Laut Angaben des staatseigenen Bahnunternehmens Ukrsalisnyzja sollte am Freitagnachmittag ein Sonderzug in der Stadt Saporischschja im Südosten des Landes unweit der umkämpften Stadt Mariupol starten. Nicht angegeben wurde, wohin der Zug fuhr.

Das Unternehmen rief die Fahrgäste vielmehr dazu auf, während der Fahrt womöglich aus Furcht vor einem Angriff keine Geolocation zu veröffentlichen. Die Passagiere könnten zum Bahnhof kommen – »die Situation ist unter Kontrolle«, hieß es.

In der Hauptstadt Kiew fuhren am Freitag zunächst keine Busse und Straßenbahnen mehr, wie ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Seit Donnerstag versuchen viele Einwohner, massenhaft die Millionenstadt zu verlassen.

Kiew: Mehr als 1000 russische Angreifer getötet

14.39 Uhr: Die ukrainischen Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge mehr als 1000 russische Angreifer getötet. Solch schwere Verluste in so kurzer Zeit habe Russland bisher in keinem Konflikt erlitten, behauptete das ukrainische Heer am Freitag. »Russische Mütter schicken ihre Söhne in den sicheren Tod, denn die ukrainischen Streitkräfte halten die Linien und werden ihr Land gegen die Besatzer verteidigen«, hieß es in der Mitteilung. Das russische Verteidigungsministerium hatte hingegen mitgeteilt, es gebe keine Verluste. Die Angaben sind nicht unabhängig zu überprüfen.

Ukrainische Truppen rückten mit schwerer Militärtechnik unterdessen in Kiew ein, um die Hauptstadt zu verteidigen. »Die Stadt ist im Verteidigungsmodus«, sagte Bürgermeister Vitali Klitschko der Agentur Unian zufolge. Schüsse und Explosionen in einigen Gegenden bedeuteten, dass russische »Saboteure« ausgeschaltet würden. »Die Situation ist schwierig, aber wir glauben an unsere Streitkräfte und unterstützen sie«, sagte Klitschko. Die Stadtverwaltung rief die Einwohner auf, Überwachungskameras auszuschalten und abzuhängen, damit russische Truppen dadurch keinen Einblick in ukrainische Stellungen erhielten.

Marine schickt Korvette zur Stärkung der Nato-Nordflanke

14.36 Uhr: Die Deutsche Marine schickt eine zusätzliche Korvette zur Verstärkung der Nato-Nordflanke. Die Korvette »Erfurt« soll am Samstagvormittag von Wilhelmshaven aus aufbrechen und sich dem Marineverband »Standing Nato Maritime Group 1« anschließen, wie die Marine in Wilhelmshaven am Freitag mitteilte. Dieser Verband ist den Angaben zufolge vor allem für die Kontrolle und den Schutz wichtiger Seewege im Nordatlantik sowie in der Nord- und Ostsee zuständig.

Die Verstärkung der Nordflanke der Nato sei ein konkreter Ausdruck für die enge Verbundenheit mit ihren Bündnispartnern, teilte die Marine weiter mit. »Unsere Alliierten und Bündnispartner können darauf vertrauen, dass die Deutsche Marine ihren Beitrag zur Stärkung der Einsatz- und Verteidigungsbereitschaft der Nato leistet.«

Moskau: Russische Truppen blockieren Kiew von Westen

14.32 Uhr: Die russischen Truppen haben bei ihrem Angriff auf die Ukraine nach eigenen Angaben die ukrainische Hauptstadt von Westen her blockiert. Der strategisch wichtige Flugplatz Hostomel nordwestlich von Kiew sei eingenommen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag der Agentur Tass zufolge mit. Dabei seien 200 Ukrainer »neutralisiert« worden. Eigene Verluste gebe es nicht, behauptete das Ministerium.

Von ukrainischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung. Zuletzt hatte die Führung in Kiew mitgeteilt, Angriffe auf Hostomel zurückgeschlagen zu haben. Dabei hätten die russischen Truppen schwere Verluste erlitten.

Den russischen Angaben zufolge blockieren russische Truppen zudem die Stadt Tschernihiw unweit der Grenze zu Belarus. »Zum jetzigen Zeitpunkt haben die Einheiten der Streitkräfte der Russischen Föderation die Blockade der Stadt Tschernihiw abgeschlossen«, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Er versicherte zudem, Russland werde keine Wohngebiete in Kiew angreifen. »Russische Soldaten unternehmen alle Maßnahmen, um Verluste in der Zivilbevölkerung zu verhindern.«

Die russischen Truppen würden noch »Aufgaben« in Kiew und anderen Städten übernehmen. Sie hätten Tapferkeit und Heldenmut gezeigt. Der ukrainischen Führung warf das Ministerium Terrormethoden vor. Sie missbrauche Zivilisten als Schutzschilde.

Italien stellt 3400 Soldaten für weiteren Nato-Einsatz in Aussicht

14.31 Uhr: Italien stellt der Nato rund 3400 zusätzliche Soldaten für die Sicherung im Osten zur Verfügung. Das sagte Ministerpräsident Mario Draghi am Freitag in einer Rede vor dem Parlament in Rom. Etwa 1400 Männer und Frauen könne das Mittelmeerland in Heer, Marine und Luftwaffe aufbieten, dazu kämen 2000 weitere Personen des Militärs.

Die Soldaten und Soldatinnen würden vom Oberbefehlshaber der Nato koordiniert, hätten aber keine Befugnis, die Grenzen der Staaten des Militärverbundes zu überschreiten. Aktuell seien rund 240 Italiener an Nato-Stützpunkten in Lettland und Rumänien im Einsatz.

Strack-Zimmermann zu Angriff auf Nato: Nichts ist bei Putin unmöglich

14.29 Uhr: Die Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, hat dringend zu einer besseren Ausstattung der Bundeswehr und einer umfangreicheren Stationierung in den östlichen Nato-Staaten geraten. »Es sieht im Moment nicht danach aus, als würde Putin die Nato direkt angreifen. Aber leider müssen wir heute feststellen: Nichts ist bei Putin unmöglich«, sagte die FDP-Politikerin der Düsseldorfer »Rheinischen Post« (Samstag). »Die Nato tut gut daran, die Truppen auf dem Gebiet von Mitgliedsländern mit Grenzen zu Russland zu verstärken«, unterstrich Strack-Zimmermann. Sie schloss nicht aus, dass die Bundeswehr ihren Beitrag zur Nato-Speerspitze bereits jetzt leisten müsse und nicht erst wie geplant 2024. »Davon abgesehen muss die verteidigungspolitische Naivität in Deutschland aufhören. Wir müssen umgehend die Bundeswehr so ausstatten, dass wir nicht nur wehrwillig sind, sondern auch wehrfähig«, erklärte Strack-Zimmermann.

Thunberg demonstriert vor russischer Botschaft in Stockholm

14.20 Uhr: Die schwedische Klima- und Umweltaktivistin Greta Thunberg hat sich während ihres freitäglichen Klimaprotests solidarisch mit der Ukraine gezeigt. Gemeinsam mit anderen stellte sich die 19-Jährige vor die russische Botschaft in Stockholm, um ihre Unterstützung für die Menschen in der Ukraine zum Ausdruck zu bringen. Dabei hielt sie ein kleines Schild in den blau-gelben Nationalfarben mit der Aufschrift »Stand with Ukraine« in der Hand. Dies zeigt ein Foto, das Thunberg selbst im Internet veröffentlichte.

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Bereits am Donnerstag hatte Thunberg verschiedene Beiträge auf Twitter geteilt, in denen Russlands Einmarsch im Nachbarland verurteilt wurde. Sie benutzte auch den Hashtag #StandWithUkraine.

Kiew bereitet sich auf den Einmarsch vor

14.11 Uhr: Im ukrainischen Innenministerium rechnet man in Kürze damit, dass Russland in Kiew einmarschiert. In der Hauptstadt bereitet man sich darauf vor. Das ukrainische Militär kämpft im Großraum Kiew eigenen Angaben zufolge gegen russische Truppen. Mit Blick auf zwei Orte im Nordwesten der Hauptstadt sagte Militärsprecher Olexij Arestowytsch vor Journalisten: »Dort gibt es jetzt schon Kämpfe.« Kiew selbst bereite sich auf Verteidigung vor. Die ukrainische Armee habe »einige« russische Hubschrauber und Militärtechnik zerstört. Solche Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Zuvor hatte das Verteidigungsministerium die Bevölkerung in Kiew aufgerufen, sogenannte Molotow-Cocktails zum Kampf vorzubereiten und Sichtungen über russische Militärtechnik zu melden. Einwohner sollten ihre Wohnungen nicht verlassen. Das ukrainische Heer warnte, russische Einheiten nutzten teilweise eroberte ukrainische Technik. Im Zentrum von Kiew hat die Nationalgarde Stellung bezogen (siehe Foto).

Foto: Gleb Garanich / REUTERS

China ruft Russland zu Verhandlungen mit der Ukraine auf

14.06 Uhr: Chinas Präsident Xi Jinping hat Russland zu Verhandlungen mit der Ukraine aufgerufen. »China unterstützt Russland und die Ukraine dabei, die Angelegenheit durch Verhandlungen zu lösen«, sagte Xi am Freitag laut dem staatlichen chinesischen Sender CCTV in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Putin erklärte demnach, Russland sei zu Gesprächen mit der Ukraine auf »hoher Ebene« bereit.

Xi sagte den Angaben zufolge, dass es wichtig sei, »die Mentalität des Kalten Krieges aufzugeben« und »den begründeten Sicherheitsanliegen aller Länder Bedeutung beizumessen«. Notwendig sei ein »ausgewogener, effektiver und nachhaltiger europäischen Sicherheitsmechanismus«.

Peking hat sich im Ukraine-Konflikt bislang zurückhaltend positioniert. China ist ein enger Verbündeter Russlands, zugleich verfolgt das Land aber wichtige wirtschaftliche Interessen in Europa. Die chinesische Regierung hat sich bislang geweigert, den Angriff Russlands auf die Ukraine als »Einmarsch« zu bezeichnen und hat das russische Vorgehen auch nicht verurteilt.

Auch Estland sperrt Ausstrahlung von russischen TV-Sendern

13.55 Uhr: Auch Estland sperrt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine mehrere russischsprachige Fernsehsender. Die Behörde für Verbraucherschutz und technische Regulierung (TTJA) verhängte am Freitag ein einjähriges Ausstrahlungsverbot für die russischen Kanäle RTR Planeta, NTV Mir, Rossija 24 und TV Centre International. Auch der belarussische Sender Belarus 24 müsse für zwölf Monate seinen Sendebetrieb einstellen, teilte die Aufsichtsbehörde in Tallinn mit.

Begründet wurde die Entscheidung mit der Ausstrahlung der Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin am 24. Februar durch die fünf Sender, die als Rechtfertigung des militärischen Angriffs auf die Ukraine angesehen werden könne. Damit sei gegen das Verbot der Anstiftung zu einer Straftat verstoßen und die öffentliche Sicherheit untergraben worden.

»Außergewöhnliche Zeiten erfordern entschlossenes Handeln – wir sind der Ansicht, dass die Schmerzgrenze des estnischen Informationsraums von bestimmten Fernsehsendern nun überschritten wurde«, wurde TTJA-Leiter Kaur Kajak in der Mitteilung zitiert.

Vor Estland hatte am Donnerstag bereits das benachbarte Lettland Senderverbote gegen mehrere russische Kanäle verhängt. In den beiden baltischen EU- und Nato-Staaten leben größere russische Minderheiten.

Selenskyj ruft Europäer mit Kampferfahrung zur Verteidigung der Ukraine auf

13.47 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Europäer mit Kampferfahrung aufgerufen, sein Land bei der Abwehr des russischen Großangriffs zu unterstützen.

»Wenn Sie über Kampferfahrung in Europa verfügen und sich nicht mit der Unentschlossenheit der Politiker abfinden wollen, können Sie in unser Land kommen und sich uns anschließen, um Europa zu verteidigen«, erklärte Selenskyj am Freitag.

SPIEGEL-Reporterin in Kiew: »Die Stadt ist verwaist«

13.36 Uhr: Unsere Reporterin Alexandra Rojkov, die sich derzeit in Kiew und Umgebung befindet, schickte uns ihre Eindrücke aus der Nacht und von diesem Morgen als Sprachnachricht: »Heute Nacht gab es gegen 4.30 Uhr einen Luftalarm, wir sind dann in eine Metrostation im Zentrum der Stadt gelaufen wie viele andere auch.«

»Ich schätze, da waren einige hundert Menschen jeden Alters, Frauen, Kinder, viele Jugendliche. Viele hatten ihre Hunde und Katzen dabei. Man konnte sich nur auf den Steinboden setzen und warten. Einige hatten Isomatten mitgebracht. Dort haben wir bis etwa 8 Uhr gewartet. Als wir dann die Metrostation wieder verlassen wollten, kam schon der nächste Luftalarm.«

DER SPIEGEL

»Die Stadt ist verwaist, wenn Menschen unterwegs sind, dann stehen sie Schlange, etwa vor Bankautomaten. Gestern hatten die Supermärkte noch offen, heute sehe ich keine geöffneten Geschäfte. Die meisten Leute scheinen sich zu Hause zu verbarrikadieren, oder im Keller, wenn sie einen haben. Und sie warten, auch wenn keiner so genau weiß worauf.«

Leere Straße in Kiew

Leere Straße in Kiew

Foto: Alexandra Roijkov / DER SPIEGEL

Assad telefoniert mit Putin

13.18 Uhr: Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin telefoniert und dessen Position in Bezug auf die Ukraine unterstützt, teilte die syrische Präsidentschaft am Freitag in einer Erklärung inmitten der laufenden russischen Invasion mit. Nach Angaben von Reuters bezeichnete Assad in dem Telefonat die russische Offensive in der Ukraine als »Korrektur der Geschichte«.

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Syrien ist ein treuer Verbündeter Moskaus, seit Russland 2015 eine Militärkampagne in Syrien startete, die mit massiven Luftangriffen auf von der Opposition gehaltene Gebiete dazu beitrug, das Blatt im Bürgerkrieg zugunsten von Präsident Baschar al-Assad zu wenden.

Rumänien meldet Verdopplung der Einreisen aus der Ukraine

13.14 Uhr: Das EU- und Nato-Land Rumänien wird zu einer Transitroute für Geflüchtete aus dem Nachbarland Ukraine. Binnen 24 Stunden seien mehr als 10.000 Menschen aus der Ukraine nach Rumänien eingereist, mehr als doppelt so viele wie unmittelbar vor der russischen Invasion in die Ukraine, sagte Rumäniens Innenminister Lucian Bode am Freitag nach Angaben der rumänischen Nachrichtenagentur Mediafax.

Von den eingereisten 10.624 Menschen seien inzwischen 3660 weitergereist, unter anderem nach Bulgarien und nach Ungarn, sagte der Minister weiter. 11 Menschen hätten in Rumänien Asyl beantragt. Rumänien habe insgesamt 1100 Plätze in Asylunterkünften, die zur Hälfte besetzt seien. Vorher hatte Rumänien erklärt, darüber hinaus notfalls theoretisch eine halbe Million Geflüchtete in temporären Notunterkünften beherbergen zu können.

Formel 1 streicht Rennen in Russland

13.10 Uhr: Die Formel 1 hat wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine den Großen Preis von Russland in dieser Saison abgesagt. »Unter den aktuellen Umständen« sei eine Austragung des für den 25. September geplanten WM-Laufs in Sotschi unmöglich, teilte die Rennserie am Freitag nach Beratungen mit allen Beteiligten mit.

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Papst Franziskus besucht russische Botschaft im Vatikan

13.03 Uhr: Papst Franziskus hat am Freitag die russische Botschaft beim Heiligen Stuhl aufgesucht und gegenüber dem Botschafter aus Moskau seine Besorgnis über den Einmarsch Russlands in die Ukraine geäußert, teilte der Vatikan mit.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist es das erste Mal, dass ein Papst während eines Konflikts eine Botschaft aufsucht. Normalerweise werden ausländische Botschafter vom vatikanischen Staatssekretariat einberufen.

Vatikan-Sprecher Matteo Bruni sagte, der Papst habe etwa 30 Minuten in der Botschaft verbracht. Bruni wollte sich nicht zu einem Bericht äußern, wonach der 85-jährige Papst die Vermittlung des Vatikans im Konflikt angeboten habe.

Ukrainische Abgeordnete bewaffnet sich mit Kalaschnikow

12.53 Uhr: Zum Schutz vor weiter ins Zentrum von Kiew vorrückenden russischen Truppen haben sich nach Angaben einer ukrainischen Abgeordneten auch Politikerinnen und Politiker bewaffnet. Kira Rudik, Abgeordnete der proeuropäischen Partei »Golos«, sagte CNN, sie und ihr Team hätten sich mit Kalaschnikows ausgerüstet. Man werde im Parlament Widerstand gegen vorrückende russische Truppen leisten, so Rudik weiter. »Wir handeln hier als Schild der demokratischen Welt.«

»Golos«, zu Deutsch »Stimme«, ist eine aus dem Umfeld der Maidanrevolution entstandene liberale Partei. Nach ukrainischen Angaben sind russische Truppen bereits in die Kiewer Vororte eingedrungen.

Russische Fallschirmjäger sichern früheres Atomkraftwerk Tschernobyl

12.46 Uhr: Nach der Eroberung des früheren Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine sichern russische Fallschirmjäger das Gelände. Auch Spezialisten eines ukrainischen Wachbataillons seien nach Absprache weiter im Einsatz, sagte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums. Es gebe keine Auffälligkeiten, die radioaktiven Werte seien normal, sagte er. Hingegen teilte die zuständige ukrainische Behörde mit, sie messe deutlich erhöhte Strahlenwerte. Wegen der Lage und der Kämpfe sei es aber unmöglich, eine Begründung für diesen Anstieg zu erkennen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) äußerte sich am Freitagvormittag zunächst nicht.

Erdoğan kritisiert Nato-Reaktion als unzureichend

12.45 Uhr: Die Nato und der Westen hätten nach Ansicht des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan entschiedener auf den russischen Angriff auf die Ukraine reagieren müssen. Er hoffe, dass der Nato-Gipfel an diesem Freitag zu einer entschlosseneren Vorgehensweise der Allianz führen werde und nicht nur zu den üblichen Verurteilungen, sagt Erdoğan.

Militärjunta in Myanmar unterstützt Russlands Einmarsch in die Ukraine

12.25 Uhr: Die Militärjunta im Krisenland Myanmar unterstützt nach eigenen Angaben den Angriff Russlands auf die Ukraine. Anders als die meisten Staaten der Welt zeigen die Generäle im früheren Birma Verständnis für das Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin: »Der erste Grund ist, dass Russland daran arbeitet, seine Souveränität zu festigen, und ich glaube, dass sie das tun sollten. Der zweite Grund ist, dass das Land der Welt zeigen will, dass es eine Weltmacht ist«, sagte Zaw Min Tun, ein Sprecher der Junta, am Freitag dem Sender Voice of America (VOA).

Das Militär hatte im Februar 2021 gegen Regierungschefin Aung San Suu Kyi geputscht und die Macht an sich gerissen. Seither versinkt das südostasiatische Land in Chaos und Gewalt.

Der neue Machthaber Min Aung Hlaing hatte Russland im vergangenen Juni besucht. Beide Länder präsentierten sich dabei als enge Freunde, auch gibt es starke Verbindungen zwischen den russischen und den myanmarischen Streitkräften.

Bürgermeister von Charkiw ruft Menschen dazu auf, sich in U-Bahn-Stationen zu begeben

12.22 Uhr: Der Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow, hat die Bürgerinnen und Bürger der ostukrainischen Metropole dazu aufgerufen, sich aufgrund der Angriffe der russischen Armee auf die Stadt umgehend in U-Bahn-Stationen zu begeben. Alternativ sollen sich Menschen in anderen geeigneten Einrichtungen verstecken, wie etwa Keller von Wohnungen. Das sagte er in einem am Freitagvormittag auf Facebook veröffentlichten Video.

Zudem fügte er hinzu, dass die Versorgung in den Supermärkten aktuell schwierig sei. Trotzdem haben sie weiterhin offen. Der öffentliche Personennahverkehr ist derzeit eingeschränkt.

Uno erwarten bis zu vier Millionen ukrainische Flüchtlinge

Die Vereinten Nationen stellen sich auf bis zu vier Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine ein, sollte sich die Situation weiter verschlechtern. Schon jetzt seien Tausende über die Grenzen in Nachbarländer wie Polen, Moldau, die Slowakei und auch Russland geströmt, sagte eine Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Genf. Das UNHCR stehe zur Unterstützung bereit. Die Ukraine hat annähernd 42 Millionen Einwohner.

Angekommen in Polen: Tausende Ukrainer und Ukrainerinnen haben das Land bereits verlassen

Angekommen in Polen: Tausende Ukrainer und Ukrainerinnen haben das Land bereits verlassen

Foto: Beata Zawrzel / imago images/NurPhoto

Das Uno-Kinderhilfswerk Unicef verstärkt zudem seine Präsenz in den Nachbarländern Moldau, Rumänen und Polen sowie in Ungarn und Slowenien. Entlang von Fluchtrouten sollen Zufluchtsorte für Frauen und Kinder eingerichtet werden. In Rumänien stünden Konvois bereit, um Material für Zehntausende Menschen in die Ukraine zu bringen, so ein Experte.

Dänemark stellt Nato bis zu 20 Kampfjets zur Verfügung

12.01 Uhr: Dänemark will der Nato weitere Kampfflugzeuge zur Verfügung stellen. Das Parlament in Kopenhagen stimmte am Donnerstagabend für eine entsprechende Beschlussvorlage der Regierung, wie Außenminister Jeppe Kofod mitteilte. Das Nato-Gründungsmitglied darf somit bis zu 20 F-16-Kampfjets zur Sicherung des Luftraums von Bündnisstaaten entsenden. Hinzu kommen eine Fregatte, einschließlich Hubschrauber, ein Transportflugzeug und weiteres militärisches Personal.

Verteidigungsminister Morten Bødskov zufolge dient der Beschluss nach dem russischen Angriff auf die Ukraine in erster Linie der Abschreckung und der Überwachung des Territoriums der Nato-Staaten. Deren Staats- und Regierungschefs wollten am Freitagnachmittag zu einer Videokonferenz zusammenkommen.

Bundespolizei will Rechtsextremisten an Ausreise in den Krieg hindern

11.56 Uhr: Schon seit Beginn der Eskalation des Ukraine-Konflikts achtet die Bundespolizei verstärkt darauf, mögliche Ausreisen deutscher Rechtsextremisten in das Gebiet zu verhindern. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Innenpolitikerin Martina Renner (Linke) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden war die große Mehrheit der deutschen Rechtsextremisten in dem Konflikt zuletzt prorussisch orientiert. Eine Ausnahme bildete demnach die rechtsextreme Kleinpartei Der III. Weg, die Sympathien für ukrainische Nationalisten erkennen ließ.

In der Antwort der Bundesregierung heißt es: »Bezüglich der mutmaßlichen Beteiligung deutscher Rechtsextremisten an Kampfhandlungen extrem rechter paramilitärischer Einheiten liegen der Bundesregierung derzeit keine verifizierten Erkenntnisse vor, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt Rechtsextremisten tatsächlich in die Ukraine oder nach Russland ausgereist sind, um dort aktiv an Kampfhandlungen in den genannten Gebieten teilzunehmen.«

Das Bundesinnenministerium führte weiter aus: »Aufgrund des gegenwärtigen Konflikts wurden die Bundespolizeidirektionen zu möglichen Reisebewegungen rechtsextremer Personen sensibilisiert. In Verdachtsfällen sind intensive Kontrollmaßnahmen vorzunehmen und bei Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen Ausreisen zu untersagen.«

Aufgrund der guten Verbindungen deutscher Neonazis in die Ukraine und nach Russland sei eine Beteiligung an Kampfhandlungen nicht ausgeschlossen, sagte Renner. »Ich fordere die Sicherheitsbehörden auf, den Hinweisen nachzugehen und entsprechend zu handeln.«

Russland sperrt Luftraum für britische Flugzeuge

11.51 Uhr: Russland hat seinen Luftraum für Maschinen aus Großbritannien gesperrt. Betroffen seien alle Maschinen, die ein Unternehmen mit Bezug oder Sitz in Großbritannien besitze, geleast habe oder betreibe, teilte am Freitag die russische Luftfahrtbehörde Rosaviazia mit. Moskau reagierte damit auf die Entscheidung Londons vom Donnerstag, die russische Airline Aeroflot aus dem britischen Luftraum zu verbannen.

Rosaviazia teilte mit, der Schritt sei eine »Antwort auf die unfreundlichen Entscheidungen der britischen Luftfahrtbehörden«. Das Verbot schließt auch Überflüge ein. Großbritannien hatte nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine auch Konten russischer Oligarchen und Waffenhersteller eingefroren.

Ukrainisches Militär: Kämpfe mit russischen Truppen im Großraum Kiew

11.39 Uhr: Das ukrainische Militär kämpft im Großraum Kiew eigenen Angaben zufolge gegen russische Truppen. Mit Blick auf zwei Orte im Nordwesten der Hauptstadt sagte Militärsprecher Olexij Arestowytsch am Freitag vor Journalisten: »Dort gibt es jetzt schon Kämpfe.« Kiew selbst bereite sich auf Verteidigung vor. Die ukrainische Armee habe »einige« russische Hubschrauber und Militärtechnik zerstört. Solche Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Zuvor hatte das Verteidigungsministerium die Bevölkerung in Kiew aufgerufen, sogenannte Molotow-Cocktails zum Kampf vorzubereiten und Sichtungen über russische Militärtechnik zu melden. Einwohner sollten ihre Wohnungen nicht verlassen. Das ukrainische Heer warnte, russische Einheiten nutzten teilweise eroberte ukrainische Technik.

Kiew nach einem Raketeneinschlag: Eine Anwohnerin schaut sich den Schaden in ihrer Wohnung an

Kiew nach einem Raketeneinschlag: Eine Anwohnerin schaut sich den Schaden in ihrer Wohnung an

Foto: Chris McGrath / Getty Images

Lawrow erkennt die Regierung der Ukraine nicht als demokratisch an

11.37 Uhr: Russlands Außenminister Sergej Lawrow erhebt schwere Vorwürfe gegen die ukrainische Regierung. »Wir sehen nicht die Möglichkeit, eine Regierung als demokratisch anzuerkennen, die ihr eigenes Volk unterdrückt und völkermörderische Methoden anwendet«, sagte er. Zeitgleich sagte der Kreml, man erkenne Selenskyis weiterhin als Präsident der Ukraine an.

»Niemand wird die Ukraine besetzen«, behauptete Lawrow. »Der Zweck der Operation wurde offen erklärt: Entmilitarisierung und Entnazifizierung.« Der Kreml behauptet seit Jahren, 2014 hätten aus dem Ausland gesteuerte »Faschisten« in Kiew einen Staatsstreich herbeigeführt.

Lawrow versicherte: »Wir sind daran interessiert, dass das ukrainische Volk unabhängig ist, eine Regierung hat, die seine ganze Vielfalt repräsentiert.« Nach der Wiederherstellung der »demokratischen Ordnung« werde die Lage wieder Verhandlungen erlauben.

Russischer Patriarch: Alle Seiten müssen zivile Opfer vermeiden – Russen und Ukrainer haben gemeinsame Geschichte

11.28 Uhr: Der russische Patriarch Kirill hat angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine zum Schutz der Zivilbevölkerung aufgerufen. Alle Seiten sollten alles in ihrer Kraft Stehende tun, um zivile Opfer zu vermeiden, sagte das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche einer Mitteilung vom Donnerstag zufolge. »Mit tief empfundenem Schmerz nehme ich das Leid der Menschen wahr, das durch die Ereignisse verursacht wird.« Der 75-Jährige rief allerdings nicht zur Einstellung der Gewalt auf.

Kirill forderte alle Gläubigen zum Gebet für Frieden auf. »Das russische und das ukrainische Volk haben eine gemeinsame, jahrhundertealte Geschichte. Ich bin der Ansicht, dass diese von Gott gegebene Gemeinschaft helfen wird, die entstandenen Spaltungen und Widersprüche zu überwinden, die zu dem gegenwärtigen Konflikt geführt haben.« Kirill pflegt einen engen Kontakt zu Putin. Kritiker werfen der orthodoxen Kirche eine zu große Nähe zum russischen Staat vor. Kirill ist seit 2009 Kirchenoberhaupt.

Zu Fuß über den Grenzübergang

11.21 Uhr: Europa rechnet mit vielen Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Polen hat bereits die Einrichtung mehrere Aufnahmezentren an der Grenze angekündigt. Mein Kollege Max Polonyi ist am Grenzübergang Medyka. Er beobachtet dort zunehmend mehr Menschen, die fliehen: »Bei uns am Grenzübergang gehen die Leute teils zu Fuß rüber nach Polen und steigen hier in Taxis. Wird immer voller.«

Ukrainisches Militär: Kämpfe mit russischen Truppen im Großraum Kiew

11.39 Uhr: Das ukrainische Militär kämpft im Großraum Kiew eigenen Angaben zufolge gegen russische Truppen. Mit Blick auf zwei Orte im Nordwesten der Hauptstadt sagte Militärsprecher Olexij Arestowytsch am Freitag vor Journalisten: »Dort gibt es jetzt schon Kämpfe.« Kiew selbst bereite sich auf Verteidigung vor. Die ukrainische Armee habe »einige« russische Hubschrauber und Militärtechnik zerstört. Solche Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Zuvor hatte das Verteidigungsministerium die Bevölkerung in Kiew aufgerufen, sogenannte Molotow-Cocktails zum Kampf vorzubereiten und Sichtungen über russische Militärtechnik zu melden. Einwohner sollten ihre Wohnungen nicht verlassen. Das ukrainische Heer warnte, russische Einheiten nutzten teilweise eroberte ukrainische Technik.

Russischer Außenminister Lawrow trifft Separatisten

11.17 Uhr: Nach der Anerkennung der Separatistengebiete in der Ostukraine als unabhängige Staaten hat Russlands Außenminister Sergej Lawrow deren Anführer getroffen. Bei dem Gespräch sei es auch um die von Russland gestartete »Militäroperation« im Nachbarland gegangen, teilte das Außenministerium am Freitag in Moskau mit. Russische Truppen waren am Donnerstag auf Befehl von Präsident Wladimir Putin in die Ukraine einmarschiert.

Lawrow verteidigte den Angriff. Damit würden die Gebiete von »Unterdrückung« befreit. Die Ukrainer könnten so ihre Zukunft frei bestimmen. Mit der Anerkennung will Russland diplomatische Beziehungen zu den selbst ernannten Volksrepubliken von Luhansk und Donezk aufnehmen. Lawrow sagte dazu der Agentur Interfax zufolge, die Bevölkerung sei »Beschuss durch das Kiewer Regime« ausgesetzt gewesen. Er kündigte an, den Vereinten Nationen Beweise für den behaupteten »Genozid« in der Ostukraine vorzulegen.

Selenskyis Appell an die russische Bevölkerung

11.11. Uhr: »Kämpft für uns, kämpft gegen den Krieg«: Der ukrainische Präsident hat sich bei seiner nächtlichen Ansprache auch direkt ans russische Volk gewandt. Er bedankte sich auf Russisch bei denen, die mutig gegen Putins Invasion protestiert haben.

DER SPIEGEL

Champions-League-Finale in Paris statt St. Petersburg

10.49 Uhr: Das Finale der Champions League wird am 28. Mai in Paris statt in St. Petersburg stattfinden. Diese Entscheidung fällte das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union am Freitag bei einer Krisensitzung aufgrund der russischen Invasion in die Ukraine.

Türkei erlaubt russischen Schiffen weiterhin Durchfahrt zum Schwarzen Meer

10.43 Uhr: Die Türkei lehnt die Aufforderung der Ukraine vorerst ab, die Meerengen zum Schwarzen Meer für Russland zu schließen. Nach internationalem Recht müsse die Türkei Russland unter bestimmten Bedingungen die Durchfahrt durch den Bosporus und die Dardanellen zum Schwarzen Meer garantieren, sagte Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu der türkischen Zeitung »Hürriyet« vom Freitag. Man sei aber weiter mit der Analyse der Situation beschäftigt. Er dämpfte auch die Hoffnung auf Sanktionen gegen die Russische Föderation, zu der das Nato-Mitglied Türkei enge Beziehungen unterhält. Die Türkei hat die Hoheit über die beiden Meerengen.

Der ukrainische Botschafter in Ankara hatte die Türkei aufgefordert, die Meerengen zwischen Mittelmeer und Schwarzen Meer für russische Schiffe zu blockieren. Cavusoglu sagte dazu, russische Schiffe dürften auch im Kriegsfall noch in ihre Heimathäfen zurückzukehren. So steht es auch im Vertrag von Montreux, der die Durchfahrt regelt. Der enthält aber auch einen Passus, der der Türkei die Blockade ermöglicht, etwa wenn sie sich bedroht fühlt.

Klitschko würde zur Waffe greifen: »Ich habe keine andere Wahl«

10.40 Uhr: Der frühere Schwergewichtsweltmeister Witali Klitschko, Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, würde im Kampf gegen die russischen Invasoren auch selbst zur Waffe greifen. »Ich habe keine andere Wahl. Ich muss das tun«, sagte Klitschko in der Fernsehsendung Good Morning Britain: »Ich würde kämpfen.«

Klitschko bedrückt die schlimme Lage in seinem Heimatland. »Es tut weh. Es tut wirklich weh«, sagte der ehemalige Box-Champion. Die Lage sei mehr als ernst. »Wir stehen einer der größten und stärksten Armeen der Welt gegenüber, aber wir müssen unsere Familien verteidigen, unser Land, unsere Städte.«

Ukrainer Malinovskyi zeigt nach Sieg Trikot gegen Krieg

10.35 Uhr: Der ukrainische Mittelfeldspieler Ruslan Malinovskyi vom italienischen Fußball-Erstligisten Atalanta Bergamo hat am Donnerstagabend in der Europa-League-Zwischenrunde bei Olympiakos Piräus (3:0) einen Doppelpack geschnürt und dabei eine klare Botschaft gegen den Angriff Russlands auf sein Heimatland gezeigt. Der ukrainische Nationalspieler, der seit Juli 2019 bei Atalanta unter Vertrag steht, hatte ein T-Shirt unter seinem Trikot mit der Aufschrift in Englisch: »No war in Ukraine!«

»Ich habe Malinovskyi gefragt, ob er spielen will, denn er hat Familienangehörige in der Ukraine. Er hat zu mir ›Ja‹ gesagt«, sagte Atalantas Coach Gian Piero Gasperini.

Ukrainer Malinovskyi: »No war in Ukraine!«

Ukrainer Malinovskyi: »No war in Ukraine!«

Foto: PANAYOTIS TZAMAROS / AFP

Supermarktketten im Baltikum listen russische Produkte aus

10.22 Uhr: Im Baltikum werden zwei der größten Einzelhändler nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ihr Sortiment ändern. Die beiden in Estland, Lettland und Litauen tätigen Supermarktketten Rimi und Maxima teilten mit, den Handel mit in Russland hergestellten Waren auszusetzen. Die Produkte sollen demnach für unbestimmte Zeit aus den Regalen genommen und nicht mehr von Lieferanten bezogen werden. Die Entscheidung erfolge aus Solidarität mit der Ukraine, hieß es in Mitteilungen vom Donnerstagabend. Rimi und Maxima zählen zu Marktführern in den baltischen Staaten und betreiben jeweils Hunderte Filialen in den drei an Russland grenzenden EU-Ländern.

Berichte von Kämpfen in Kiew

10.15 Uhr: Im nördlichen Obolonskij-Bezirk der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist es am Freitag zu Gefechten gekommen. Auch Explosionen waren zu hören, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Menschen rannten demnach weg, um sich in Sicherheit zu bringen. Schüsse waren dem AFP-Reporter zufolge dort zu hören und bis ins Stadtzentrum auch größere Explosionen.

Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums handelte es sich um eine Sabotageaktion eines russischen Aufklärungstrupps. Solche Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Das Ministerium rief die Zivilisten in dem Viertel zu den Waffen. »Wir bitten die Bürger, uns über feindliche Bewegungen zu informieren, Molotowcocktails zu werfen und die Besatzer zu neutralisieren«, hieß es in einer Erklärung auf sozialen Medien.

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Die russischen Streitkräfte rücken bei ihrem Großangriff auf die Ukraine derzeit auf die Hauptstadt vor. Russland hatte am Donnerstagmorgen mit einer großen Offensive gegen den Nachbarstaat begonnen. In mehreren Städten der Ukraine schlugen Raketen oder Artilleriegranaten ein. Russische Bodentruppen waren anschließend binnen weniger Stunden von Belarus aus bis in den Großraum Kiew vorgedrungen.

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Am Freitagmorgen meldete die ukrainische Armee nördlich von Kiew auch Kämpfe gegen vordringende russische Truppen. Zu Gefechten kam es demnach in den Orten Dymer, das rund 45 Kilometer nördlich von Kiew liegt, sowie Iwankiw, rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Dort sei »eine große Anzahl von Panzern des Feindes eingetroffen«.

Später teilten die ukrainischen Streitkräfte mit, der Vormarsch der russischen Truppen sei am Fluss Teterow gestoppt worden. »Die Brücke über den Fluss wurde zerstört.« Das ukrainische Militär eroberte zudem nach Angaben des Generalstabs einen Militärflugplatz in Hostomel nahe Kiew zurück.

Lindner: Weitere Sanktionen möglich

9.24 Uhr: Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hält weitere Sanktionen gegen Russland für möglich. »Alle Optionen liegen auf dem Tisch«, sagte er in Paris, wo die EU-Finanzminister am Freitag vor allem zur Ukraine-Krise tagen. Es gebe jetzt bereits eine vollständige Blockade russischer Banken. Der Geschäftsverkehr sei nahezu beendet, nur in Einzelfällen sei es noch möglich, etwa Rechnungen für Gaslieferungen zu begleichen oder Überweisungen deutscher Firmen an ihre Töchter in Russland zu tätigen. »Weitere Schritte sind möglich, müssen aber in ihren Auswirkungen bedacht werden.«

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) in Paris

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) in Paris

Foto: Francois Mori / dpa

Teilweise wird gefordert, Russland nach dem Angriff auf die Ukraine aus dem internationalen Zahlungssystem Swift auszuschließen. Dies gilt als schärfste Finanzsanktion, die aber auch viele europäische Banken und Firmen treffen würde. Deutschland ist deswegen Insidern zufolge zurückhaltend.

Lindner ergänzte, Russlands Präsident Wladimir Putin und seine Verbündeten würden am Ende isoliert sein. Die Finanzminister würden am Freitag beraten, wie die europäische Wirtschaft am besten geschützt werden könne. Dafür habe die EU Mittel und Möglichkeiten. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire sagte, Putin werde einen Preis zu zahlen haben. »Wir wollen die russische Wirtschaft treffen.« Swift sei dabei die letzte Option. »Aber das ist eine der Optionen, die noch auf dem Tisch ist.«

Bundesregierung setzt Hermes-Bürgschaften für Russland aus

09.15 Uhr: Die Bundesregierung erschwert deutschen Unternehmen Geschäfte mit Russland. Sogenannte Hermes-Bürgschaften und Investitionsgarantien für Russland seien bis auf Weiteres ausgesetzt, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Freitag auf Anfrage. Bei Investitionsgarantien gehe es um Exporte aus Deutschland nach Russland und deutsche Direktinvestitionen dort. Zuvor hatte das »Handelsblatt« über den Schritt berichtet.

Hermes-Bürgschaften sind staatliche Garantien, mit denen der Bund Geschäfte von Exporteuren gegen einen wirtschaftlich und politisch bedingten Forderungsausfall absichert. Der Bund übernimmt damit zu einem großen Teil das Risiko eines Zahlungsausfalls.

Ukrainische Armee meldet Kämpfe nördlich von Kiew

08.55 Uhr: Die ukrainische Armee kämpft eigenen Angaben zufolge gegen vordringende russische Truppen nördlich der Hauptstadt Kiew. Wie die ukrainischen Streitkräfte bei Facebook mitteilten, kam es zu Gefechten in den Orten Dymer, das rund 45 Kilometer nördlich von Kiew liegt, sowie Iwankiw, rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Dort sei »eine große Anzahl von Panzern des Feindes eingetroffen«.

»Alle haben Angst, niemand hat geantwortet«

08.44 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich in der Nacht in einer Videobotschaft geäußert. Darin bat er verzweifelt um militärische Hilfe. Außerdem verkündete er Opferzahlen nach dem ersten Tag der russischen Invasion. Und auch zu seiner persönlichen Gefahr äußerte er sich. Sehen Sie hier das Video dazu:

DER SPIEGEL

Großbritannien rechnet mit russischem Einmarsch in gesamte Ukraine

08.26 Uhr: Nach Ansicht des britischen Verteidigungsministers Ben Wallace will Russland in die ganze Ukraine einmarschieren. Russland habe am ersten Tag der Invasion versagt und keines seiner vorrangigen Ziele eingenommen. Er schätze die Zahl der Opfer auf russischer Seite auf mehr als 450.

Selenskyj bittet osteuropäische Nato-Mitglieder um Unterstützung

08.19 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bittet die osteuropäischen Nato-Mitglieder um Unterstützung bei der Verteidigung. Er habe diesbezüglich mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda gesprochen, schreibt Selenskyj auf Twitter. Er habe auch um Hilfe gebeten, Russland an den Verhandlungstisch zu bringen. »Wir brauchen eine Anti-Kriegs-Koalition.«

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Selenskyj wirft Russland Angriffe auf zivile Gebiete vor

08.02 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat der russischen Armee vorgeworfen, bei ihren Angriffen auch auf zivile Gebiete zu zielen. Gleichzeitig lobte der Staatschef in einer Videoansprache am Freitagmorgen die Ukrainer für ihren »Heldenmut« angesichts des russischen Vormarsches. Die ukrainischen Streitkräfte »tun alles, was sie können«, um das Land zu verteidigen, versicherte er.

Russland müsse »früher oder später« mit der Ukraine »sprechen«, um die Kämpfe zu beenden, sagte er weiter. »Je früher dieses Gespräch beginnt, desto geringer werden die Verluste für Russland selbst sein«, fügte er hinzu. Selenskyj rief zudem die russische Bevölkerung zum Protest gegen den Angriff auf die Ukraine auf.

Ukrainische Regierung rechnet in Kürze mit russischem Einmarsch in Kiew

07.55 Uhr: Es wird weiter heftig gekämpft. Im Nordwesten von Kiew gibt es Gefecht und russische Panzer. Die Regierung rechnet in Kürze mit einem russischen Einmarsch in Kiew. »Der schwerste Tag wird heute sein. Der Plan des Feindes ist, mit Panzern von Iwankiw und Tschernihiw nach Kiew durchzubrechen«, sagte Anton Gerashenko, ein Berater des ukrainischen Innenministeriums.

Ukrainischer Generalstab meldet schwere Gefechte 80 Kilometer von Kiew

06.33 Uhr: Ukrainische Truppen liefern sich nach Angaben des Generalstabs heftige Gefechte mit russischen Angreifern im Kiewer Gebiet. In Iwankiw rund 80 Kilometer nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt hätten sich Fallschirmjäger einer »überwältigenden« Anzahl russischer Truppen entgegengestellt, die mit gepanzerten Fahrzeugen vorrückten. Eine Brücke sei zerstört worden. Auch auf dem strategisch wichtigen Flugplatz Hostomel nordwestlich von Kiew werde gekämpft, teilte der Generalstab weiter mit. Ukrainische Truppen hielten auch dort Stand.

Zudem gebe es in mehreren Städten russische Luftangriffe. In Kiew heulten erneut die Sirenen, wie ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Die Stadtverwaltung rief alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich möglichst in Sicherheit zu bringen. Die U-Bahn-Stationen der Stadt mit etwa 2,8 Millionen Einwohnern dienten als Schutzräume.

Medienberichten zufolge griffen russische Truppen den Flughafen der Stadt Riwne im Westen an. Auch aus Sumy im Nordosten des Landes nahe der russischen Grenze wurden Kämpfe gemeldet. Diese Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Tote bei Beschuss auf ukrainischen Grenzposten am Asowschen Meer

05.40 Uhr: Der ukrainische Grenzschutz hat von Todesopfern durch Raketenbeschuss auf einen seiner Posten im Süden des Landes am Asowschen Meer berichtet. Dabei habe es in der Nacht auf Freitag mehrere Tote und Verletzte gegeben, teilte die Behörde auf Facebook mit.

Der Ort Primorskyj Posad liegt an der Küste zwischen der von Russland annektierten Halbinsel Krim und dem ostukrainischen Separatistengebiet. Das ukrainische Militär geht davon aus, dass die russische Armee einen Korridor zwischen beiden Gebieten erobern will.

Ex-General geht von baldigem Kriegsende in der Ukraine aus

05.34 Uhr: Der ehemalige deutsche Brigadegeneral Erich Vad geht von einem baldigen Ende des Ukrainekrieges aus. »Militärisch gesehen ist die Sache gelaufen. Und meine Bewertung ist, dass es nur um ein paar Tage gehen wird und nicht mehr«, sagte der frühere militärpolitische Berater von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung »maybrit illner Spezial«.

Der ehemalige Brigadegeneral schränkte allerdings ein: »Es sei denn, Putin macht den Schritt in die Westukraine. Hier hat er mit massivem Widerstand zu rechnen.« In diesem Fall könne es einen langwierigen »Guerillakrieg im Stile Afghanistan« geben, meinte der Ex-General. Dies werde der russische Präsident Wladimir Putin aber vermeiden.

»Putin wird diesen Krieg gewinnen, weil die russischen Streitkräfte modern sind, gut ausgestattet sind, weil sie eine vielfache Überlegenheit auch haben, weil sie eine strategische Ausgangsbasis haben, gegen die man sich einfach nicht verteidigen kann«, so Vad. Er glaube aber nicht, dass Putin das ganze Land besetzen werde.

Ukrainischer Botschafter wirft Deutschland Aufgabe seines Landes vor

05.10 Uhr: Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat der Bundesregierung vorgeworfen, sein Land bereits aufgegeben und harte Sanktionen gegen Russland verhindert zu haben. Melnyk sagte am Donnerstagabend im Sender Bild TV, bei Gesprächen mit deutschen Regierungsvertretern am selben Tag sei ihm »ganz direkt ins Gesicht« gesagt worden: »Euch bleiben nur ein paar Stunden.« Der Botschafter widersprach dieser Einschätzung nachdrücklich: »Sorry, es ist noch zu früh, die Ukraine abzuschreiben.«

Melnyk sagte weiter, es gebe an diesem Tag »keine einzige gute Botschaft aus Berlin, wie uns geholfen werden kann«. Er warf der Bundesregierung eine Blockadehaltung vor: »Der Eindruck ist, dass die Bundesregierung zu den wenigen Ländern innerhalb der EU gehört, die das gerade blockieren oder bereits blockiert haben in Brüssel.« Das sei beispielsweise beim diskutierten Ausschluss Russlands vom Zahlungssystem Swift so, aber auch bei möglichen Embargos gegen Rohstoffe aus Russland habe er die Information, »dass die Deutschen diese Forderung nicht unterstützt haben, vor allem, was die Kohle betrifft.«

Nach Angaben aus Diplomatenkreisen herrschte über einen möglichen Ausschluss Russlands aus dem Swift-Finanzverfahren jedoch Uneinigkeit. Der Schritt gilt als eine der härtesten möglichen Maßnahmen, weil er verheerende Folgen für die russische Wirtschaft hätte.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zeigte sich in dieser Frage zurückhaltend. Es sei nötig bestimmte Strafmaßnahmen für den Fall zurückzuhalten, dass die Lage noch weiter eskaliere, sagte er vor den Beratungen der EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag.

Die »Financial Times« hatte berichtet, Scholz sei gegen den Swift-Ausschluss, da er auch negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft hätte. In einem der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Entwurfspapier für die am Dienstag formell zu beschließenden Sanktionen ist die Maßnahme nicht aufgeführt.

Offenbar feindliches Flugzeug in Kiew abgeschossen

04.20 Uhr: Dem Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Heraschtschenko, zufolge, haben ukrainische Streitkräfte ein feindliches Flugzeug über Kiew abgeschossen. Das Flugzeug sei in ein Wohnhaus gestürzt und habe dieses in Brand gesetzt, schreibt Heraschtschenko in einer Nachricht über den Messenger-Dienst Telegram. Noch sei unklar, ob das Flugzeug bemannt war.

Zwei laute Explosionen im Stadtzentrum von Kiew hörbar

03.57 Uhr: Im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind am Freitagmorgen nach Angaben einer AFP-Reporterin zwei laute Explosionen hörbar gewesen. Auch die Nachrichtenagentur Interfax berichtet von mehreren Detonationen.

Der in Polen ansässige Nachrichtenkanal Nexta twittert, dass mindestens sechs Explosionen die Stadt erschüttert haben. Nexta zitiert in seinen Posts auch den ukrainischen Abgeordneten des Parlaments, der Werchowna Rada, Oleksii Hontcharenko. Der Abgeordnete berichtet, dass die Luftverteidigung von Kiew im Moment von russischen Raketen beschossen wird. Der Nachrichtenkanal postet auch Videos, die Explosionen und brennende Häuser zeigen.

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Der ukrainische Vize-Innenminister Anton Gerachtschenko schrieb auf seinem Telegram-Account: »Die Angriffe auf Kiew mit Marschflugkörpern oder ballistischen Raketen haben wieder begonnen. Ich habe zwei starke Explosionen gehört.«

Putins Krieg und seine Folgen: Der Angriff, der die Welt verändert

03.45 Uhr: Wie reagieren die Menschen in der Ukraine auf den Überfall? Was denkt die russische Bevölkerung? Ein SPIEGEL-Team berichtet aus dem Kriegsgebiet und analysiert, was Wladimir Putins Großmachtstreben für die Weltordnung bedeutet. Lesen Sie hier  mehr.

Von der Leyen: »Putin muss und wird scheitern«

03.36 Uhr: EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen zeigt sich nach dem Zusammentreffen der EU-Staats- und Regierungschefs überzeugt, dass Wladimir Putin scheitern wird. Auf Twitter schreibt Von der Leyen: »Diese Ereignisse markieren den Beginn einer neuen Ära. Putin versucht, ein befreundetes europäisches Land zu unterjochen. Er versucht, die Landkarte Europas mit Gewalt neu zu zeichnen. Er muss und wird scheitern.«

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Macron kündigt verstärktes militärisches Engagement in östlichen Nato-Staaten an

03.31 Uhr: Frankreich hat ein stärkeres militärisches Engagement für die Sicherung der osteuropäischen Nato-Staaten angekündigt. Die französische Armee werde ein weiteres Kontingent zur Luftraumbewachung im Baltikum nach Estland entsenden und ihre Truppenverlegung nach Rumänien beschleunigen, sagte Präsident Emmanuel Macron nach dem EU-Sondergipfel zur russischen Invasion in der Ukraine. »Wir werden unseren Verbündeten unfehlbar zur Seite stehen«, sagte er.

Macron hatte kurz vor dem Gipfel noch mit Russlands Präsident Wladimir Putin telefoniert – auf Bitten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der Putin nicht habe erreichen können, wie Macron sagte. Er habe Putin dann aufgefordert, den Angriff einzustellen – »das hat keine Wirkung gehabt, wie Sie sehen«.

»Putin hat sich für den Krieg entschieden«, so Macron. »Und daraus müssen wir die Konsequenzen ziehen.« Trotz allem gelte es, den Weg des Dialogs mit dem Kreml offenzuhalten.

Irans Präsident zu Putin: Nato-Osterweiterung »ernste Bedrohung«

02.48 Uhr: Der iranische Präsident Ebrahim Raisi hat in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Nato-Osterweiterung als »Bedrohung« bezeichnet und Verständnis für Russlands Sicherheitsbedenken gezeigt.

Die Nato-Erweiterung sei »eine ernsthafte Bedrohung der Stabilität und Sicherheit unabhängiger Länder in verschiedenen Bereichen«, wurde Raisi am Freitag von der iranischen Nachrichtenagentur Irna zitiert. Nach Angaben des Kremls brachte er in dem Telefonat »Verständnis für die Sicherheitsbedenken Russlands zum Ausdruck, die durch die destabilisierenden Aktionen der Vereinigten Staaten und der Nato verursacht wurden«, hieß es.

Weißes Haus: Russlands Ambitionen gehen über Ukraine hinaus

02.10 Uhr: Wladimir Putin beabsichtigt nach Angaben des Weißen Hauses nicht ausschließlich einen Angriff auf die Ukraine. Jen Psaki, Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, sagte auf Nachfrage von Journalisten, der russische Präsident Wladimir Putin verfolge »größere Ambitionen«. Weitere Details gab sie jedoch nicht.

Auch Biden selbst hatte laut der Nachrichtenagentur AP zuvor von größeren Plänen Putins gesprochen und sich dabei auf historische Ambitionen bezogen. »Er will tatsächlich die Sowjetunion wiederherstellen«, sagte Biden: »Das ist, worum es hier geht.«

Russische Saboteure laut Selenskyj bereits in Kiew

01.57 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht sich selbst als »Ziel Nummer eins« des russischen Militärs. Das sagte Selenskyj laut einer kurz nach Mitternacht veröffentlichten Videobotschaft  auf Facebook, über die unter anderem die »New York Times« berichtete. Auch auf seine Familie habe es Russland abgesehen, sagte Selenskyj. Russland wolle die Ukraine zerstören, indem es den Staatschef des Landes zerstöre.

Zudem gebe es Informationen, wonach Sabotagegruppen des Feindes in Kiew eingetroffen sind, sagte der Präsident. »Deshalb rufe ich die Bürger von Kiew dazu auf wachsam zu sein und sich an die Regeln des Kriegsrechts zu halten«.

Selenskyj dementierte, dass er Kiew verlassen habe. »Ich bleibe in der Hauptstadt, bleibe bei meinem Volk.« Aber er dürfe nicht sagen, wo genau er sich aufhalte.

Russische Zentralbank garantiert sanktionierten Banken ihr Geschäft

01.40 Uhr: Die russische Zentralbank hat den von westlichen Sanktionen betroffenen Banken alle ihre Geschäfte in Rubel wie in ausländischen Währungen garantiert. Die Zentralbank und die Regierung sagten den Banken in einer Mitteilung jedwede Unterstützung zu.

Alle Bankgeschäfte mit den Kunden in Rubel würden wie gewohnt weiterlaufen. Auch die Auszahlung von Guthaben in ausländischen Währungen werde garantiert. Wegen der russischen Invasion in die Ukraine haben die USA und die EU Strafmaßnahmen gegen sieben große russische Banken verhängt.

Deutscher Ex-General rechnet mit baldigem Kriegsende

01.33 Uhr: Der ehemalige deutsche Brigadegeneral Erich Vad geht von einem baldigen Ende des Krieges in der Ukraine aus. »Militärisch gesehen ist die Sache gelaufen. Und meine Bewertung ist, dass es nur um ein paar Tage gehen wird und nicht mehr«, sagte der frühere militärpolitische Berater von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am späten Donnerstagabend in der ZDF-Sendung »maybrit illner Spezial«.

Vad schränkte jedoch ein: »Es sei denn, Putin macht den Schritt in die Westukraine. Hier hat er mit massivem Widerstand zu rechnen.« In diesem Fall könne es einen langwierigen »Guerillakrieg im Stile Afghanistan« geben, meinte der Ex-General. Er glaube aber nicht, dass Putin das ganze Land besetzen werde.

»Putin wird diesen Krieg gewinnen, weil die russischen Streitkräfte modern sind, gut ausgestattet sind«, prognostizierte Vad. Zudem habe Russland eine strategische Ausgangsbasis, »gegen die man sich einfach nicht verteidigen kann«.

Handelskonzern meldet Schiffsbeschuss im Schwarzen Meer

01.28 Uhr: Der globale Agrarstoffkonzern Cargill hat mitgeteilt, dass ein von ihm gechartertes Schiff im Schwarzen Meer von einem Projektil getroffen worden ist. Laut dem Unternehmen hat sich der Vorfall am Donnerstag (Ortszeit) vor der ukrainischen Küste ereignet.

Um welches Schiff es sich genau handelte, teilte das Unternehmen zunächst nicht mit. Cargill ist ein multinationaler Konzern, der unter anderem mit Lebens- und Futtermitteln handelt. Die Ukraine und Russland wickeln laut der Nachrichtenseite Bloomberg zusammengenommen etwa ein Viertel des globalen Weizenhandels und etwa ein Fünftel des globalen Maishandels ab. Im Zuge der russischen Invasion waren laut Bloomberg die ukrainischen Häfen am Schwarzen Meer geschlossen worden.

Uno-Sicherheitsrat stimmt am Abend über Verurteilung der russischen Invasion ab

01.19 Uhr: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (Uno) wird am Freitagabend über einen Resolutionsentwurf zur Verurteilung des russischen Einmarschs in der Ukraine abstimmen. Der stellvertretende russische Uno-Botschafter Dmitri Poljanskij, bestätigte der Nachrichtenagentur AFP eine Abstimmung um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Russland hat derzeit den Vorsitz des Gremiums inne.

Dem von den USA und Albanien vorgelegten Entwurf zufolge soll das Gremium die »Aggression« Russlands gegen die Ukraine »auf das Schärfste verurteilen«. Der Vorstoß ist wegen Russlands Vetorecht im Sicherheitsrat zum Scheitern verurteilt. Anschließend könnte der Entwurf zwar der Uno-Vollversammlung vorgelegt werden, in der kein Land ein Veto einlegen kann. Resolutionen der Vollversammlung sind allerdings nicht bindend.

Japan kündigt weitere Sanktionen an

01.14 Uhr: Japan hat wegen Russlands Einmarschs in die Ukraine neue Strafmaßnahmen angekündigt. Das neue Paket beinhalte Exportkontrollen bei Halbleitern und anderen Produkten, teilte der japanische Ministerpräsident Fumio Kishida mit. Außerdem werde das Vermögen von russischen Finanzinstituten eingefroren und Visavergaben für bestimmte russische Personen und Einrichtungen gestoppt.

Kurz zuvor hatte die Gruppe der sieben führenden demokratischen Wirtschaftsnationen (G7), zu der Japan als einziges Land aus Asien gehört, Russlands Vorgehen verurteilt und koordinierte Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen Russland angekündigt. Japan hatte bereits am Mittwoch erste Sanktionen gegen Russland angekündigt.

Dazu gehört das Einfrieren von Visa für Vertreter der beiden Separatistenregionen Donezk und Luhansk und deren Vermögen. Zudem wird der Güteraustausch mit den beiden Regionen sowie die Ausgabe und der Handel mit russischen Anleihen in Japan verboten. Japan schloss sich damit den USA und Europa an.

Flugplatz Gostomel offenbar weiter umkämpft

01.08 Uhr: Der Flughafen Gostomel nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist offenbar noch nicht vollständig unter russischer Kontrolle. Die russische Armee habe versucht, 200 Mann ihrer Luftlandetruppen auf dem Flugplatz Gostomel westlich von Kiew abzusetzen, sagte der Generalstabssprecher. Es sei es gelungen, die Landung des Hauptkontingents abzuwehren. Gostomel befindet sich etwa 25 Kilometer nordwestlich vom Kiewer Stadtzentrum entfernt.

Nach Angaben eines Sprechers des ukrainischen Generalstabs konzentriert Russland seine Truppen in den Gebieten Charkiw und Donezk im Osten. Kämpfe gebe es auch im Süden in der Region Cherson. Hauptziel scheine zu sein, die Hauptstadt Kiew zu blockieren. Außerdem wollten die gegnerischen Truppen einen Landkorridor von der Halbinsel Krim zu den Separatistengebieten im Osten herstellen.

Russland ist laut dem ukrainischen Generalstab mit bereits mit einem großen Teil seiner Truppen in die Ukraine vorgestoßen. Ein Sprecher nannte die Zahl von 60 taktischen Bataillonsgruppen (BTG) aus Russland. Dabei handelt es sich um hochflexible und schnelle Kampftruppen mit 600 bis 1000 Soldaten. Die russische Armee hatte nach ukrainischen Angaben etwa 90 solcher Gruppen für die Invasion zusammengezogen.

USA sehen Selenskyj als »Hauptziel für russische Aggressionen«

00.57 Uhr: Die US-Regierung geht davon aus, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein »Hauptziel für russische Aggressionen« ist. Selenskyj verkörpere »in vielerlei Hinsicht die demokratischen Bestrebungen und Ambitionen der Ukraine und des ukrainischen Volkes«, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums Ned Price gegenüber dem Sender CNN.

Selenskyj bleibe daher ein Hauptziel der Russen. Price verwies in dem Zusammenhang auch darauf, dass die US-Regierung schon seit Wochen davor warne, dass sich bereits russische Saboteure in der Ukraine aufhielten.

Bolsonaro pfeift Vize-Präsidenten nach Äußerungen zur Ukraine zurück

00.49 Uhr: Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro hat seinen Stellvertreter Hamilton Mourão nach Aussagen zur russischen Invasion in der Ukraine zurechtgewiesen. In einer Online-Videoschalte mit seinen Anhängern sagte Bolsonaro laut der Nachrichtenagentur Reuters, nur der Präsident könne mit Autorität über die Krise zwischen Russland und der Ukraine sprechen, dies sei nicht Mourãos Angelegenheit.

Bolsonaro sagte demnach weiter, seine Regierung müsse das Ausmaß des Konflikts noch bewerten und entscheiden, welche Haltung man dazu einnehme. Bolsonaro war in der vergangenen Woche nach Moskau gereist und dort mit Präsident Wladimir Putin zusammengekommen. Dabei sagte Bolsonaro, Brasilien sei »solidarisch« mit Russland – ohne sich explizit auf den Konflikt mit der Ukraine zu beziehen.

»Wir sind im Frieden nach Russland gereist. Wir sind von Düngemittelimporten abhängig. Wir wollen Frieden«, wurde Bolsonaro nun von Reuters zitiert. Mourão war dagegen am Donnerstagabend deutlicher geworden: »Brasilien ist nicht neutral. Brasilien hat sehr deutlich gemacht, dass es die Souveränität der Ukraine respektiert«, sagte der Vize-Präsident im brasilianischen Fernsehen. »Also ist Brasilien nicht mit einem Einmarsch in ukrainisches Gebiet einverstanden.«

Ukrainischer Botschafter wirft Deutschland »Kälte und Gleichgültigkeit« vor

00.41 Uhr: Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat der Bundesregierung nach dem russischen Angriff auf sein Land »Kälte und Gleichgültigkeit« vorgeworfen. »Jede Bitte, uns jetzt zu helfen, wurde einfach abgeschmettert. Das ist sehr traurig. Ich kann nicht verstehen: Wie kann man so kaltherzig und stur bleiben«, sagte Melnyk in der ZDF-Sendung »Markus Lanz«.

Er sei am Donnerstag »von einigen Ministern« empfangen worden und habe militärische Ausrüstung und Kraftstoff für die Armee gefordert. »Die Antwort war: Nach unserer Einschätzung bleiben Ihnen, den Ukrainern, vielleicht wenige Stunden. Das macht jetzt keinen Sinn, euch überhaupt zu helfen«, sagte Melnyk. »Diese Politik, diese Zögerlichkeit, sie lässt uns als Opferlamm, das geschlachtet wird.«

Melnyk kritisierte auch, dass sich Deutschland beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs gegen »die größten Sanktionskeulen« gegen Russland gestemmt habe: den Ausschluss aus dem Zahlungssystem Swift und ein Embargo für Öl-, Gas- und Kohleimporte aus Russland. Die Bundesregierung wolle abwarten, sagte Melnyk und fragte: »Worauf? Dass Zehntausende, Hunderttausende Ukrainer sterben müssen vor ihren Augen?«

Neuseeland verhängt Reise- und Handelssanktionen gegen Russland

00.30 Uhr: Neuseeland schließt sich den westlichen Verbündeten an und verhängt nach dem Angriff auf die Ukraine Strafmaßnahmen gegen Russland. Laut der Nachrichtenagentur Reuters zählen dazu etwa Reisesperren und das Verbot, Güter an das russische Militär sowie russische Sicherheitskräfte zu verkaufen.

»Die Welt hat gesprochen und sendet eine klare Botschaft an Russland«, sagte Premierministerin Jacinda Ardern. Was Russland getan habe sei falsch. Weitere Sanktionen könnten folgen.

Deutschland gibt Reisewarnung für Belarus aus

00.22 Uhr: Die Bundesregierung warnt vor Reisen nach Belarus. Die Grenzübergänge zur Ukraine seien geschlossen, teilt das Auswärtige Amt mit. Das gelte auch für den Grenzübergang Kuznica-Bruzgi zu Polen. Weiteren Schließungen seien nicht ausgeschlossen. Zusätzliche Kontrollmaßnahmen an den Grenzübergängen zu Litauen, Polen und Lettland seien angekündigt. Von Belarus aus waren zuvor russische Verbände in Richtung der Hauptstadt Kiew vorgestoßen.

Selenskyj bestätigt 137 Tote und 316 Verletzte auf ukrainischer Seite

00.03 Uhr: Durch den russischen Einmarsch sind auf ukrainischer Seite laut Präsident Wolodymyr Selenskyj 137 Menschen getötet worden. Außerdem seien 316 Menschen bei den Gefechten verletzt worden, sagte Selenskyj in der Nacht zum Freitag in einer Videoansprache. Russland hatte die Invasion am Donnerstagmorgen gestartet, Einheiten überschritten die Grenze an mehreren Punkten.

fek/cop/muk/dop/mfh/asc/col/mrc/sol/Reuters/dpa/AFP/AP/sid