News zum Krieg in der Ukraine am Sonntag Sieben Krankenhäuser nach ukrainischen Angaben zerstört

Mehrere Kliniken müssen nach russischem Beschuss ganz neu aufgebaut werden, heißt es aus Kiew. Und: Die Ukraine fordert Microsoft und SAP auf, den Support für Russland einzustellen. Der Überblick vom 13. März.
Ein Freiwilliger geht durch eine, durch einen Angriff beschädigte, Geburtsklinik in Mariupol

Ein Freiwilliger geht durch eine, durch einen Angriff beschädigte, Geburtsklinik in Mariupol

Foto: Evgeniy Maloletka / dpa
Das Wichtigste in Kürze
  • Einem Medienbericht zufolge gehen die USA davon aus, dass Russland beim Verbündeten aus China militärische Ausrüstung angefragt habe.

  • Mindestens 35 Menschen starben nach Behörden-Angaben bei einem Luftangriff auf einen ukrainischen Militärstützpunkt nahe der polnischen Grenze.

  • In der eingenommenen Stadt Melitopol hat Russland gegen den Protest der Bevölkerung erstmals eine eigene Statthalterin eingesetzt, die dort ein eigenes Regierungskomitee gründen will.

  • Eine Übersicht zu den wichtigsten Ereignissen rund um den Krieg in der Ukraine lesen Sie hier.

Tschetschenien-Anführer Kadyrow laut Medienbericht in der Ukraine

23.41 Uhr: Ramsan Kadyrow, Anführer der russischen Teilrepublik Tschetschenien, ist einem Medienbericht zufolge in die Ukraine gereist. Der tschetschenische Fernsehsender Grosny veröffentlicht auf seinem Telegram-Kanal ein Video, auf dem Kadyrow in einem abgedunkelten Raum zu sehen sein soll. Den Angaben zufolge spricht er mit tschetschenischen Truppen über eine Militäroperation, die sieben Kilometer von der ukrainischen Hauptstadt Kiew entfernt stattgefunden habe. Es blieb offen, wo oder wann das Treffen stattgefunden haben soll. Kadyrow gilt als enger Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Instagram in Russland blockiert

23.17 Uhr: Nach Facebook und Twitter ist nun auch das Online-Netzwerk Instagram in Russland blockiert. Das bestätigten die Organisation NetBlocks und Instagram-Nutzer in Russland in der Nacht zu Montag. Der Schritt war für Mitternacht angekündigt gewesen. Die russische Medienaufsicht Roskomnadsor hatte die Sperre am Freitag erklärt. Begründet wurde sie damit, dass auf Instagram Gewaltaufrufe gegen russische Bürger und Soldaten verbreitet würden.

Militärexperte: Russland will mit Angriffen Nachschub blockieren

22.56 Uhr: Mit der jüngsten Ausweitung seiner Offensive auf den Westen der Ukraine will Russland nach den Worten des Militärexperten Wolfgang Richter westliche Lieferungen an die ukrainische Armee unterbinden. »Es geht Russland jetzt darum, die Nachschubwege zu blockieren, die von Nato-Staaten in Richtung Ukraine laufen«, sagte der Fachmann der Stiftung Wissenschaft und Politik im ARD-»Brennpunkt«. Ein grenznaher Flughafen könne genutzt werden, um per Lufttransport logistische Güter und Waffen in die Ukraine zu bringen.

Der Militärübungsplatz Jaworiw rund 15 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt wurde ebenfalls angegriffen, es gab Tote und Verletzte. Auf der Militärbasis arbeiteten vor dem Krieg Nato-Ausbilder. Man könne davon ausgehen, dass dort Reserven gebildet würden, sagte Richter. Dabei dürften auch Panzerabwehrwaffen eine Rolle spielen und wahrscheinlich auch Flugabwehrwaffen, die geliefert worden seien. »Das will Russland jetzt unterbinden.«

Ukrainischer Gesundheitsminister: Sieben Krankenhäuser zerstört

22.24 Uhr: Seit Beginn des russischen Angriffskriegs sind in der Ukraine nach Angaben aus Kiew bereits sieben Krankenhäuser irreparabel zerstört worden. Die Kliniken in den betroffenen Städten müssten nach russischem Beschuss ganz neu aufgebaut werden, sagte Gesundheitsminister Wiktor Ljaschko der Agentur Ukrinform zufolge. Mehr als 100 weitere Gesundheitseinrichtungen seien beschädigt worden. Unter dem medizinischen Personal habe es seit dem Einmarsch der russischen Truppen am 24. Februar sechs Tote und zwölf Verletzte gegeben, sagte Ljaschko.

Für besonderes Entsetzen hatte vor einigen Tagen ein russischer Angriff auf das Gebäude einer Geburtsklinik in der Hafenstadt Mariupol gesorgt. Moskau behauptete, dass das Haus zuletzt von ukrainischen Kämpfern genutzt worden sei. Von ukrainischer wie auch von Uno-Seite jedoch hieß es, dass es sich um eine zu dem Zeitpunkt noch funktionierende Geburtsklinik gehandelt habe.

China will eigenen Angaben zufolge Eskalation in der Ukraine verhindern

21.51 Uhr: Als Folge der Medienberichte über eine russische Anfrage an China, militärische Ausrüstung zu liefern, hat sich die chinesische Botschaft in den USA zu Wort gemeldet. Demnach sei die chinesische Priorität, dass die Spannungen in der Ukraine nicht außer Kontrolle geraten. Man wolle eine Eskalation verhindern, hieß es. »Die derzeitige Situation in der Ukraine ist tatsächlich beunruhigend.«

Angesprochen auf eine mögliche russische Anfrage an Peking sagte ein Botschaftssprecher, dass er davon nie gehört habe.

Russland soll China um Ausrüstung gebeten haben

21.33 Uhr: Einem Medienbericht zufolge gehen die USA davon aus, dass Russland beim Verbündeten aus China  militärische Ausrüstung angefragt habe. Wie die »Financial Times«  berichtet, befürchteten die USA, dass China den russischen Krieg gegen die Ukraine unterstützen könnte. Dem Bericht zufolge gebe es Hinweise, dass sich China darauf vorbereite, Russland zu helfen. Hintergrund sei demnach, dass Russland wegen des fortschreitenden Kriegs einige Waffen ausgehen.

Experten mutmaßen, dass die russische Führung um Präsident Wladimir Putin davon ausgegangen sei, in einer Art Blitzkrieg  die ukrainische Führung ausschalten und Kiew einnehmen zu können. Stattdessen zieht sich der Krieg nun schon in die dritte Woche.

USA bietet Familie von getötetem Journalisten Hilfe an

21.11 Uhr: Das US-Außenministerium hat sich erstmals zum Tod eines amerikanischen Journalisten in der Ukraine geäußert. Man sage der Familie »jede mögliche konsularische Hilfe« zu, hieß es. »Wir sind schockiert, dass Journalisten und Filmemacher – keine Kämpfer – in der Ukraine von Kräften des Kremls getötet und verletzt wurden«, twitterte Sprecher Ned Price.

Der US-Journalist Brent Renaud starb nach ukrainischen Angaben unweit von Kiew nach einem Beschuss von russischen Soldaten. Ein weiterer Reporter wurde verletzt. Der Zwischenfall ereignete sich im etwa zehn Kilometer nordwestlich von Kiew gelegenen Irpin.

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App soll Geflüchteten nach Ankunft in Deutschland helfen

20.30 Uhr: Mit einer neuen App will die Bundesregierung ukrainischen Geflüchteten die Orientierung in Deutschland erleichtern. Die Regierung arbeite »gerade daran, eine solche Plattform ›Germany for Ukraine‹ zu entwickeln, wo man auf einen Blick alle Hilfsmaßnahmen dann als Geflüchteter hat«, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) im ZDF. Sie hoffe, dass »wir das in den nächsten Tagen fertiggestellt haben«.

Selenskyj fordert Software-Riesen auf, Support für Russland einzustellen

19.58 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat westliche Software-Unternehmen aufgefordert, die Unterstützung ihrer Produkte nicht mehr in Russland anzubieten. »Microsoft, Oracle, SAP, stoppt den Support eurer Produkte in Russland, stoppt den Krieg«, twitterte Selenskyj. Es gebe nur schwarz und weiß, nur gut oder böse. »Sie sind entweder für den Frieden oder unterstützen den blutigen russischen Aggressor«, schrieb Selenskyj. Eine Stellungnahme der Unternehmen lag zunächst nicht vor, Microsoft und Oracle sind US-Unternehmen, SAP hat seinen Sitz in Walldorf nahe Heidelberg.

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BKA ermittelt wegen Datenraubs bei Rosneft Deutschland

19.56 Uhr: Hacker des Anonymous-Kollektivs haben die deutsche Tochter des russischen Mineralölkonzerns Rosneft angegriffen und offenbar Daten erbeutet. Nun ermittelt nach SPIEGEL-Informationen das Bundeskriminalamt. Lesen Sie hier mehr.

Russische Bürgerrechtler melden hunderte festgenommene Demonstranten

19.31 Uhr: Bei landesweiten Demonstrationen in Russland sind nach Angaben von Aktivisten mehr als 800 Menschen festgenommen worden. Die Polizei habe in 37 Städten 817 Demonstranten in Gewahrsam genommen, teilte die Bürgerrechtsplattform OWD-Info mit. Das russische Innenministerium sprach von etwa 300 Festnahmen bei den nicht genehmigten Kundgebungen allein in der Hauptstadt Moskau. Aktionen gab es auch in Wladiwostok im äußersten Osten Russlands und in Irkutsk am Baikalsee.

Bilder und Videos in sozialen Netzwerken zeigten, wie Menschen von Polizisten mit Schutzhelmen und schwerer Ausrüstung weggezerrt wurden. Es gab auch Videos aus dem Inneren von völlig überfüllten Gefangenentransportern. Insgesamt wurden den Angaben von Owd-Info zufolge seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar mehr als 14.100 Menschen festgenommen.

Ukraine startet Gegenoffensive in zwei Regionen

19.14 Uhr: Das ukrainische Militär hat mitgeteilt, Gegenangriffe gegen russische Truppen in zwei Regionen starten zu wollen. Wie das Innenministerium mitteilte, seien die Gegenangriffe in der südlichen Region Mykolajiw und der östlichen Region Charkiw geplant. Am Samstag hatte es Berichte über russische Angriffe auf Krankenhäuser in Mykolajiw gegeben.

Schröder soll weiter vermitteln wollen

18.57 Uhr: Medienberichten zufolge reiste Altbundeskanzler Gerhard Schröder nach Moskau, um persönlich mit Wladimir Putin über ein Ende des Kriegs gegen die Ukraine zu sprechen. Nun berichtet die »Süddeutsche Zeitung« , dass Schröder »angeblich« plane, seine Vermittlungsbemühungen fortzusetzen. Inzwischen soll Schröder wieder aus Russland abgereist sein. Eine Bestätigung der Berichte blieb aus, auch die Bundesregierung schwieg dazu.

AKW Tschernobyl wieder an Stromversorgung angeschlossen

18.29 Uhr: Das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl ist ukrainischen Angaben zufolge wieder vollständig an die Stromversorgung angeschlossen. »Heute ist es unseren Atomwissenschaftlern und Elektrikern (...) gelungen, die Stromversorgung des von den russischen Besatzern beschlagnahmten Kernkraftwerks Tschernobyl wiederherzustellen«, teilte der ukrainische Betreiber Enerhoatom bei Telegram mit. Damit liefen die Kühlsysteme des Lagers für abgebrannten Kernbrennstoff nun wieder normal und nicht länger nur über eine Notstromversorgung.

Das von russischen Einheiten besetzte Atomkraftwerk Tschernobyl war am vergangenen Mittwoch von der Stromversorgung abgeschnitten worden. Stromleitungen seien durch Beschuss beschädigt worden, hatte die ukrainische mitgeteilt. Russland gab seinerseits ukrainischen »Nationalisten« die Schuld.

Selenskyj besucht Militärkrankenhaus

18.01 Uhr: Erstmals seit Kriegsbeginn hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sichtbar für die Öffentlichkeit seinen Amtssitz verlassen und Verwundete in einem Militärkrankenhaus besucht. Dabei verlieh der Staatschef den Soldaten Orden und ließ Fotos mit sich machen. »Werdet gesund. Ich wünsche euch Kraft. Ihr seid Prachtkerle!«, sagte Selenskyj in einem Video.

Bisher hatte Selenskyj nur Fotos und Videos geteilt, die ihn in seinem Büro oder vor dem Amtssitz zeigen. In russischen Medien waren daher immer wieder Spekulationen laut geworden, dass sich der 44-Jährige nicht in der Hauptstadt Kiew befindet.

Russland will »180 ausländische Söldner« getötet haben

17.32 Uhr: Bei den russischen Angriffen auf einen Truppenübungsplatz nahe der ukrainischen Grenze zu Polen sind nach Angaben aus Moskau zahlreiche ausländische Kämpfer getötet worden. Die russischen Streitkräfte hätten »bis zu 180 ausländische Söldner« sowie eine große Menge aus dem Ausland gelieferter Waffen »zerstört«, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Tass zufolge mit. »Die Vernichtung der auf das Territorium der Ukraine eingereisten ausländischen Söldner wird fortgesetzt«, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow.

Nach ukrainischen Angaben wurden bei den Angriffen auf den Übungsplatz Jaworiw nordwestlich von Lwiw (Lemberg) mindestens 35 Menschen getötet und 134 weitere verletzt. Zu ausländischen Opfern machte die Ukraine bisher keine Angaben. Die Angaben der Kriegsparteien ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

IWF hält russischen Zahlungsausfall für »nicht mehr unwahrscheinlich«

17.13 Uhr: Angesichts der weitgehend blockierten Moskauer Devisenreserven ist ein Zahlungsausfall Russlands in Bezug auf seine Schulden im Ausland nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) »nicht mehr unwahrscheinlich«. Wegen der infolge des Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängten Sanktionen drohe Russland eine »tiefe Rezession«, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa im Gespräch mit dem US-Sender CBS. Die Abwertung der Landeswährung, des Rubels, habe schon jetzt dazu geführt, dass die Kaufkraft der Menschen in Russland »bedeutend geschrumpft« sei.

Die internationalen Devisenreserven der russischen Zentralbank sind infolge von Sanktionen weitgehend blockiert. Damit ist es für Russland schwieriger geworden, den Kurs des Rubels bei Bedarf zu verteidigen. Zudem wird das Bedienen von Staatsschulden in Fremdwährungen wie dem US-Dollar oder dem Euro deutlich komplizierter. »Ich kann sagen, dass wir einen russischen Zahlungsausfall nicht mehr als ein unwahrscheinliches Ereignis betrachten«, sagte Georgiewa. »Russland hat das Geld für den Schuldendienst, aber hat keinen Zugriff darauf«, sagte sie.

Mariupol meldet mehr als 2100 getötete Einwohner

16.15 Uhr: In der ukrainischen Hafenstadt Mariupol sind seit dem Start des russischen Angriffskriegs am 24. Februar nach Behördenangaben 2187 Einwohnerinnen und Einwohner getötet worden. Mehr als 100 Bomben hätten Mariupol bereits getroffen, nur in den vergangenen 24 Stunden seien es 22 Bombardierungen gewesen, teilte die Stadtverwaltung mit.

Die humanitäre Lage in Mariupol ist dramatisch, immer wieder scheitern Versuche von Hilfskonvois, die Stadt mit Lebensmitteln zu versorgen und Menschen zu evakuieren. Russische und ukrainische Offizielle geben sich gegenseitig die Schuld daran. Tote in der Stadt werden in Massengräbern bestattet, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, wird selbst das durch anhaltenden Beschuss gestört.

Bidens Sicherheitsberater trifft Chinas obersten Außenpolitiker

15.54 Uhr: US-Präsident Joe Bidens Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan wird sich nach Angaben des Weißen Hauses mit dem obersten chinesischen Außenpolitiker Yang Jiechi treffen. Bei dem Treffen am Montag in Rom gehe es darum, »Kommunikationskanäle offenzuhalten«, erklärte das Weiße Haus. Zudem sollten die Folgen des Kriegs in der Ukraine für die regionale und globale Sicherheit besprochen werden. Yang ist der höchste Außenpolitiker der Kommunistischen Partei Chinas.

Sullivan werde sich auch mit Luigi Mattiolo treffen, einem Topberater des italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi, um über die weitere international koordinierte Antwort auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu sprechen, hieß es.

Der Nationale Sicherheitsberater der USA Jake Sullivan

Der Nationale Sicherheitsberater der USA Jake Sullivan

Foto: Manuel Balce Ceneta / dpa

Tausende demonstrieren in Cherson gegen russische Besatzung

15.36 Uhr: In der eroberten südukrainischen Großstadt Cherson haben örtlichen Medien zufolge Tausende Einwohner gegen die russische Besatzung demonstriert. Die Zeitung »Ukrajinska Prwada« veröffentlichte Fotos und Videos, die zahlreiche Menschen mit ukrainischen Fahnen im Zentrum der Stadt mit rund 300.000 Einwohnern zeigten. In Sprechchören forderten sie den Abzug der russischen Truppen, »nach Hause!« und »Cherson ist ukrainisch« riefen sie.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor gewarnt, Russland bereite ein Pseudo-Referendum über die Errichtung einer moskaufreundlichen »Volksrepublik Cherson« vor. Das Muster würde den mittlerweile von Russland als unabhängig anerkannten Separatistengebieten in der Ostukraine ähneln.

USA wollen Ukraine mehr Luftabwehrsysteme zukommen lassen

15.22 Uhr: Die US-Regierung will den ukrainischen Streitkräften vor allem Luftabwehrsysteme zukommen lassen. Das sei momentan »der Fokus«, sagte der Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan dem Sender CNN. US-Präsident Joe Biden hatte am Samstag weitere 200 Millionen US-Dollar für Waffenlieferungen bewilligt. Wie Sullivan sagte, würden die USA den Ukrainern keine Kampfflugzeuge zur Verfügung stellen, um eine direkte Konfrontation mit Russland zu vermeiden.

Gleichzeitig setze man auf »andere Methoden«, um die Ukrainer zu befähigen, den russischen Vormarsch zu bremsen und die ukrainischen Dörfer und Städte zu beschützen.

Russland kann 300 Milliarden Dollar an Reserven nicht nutzen

14.48 Uhr: Wegen der westlichen Sanktionen  kann Russland eigenen Angaben zufolge Finanzreserven im Wert von rund 300 Milliarden US-Dollar derzeit nicht nutzen. »Das ist etwa die Hälfte der Reserven, die wir hatten«, sagte Finanzminister Anton Siluanow dem staatlichen russischen Sender Rossija-1. »Wir verfügen über eine Gesamtmenge von rund 640 Milliarden Dollar, ungefähr 300 Milliarden dieser Reserven befinden sich jetzt in einem Zustand, in dem wir sie nicht nutzen können.«

Wegen der von den USA, der EU und anderen Staaten eingefrorenen Mittel habe Russland Probleme, einige Verpflichtungen einzuhalten und manche Schulden zu begleichen. Russland hatte angekündigt, seine vertraglichen Verpflichtungen an »feindlich gestimmte Staaten« wie die USA und die EU-Mitglieder nur noch in Rubel zu begleichen.

Siluanow kündigte an, der Staat werde vom Westen sanktionierte Banken unterstützen. Zudem sei genug Geld vorhanden, um die Produktion lebensnotwendiger Güter sicherzustellen, sagte der Minister. »Die Zentralbank wird dem Finanzsystem die notwendige Liquidität zur Verfügung stellen.« Ein besonderes Augenmerk gelte der Entwicklung der Lebensmittelpreise.

US-Journalist stirbt bei Gefechten nahe Kiew

14.35 Uhr: Bei Gefechten im Kiewer Vorort Irpin ist ein US-Journalist erschossen worden. Wie die Polizei der Oblast Kiew auf Twitter mitteilte, sei Brent Renaud durch russische Einheiten getötet worden. Berichten zufolge wurde ein weiterer Journalist verletzt. Lesen Sie hier mehr.

440 Tonnen Lebensmittelspenden in die Ukraine geliefert

14.23 Uhr: Über eine neu eingerichtete Koordinierungsstelle des Bundesernährungsministeriums sind inzwischen mehr als 440 Tonnen gespendete Lebensmittel in die Ukraine gebracht worden. Seit Beginn der Initiative vor etwa einer Woche wurden dafür rund 20 Lkw-Ladungen mit fast 700 Paletten gefahren, wie aus Daten des Ministeriums hervorgeht. Geliefert werden demnach vor allem Grundnahrungsmittel, Wasser, Saft, Babynahrung und Konserven mit Fisch und Fleisch. Gespendet wurden die Produkte von mehreren deutschen Handels- und Lebensmittelunternehmen.

Die Hilfsgüter werden über Umschlagpunkte in Polen in die Ukraine transportiert und sollen dann von ukrainischen Behörden besonders in die stark vom Krieg betroffenen Städte Charkiw und Mariupol gebracht werden, wie es weiter hieß. Zugesagt sind laut Ministerium einschließlich der gelieferten Waren bereits 90 Lkw-Ladungen mit fast 3000 Paletten.

125.000 Menschen aus umkämpften Gebieten evakuiert

13.40 Uhr: Fast 125.000 Menschen seien über sogenannte humanitäre Korridore aus umkämpften Gebieten in der Ukraine bereits evakuiert worden, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft. Ein Schwerpunkt der Rettungsbestrebungen sei die Hafenstadt Mariupol, wo derzeit 400.000 Menschen eingeschlossen seien. 80 Kilometer entfernt von Mariupol warteten Busse darauf, in die Hafenstadt fahren zu können.

67 Zivilisten in Stadt bei Kiew beigesetzt

13.24 Uhr: Nach heftigen Kämpfen mit russischen Truppen sind in der ukrainischen Stadt Butscha bei Kiew 67 Zivilisten in einem Massengrab beigesetzt worden. Die ukrainische Nachrichtenagentur Unian veröffentlichte am Sonntag ein entsprechendes Video. Zu sehen ist darin, wie Leichen in schwarzen Plastiksäcken von einem Lastwagen in eine ausgehobene Grube gelegt werden. Im Hintergrund ist eine Kirche zu sehen. Ukrainische Medien zitierten einen Arzt, wonach nicht alle Leichen identifiziert worden seien. In der nordwestlich von Kiew gelegenen Stadt waren Berichten zufolge Wohnhäuser durch Beschuss zerstört worden.

Zerstörte Häuser in der ukrainischen Stadt Butscha

Zerstörte Häuser in der ukrainischen Stadt Butscha

Foto: - / dpa

Papst Franziskus fordert Ende des »Massakers«

13.17 Uhr: Papst Franziskus hat beim Angelusgebet vor Tausenden Gläubigen am Sonntag ein Ende des Krieges in der Ukraine gefordert. Es gebe keine »strategischen Gründe« dafür, »Kinder, unschuldige Leute und schutzlose Zivilisten zu töten«, mahnte das katholische Kirchenoberhaupt. Russlands »inakzeptable bewaffnete Aggression« müsse gestoppt werden, »bevor sie Städte in Friedhöfe verwandelt«. Franziskus appellierte: »Im Namen Gottes fordere ich Sie auf, stoppen Sie dieses Massaker!«

Zehntausende demonstrieren bundesweit gegen den Krieg

12.58 Uhr: Erneut gehen Tausende Menschen in deutschen Städten gegen den Krieg Russlands in der Ukraine auf die Straße. Das Bündnis »Stoppt den Krieg« hatte zu Großdemos in Berlin, Frankfurt am Main, Leipzig, Stuttgart und Hamburg aufgerufen.

Proteste gegen den Krieg in der Ukraine am 9. März in Berlin

Proteste gegen den Krieg in der Ukraine am 9. März in Berlin

Foto: IMAGO/Emmanuele Contini

Die hinter dem Bündnis stehenden 42 Organisationen wie der DGB, Greenpeace, Diakonie und Brot für die Welt forderten den russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem zuvor veröffentlichten Aufruf auf, seinen Angriffskrieg in der Ukraine sofort zu beenden und sich aus dem Land zurückziehen.

Bereits in den vergangenen Wochen gab es in Deutschland große Protestzüge. Am 27. Februar, drei Tage nach Kriegsbeginn, hatten etwa in Berlin mehr als hunderttausend Menschen demonstriert. Für den Sonntag waren dem Veranstalter-Bündnis erneut so viele Teilnehmer in der Hauptstadt angekündigt worden.

Viele Festnahmen bei erneuten Protesten in Russland

12.38 Uhr: Bei neuen Demonstrationen gegen den Krieg in der Ukraine sind in Russland nach Angaben von Bürgerrechtlern landesweit mehr als 130 Menschen festgenommen worden. Zu den Festnahmen sei es bei Protesten in 21 Städten gekommen, teilte die Organisation Owd-Info am Sonntagmittag mit. Es wurde damit gerechnet, dass diese Zahl im Laufe des Tages weiter steigt. Aktionen gab es demnach etwa in Wladiwostok im äußersten Osten Russlands sowie in der sibirischen Stadt Tomsk und in Moskau.

Russische Polizisten nehmen eine Demonstrantin in Moskau fest

Russische Polizisten nehmen eine Demonstrantin in Moskau fest

Foto: - / AFP

Bilder und Videos in sozialen Netzwerken zeigten, wie Menschen von Polizisten mit Schutzhelmen und schwerer Ausrüstung weggezerrt wurden. Insgesamt wurden den Angaben von Owd-Info zufolge seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar mehr als 14.100 Menschen festgenommen.

Israelischer Außenminister verurteilt Russland scharf

12.21 Uhr: Der israelische Außenminister Jair Lapid hat die russische Invasion in die Ukraine verurteilt. Er forderte Moskau auf, seine Angriffe einzustellen und den Konflikt zu beenden. Lapid hält sich zurzeit zu Gesprächen mit seinem rumänischen Amtskollegen in Bukarest auf. Lapids Stellungnahme fällt damit deutlich härter aus als die bisherigen Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett, der sich mit einer Verurteilung Russlands zurückhält.

Ukraine bereitet zusammen mit Israel und Türkei Gespräche mit Russland vor

12.13 Uhr: Die ukrainische Regierung arbeitet mit Israel und der Türkei an den Rahmenbedingungen und einem Ort für weitere Verhandlungen mit Russland. Das erklärte am Sonntag Mykhailo Podolyak, Berater des ukrainischen Präsidenten und Teil der ukrainischen Gesprächsdelegation. Sobald alles ausgearbeitet sei, werde es ein Treffen geben, sagte Podolyak.

Lebensmittelvorräte in Kiew reichen für zwei Wochen

11.40 Uhr: Die Stadtverwaltung von Kiew hat nach eigenen Angaben Lebensmittelvorräte für zwei Wochen als Reserve angelegt. So soll für den Fall einer Blockade durch russische Truppen vorgesorgt werden. Diejenigen zwei Millionen Einwohner Kiews, die die Stadt noch nicht verlassen hätten, »werden nicht ohne Unterstützung sein, wenn sich die Situation verschlechtert«, heißt es in einem Onlinestatement der Verwaltung.

Polnischer Präsident: Einsatz von Chemiewaffen wäre »Gamechanger« für Nato

10.45 Uhr: Der polnische Präsident Andrzej Duda warnte am Sonntag davor, dass die Nutzung chemischer Waffen ein »Gamechanger« wäre. Die Nato-Staaten müssten in diesem Fall eine Reaktion genau prüfen, sagte Duda gegenüber »BBC«. »Die Nato und ihre Regierungschefs, angeführt von den USA, werden sich dann an einen Tisch setzen und wirklich ernsthaft darüber nachdenken müssen, was zu tun ist. Denn dann beginnt es, gefährlich zu werden«, erklärte der polnische Politiker.

Anfeindungen gegen Russen in Deutschland nehmen zu

10.43 Uhr: Russischstämmige Bürgerinnen und Bürger erleben in Deutschland ein bislang unbekanntes Maß an Anfeindungen. In den ersten anderthalb Wochen nach dem Angriff auf die Ukraine registrierte das Bundeskriminalamt 318 »strafrechtlich relevante Ereignisse« im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Konflikt – von Sachbeschädigungen über Beleidigungen bis hin zu Bedrohungen im Internet und auf der Straße. Bei der Berliner Polizei wurden seit dem 24. Februar bislang 86 Sachverhalte bekannt.

Erneut Bürgermeister von russischen Truppen verschleppt

10.37 Uhr: In der Südukraine ist nach Behördenangaben erneut ein Bürgermeister von russischen Truppen verschleppt worden. »Kriegsverbrechen werden immer systematischer«, schrieb der Chef der Militärverwaltung des Gebiets Saporischschja, Olexander Staruch, am Sonntag bei Facebook. »Der Bürgermeister von Dniprorudne, Jewhenij Matwjejew, wurde entführt.« Dniprorudne ist eine Kleinstadt mit knapp 20.000 Einwohnern. Zuvor hatte Kiew bereits mitgeteilt, dass auch der Bürgermeister der eingenommenen Stadt Melitopol verschleppt wurde.

Weiterhin heftige Kämpfe bei Kiew

10.24 Uhr: Die Gefechte rund um die ukrainische Hauptstadt Kiew gehen nach Angaben der ukrainischen Armee weiter. Es gebe heftige Kämpfe in Irpin und Makariw im Raum Kiew, teilte das Militär am Sonntagmorgen mit. Ähnlich sei die Lage auch in anderen Dörfern, die humanitäre Situation verschlechtere sich stetig. Allein am Samstag sollen etwa aus Butscha, Irpin, Hostomel und Worsel nordwestlich von Kiew rund 20.000 Menschen evakuiert worden sein. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben nicht.

Söder fordert Ministerpräsidentenkonferenz zu Geflüchteten

9.43 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat eine Sonderkonferenz der Länderchefinnen und -chefs zur Unterbringung der Flüchtlinge aus der Ukraine gefordert. Bund und Länder müssten bei diesem Thema »wie bei Corona« eine enge Abstimmung suchen, sagte der CSU-Politiker der »Bild am Sonntag«. Es brauche eine organisierte Unterbringung in Deutschland, der Bund solle die Kosten der Kommunen und der Länder für die Unterbringung übernehmen.

Seit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine sind viele Menschen nach Deutschland geflohen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bezifferte die Zahl der bislang eingetroffenen Flüchtlinge am Samstag auf mehr als 120.000.

Geflüchtete aus der Ukraine werden von Helfenden am Berliner Hauptbahnhof empfangen

Geflüchtete aus der Ukraine werden von Helfenden am Berliner Hauptbahnhof empfangen

Foto: Michael Sohn / AP

Dutzende Tote und Verletzte nach Anschlag auf Militärbasis

9.14 Uhr: Nach Angaben ukrainischer Behörden wurden bei dem Angriff auf eine ukrainische Militärbasis nahe der polnischen Grenze mindestens 35 Menschen getötet. 134 weitere seien verletzt worden und würden in Kliniken behandelt, sagte der Gouverneur des westukrainischen Gebiets Lwiw, Maxym Kosyzkyj, am Sonntag. Zuvor war von neun Todesopfern die Rede gewesen.

Ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, neunzehn Krankenwagen hätten die Militärbasis in Jaworiw mit laufenden Sirenen verlassen. Weitere sieben Ambulanzen waren auf dem Weg zu der Einrichtung, die offenbar Ziel eines russischen Luftangriffs war.

Der Stützpunkt wurde als Ausbildungszentrum für ukrainische Soldaten genutzt, die Ausbilder kamen in der Vergangenheit aus Ländern wie den USA und Kanada. Er diente auch als Basis für gemeinsame Übungen ukrainischer Soldaten mit Nato-Soldaten und liegt nur wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt.

Russische Statthalterin in eroberter Stadt Melitopol eingesetzt

9.09 Uhr: Erstmals hat Russland in einem eroberten Gebiet eine eigene Statthalterin eingesetzt. Die prorussische Abgeordnete Halyna Daniltschenko rief die Einwohner der südukrainischen Stadt Melitopol auf, sich »an die neue Realität« anzupassen. Zugleich verlangte sie, die Einwohner sollten nicht mehr gegen die russischen Besatzungstruppen demonstrieren. Sie wolle ein »Komitee der Volksdeputierten« schaffen, das die Stadt mit knapp 150.000 Einwohnern leiten solle, sagte Daniltschenko in einer Videobotschaft.

Präsident Selenskyj: Bürgermeister von Melitopol soll freigelassen werden

Präsident Selenskyj: Bürgermeister von Melitopol soll freigelassen werden

Foto: - / dpa

Melitopols Bürgermeister Iwan Fedorow war zuvor nach Kiewer Angaben von russischen Kämpfern verschleppt worden. Präsident Selenskyj forderte Fedorows Freilassung, in der Stadt demonstrierten mehrere Hundert Einwohner für das gewählte Stadtoberhaupt.

Selenskyj drohte Statthalterin Daniltschenko mit dem Tod. Örtliche Medien bezeichneten die Abgeordnete am Sonntag in Anlehnung an die SS-Besatzungstruppen im Zweiten Weltkrieg als »Gauleiterin im Rock«.

Teile der Stadt Sjewjerodonezk in Ostukraine eingenommen

8.56 Uhr: Prorussische Separatisten in der Ostukraine haben nach Angaben aus Moskau offenbar Teile der Stadt Sjewjerodonezk eingenommen. »Einheiten der Volksrepublik Luhansk haben den östlichen und südlichen Teil der Stadt blockiert«, sagte Igor Konaschenkow, Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, der Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Sonntagmorgen. Zuvor hatte das ukrainische Militär berichtet, dass eine russische Offensive in der Stadt mit 100.000 Einwohnern im Gebiet Luhansk bevorstehe.

440 Tonnen Lebensmittel aus Deutschland in Ukraine geliefert

8.19 Uhr: Über eine neu eingerichtete Koordinierungsstelle der Bundesregierung sind inzwischen mehr als 440 Tonnen gespendete Lebensmittel in die Ukraine gebracht worden. Seit Beginn der Initiative vor etwa einer Woche wurden dafür rund 20 Lkw-Ladungen mit fast 700 Paletten gefahren. Das geht laut einem Bericht der Deutschen Presseagentur aus Daten des Ernährungsministeriums hervor. Geliefert werden demnach vor allem Grundnahrungsmittel, Wasser, Saft, Babynahrung und Konserven mit Fisch und Fleisch. Gespendet wurden die Produkte von mehreren deutschen Handels- und Lebensmittelunternehmen.

»Täglich erreichen uns neue Berichte über weitere schreckliche Zerstörungen. Solidarität mit der Ukraine und ihren Menschen ist eine Frage der Ehre«, erklärte dazu der Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir.

Hilfsgüter werden aus einem Zug in Kiew entladen

Hilfsgüter werden aus einem Zug in Kiew entladen

Foto: DIMITAR DILKOFF / AFP

Geplante Treffen der Vereinten Nationen zum Ukraine-Krieg

7.56 Uhr: Die Vereinten Nationen planen für kommende Woche weitere Krisensitzungen zum Ukrainekrieg. Beim Uno-Sicherheitsrat stehen am Montag Beratungen über die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) an, bei denen es schwerpunktmäßig wohl um die Ukraine gehen wird.

Seit zwei Wochen beraten einige Mitglieder des Sicherheitsrates zudem über einen Resolutionsentwurf zu humanitärer Hilfe. Laut dem Entwurf soll der Sicherheitsrat »die schrecklichen humanitären Folgen der Feindseligkeiten gegen die Ukraine« verurteilen. Diplomaten rechnen allerdings mit einem Veto Russlands. Ende Februar hatte Russland im Uno-Sicherheitsrat mit seinem Veto bereits eine Resolution verhindert, die den Angriff auf die Ukraine verurteilt hätte. Diplomaten haben daher vorgeschlagen, den Entwurf gleich der Uno-Vollversammlung vorzulegen. In der Vollversammlung gibt es kein Vetorecht, ihre Beschlüsse sind aber nicht bindend.

Am 2. März hatte die Vollversammlung Russland schon zum »sofortigen« Abzug aus der Ukraine aufgefordert. Die Resolution wurde mit großer Mehrheit verabschiedet. Neben Russland stimmten lediglich Belarus, Syrien, Eritrea und Nordkorea dagegen. 35 Staaten enthielten sich, darunter China.

Nato warnt Russland vor Einsatz von Chemiewaffen

7.00 Uhr: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Russland vor einem Angriff mit Chemiewaffen in der Ukraine gewarnt. »In den vergangenen Tagen haben wir absurde Behauptungen über chemische und biologische Waffenlabore vernommen. Der Kreml erfindet falsche Vorwände bei dem Versuch, zu rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist«, sagte Stoltenberg der »Welt am Sonntag«.

Stoltenberg: Warnung vor dem Einsatz chemischer Waffen

Stoltenberg: Warnung vor dem Einsatz chemischer Waffen

Foto: Uncredited / dpa

Nach diesen Behauptungen müsse man nun wachsam bleiben, weil Russland möglicherweise selbst den Einsatz chemischer Waffen unter diesem Lügengebilde plane, sagte Stoltenberg weiter. Dies wäre ein Kriegsverbrechen.

Russland hatte die ukrainische Regierung beschuldigt, zusammen mit den USA Labore zur Herstellung von Biowaffen zu betreiben. Die Regierung in Moskau beantragte deswegen eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrats zu dem Thema. Westliche Staaten warfen Moskau bei dem Treffen am Freitag vor, »wilde« Verschwörungstheorien zu verbreiten.

Wie wahrscheinlich der Einsatz solcher Waffen im Krieg in der Ukraine ist, können Sie hier nachlesen:

Angriff auf ukrainische Militärbasis an Grenze zu Polen

6.46 Uhr: Ein ukrainischer Militärstützpunkt in Jaworiw war offenbar Ziel eines Luftangriffs, wie die Militärverwaltung vor Ort berichtet. »Die Besatzer haben einen Luftangriff auf das Internationale Zentrum für Friedenssicherung und Sicherheit gestartet«, hieß es in einem Statement der Verwaltung. Laut vorläufiger Daten seien dabei acht Raketen zum Einsatz gekommen. Ob die Basis tatsächlich getroffen wurde, blieb zunächst offen. Die Militärbasis liegt 25 Kilometer vor der polnischen Grenze.

Berichte: Explosionen in Lwiw

05.37 Uhr: Die ukrainische Metropole Lwiw ist am Sonntagmorgen von mehreren Explosionen erschüttert worden. Medien berichteten von Raketeneinschlägen. Die Explosionen waren auch in Polen zu hören, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur dpa aus Przemysl berichtete. Ob diese auch das Stadtgebiet von Lwiw selbst betreffen, ist unklar. Bisher galt die Stadt im Westen des Landes als relativ sicher, da sie weitestgehend von Kriegshandlungen verschont blieb. Viele Flüchtende reisen über Lwiw weiter Richtung Polen.

In Lwiw wurde aufgrund der Einschläge Luftalarm ausgelöst. Zunächst blieb offen, was genau Ziel der Angriffe war. Südwestlich von Lwiw liegt ein Flughafen. Außerdem gibt es an der Grenze zu Polen eine ukrainische Militärbasis.

Ukrainische Regierung will Bauern unterstützen

05.19 Uhr: Die ukrainische Regierung will mit mehreren Maßnahmen den Landwirten unter die Arme greifen. Man habe beschlossen, Zinsen für Kredite für Kosten in Zusammenhang mit landwirtschaftlicher Tätigkeit zu kompensieren, sagte Ministerpräsident Denys Schmyhal in einer Videobotschaft am Samstagabend. Zudem werde man Landwirten staatliche Garantien im Ausmaß von 80 Prozent des Betrags der von ihnen aufgenommenen Kredite gewähren.

Dadurch könnten die ukrainischen Landwirte Geld für die Aussaat aufbringen und sich sicher sein, dass sie nicht bankrottgehen, sollten sie wegen der kriegerischen Auseinandersetzung im Land ihre Ernte verlieren, sagte Schmyhal weiter.

Handelsverband HDE sieht keine Gefahr für Engpässe in Supermärkten

04.28 Uhr: Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet nicht mit Versorgungsengpässen wegen des Kriegs in der Ukraine. »Es gibt überhaupt keinen Grund, in Hysterie zu verfallen. Die Supermarktregale sind voll, und sie werden es auch bleiben«, sagte HDE-Geschäftsführer Stefan Genth der »Bild am Sonntag«. Deutschland sei Lebensmittelexporteur bei Fleisch, Weizen und Milchprodukten.

Genth warnte aber vor einer »Verteuerung von Produkten« und forderte eine »deutliche Absenkung der Stromsteuer und der Abgaben auf Gewerbediesel«. Helfen könne zudem die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lkw und die Möglichkeit für Nachtlieferungen.

Auch Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) warnte vor höheren Lebensmittelpreisen. »Die Versorgung in Deutschland ist gesichert, doch können Preissteigerungen zur Belastung werden – das gehört zur Ehrlichkeit dazu.« Er habe »erste Maßnahmen eingeleitet, um unsere Landwirte zu unterstützen, damit sie ihre Arbeit machen können«.

Erste Frau in der Ukraine erhält Heldentitel posthum

03.40 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erstmals in der Geschichte des Landes einer Frau den Titel »Heldin der Ukraine« posthum verliehen. Das teilte Selenskyj in einer Videoansprache in der Nacht zu Sonntag mit. Unteroffizierin und leitende Militärärztin Inna Derusowa habe seit Kriegsbeginn in der Stadt Ochtyrka im Gebiet Sumy gedient und unter Einsatz ihres Lebens zehn Militärangehörige gerettet, sagte Selenskyj. Gestorben sei sie durch russischen Artilleriebeschuss, als sie Verwundeten half. »Sie ist die erste Heldin der Ukraine, der dieser Titel posthum verliehen wird«, so Selenskyj.

Der Titel ist die höchste staatliche Auszeichnung der Ukraine. Sie wird für eine herausragende Heldentat oder Arbeitsleistung verliehen.

Russische Ingenieure inspizieren ukrainisches Atomkraftwerk Saporischschja

03.15 Uhr: In dem Anfang März von russischen Panzern angegriffenen ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja  sind Vertreter des russischen Atomkonzerns Rosatom eingetroffen. Die Rosatom-Vertreter erklärten, die Strahlung am AKW Saporischschja überprüfen zu wollen. Das teilte die ukrainische Atombehörde Energoatom im Messengerdienst Telegram mit. Russische Truppen hatten das größte Atomkraftwerk Europas am 4. März angegriffen und unter ihre Kontrolle gebracht.

Szene am Kraftwerk Saporischschja am 4. März: Beschuss durch russische Einheiten

Szene am Kraftwerk Saporischschja am 4. März: Beschuss durch russische Einheiten

Foto: Uncredited / dpa

Laut der ukrainischen Atombehörde wurden die elf Rosatom-Vertreter von Ingenieuren der russischen Atomkraftwerke Balakowo an der Wolga und Rostow am Don begleitet. Energoatom zufolge weigerte sich das ukrainische AKW-Personal, mit den Russen zusammenzuarbeiten.

Einer der Russen gab sich laut Energoatom als neuer Vertreter der örtlichen militärisch-zivilen Verwaltung aus. Demnach sagte er den Kraftwerksmitarbeitern, dass das Atomkraftwerk Saporischschja nun als russisches Territorium betrachtet werde und zur russischen Atombehörde Rosatom gehöre.

Selenskyj droht Unterstützern Russlands in der Ukraine

03.00 Uhr: Der ukrainische Präsident Selenskyj hat sich in klaren Worten an mögliche Kollaborateure und Unterstützer Russlands in der Ukraine gewandt. Wer sich von Angeboten der russischen Besatzer in Versuchung geführt sehe, unterschreibe damit sein eigenes Urteil, sagte er in einer Videobotschaft. »Das Urteil lautet, mehr als 12.000 Besatzern zu folgen, die nicht rechtzeitig verstehen konnten, warum die Ukraine nicht angegriffen werden sollte.«

Zerstörtes Kriegsgerät der ukrainischen Armee in der Region Cherson

Zerstörtes Kriegsgerät der ukrainischen Armee in der Region Cherson

Foto: IMAGO/SNA

Der Hintergrund: Zuletzt hieß es von ukrainischer Seite, dass mehr als 12.000 russische Soldaten in dem Krieg in der Ukraine getötet worden seien. Dies ist nicht unabhängig zu prüfen. Selenskyj bezog sich in seinen Aussagen auf jüngste Ereignisse in den von Russland besetzten Territorien der Region Cherson im Süden des Landes. Russland versuche dort, die »traurige Erfahrung der Bildung von Pseudorepubliken zu wiederholen«. Mehr dazu erfahren Sie hier:

Tausende protestieren in Florenz gegen den Ukrainekrieg

02.33 Uhr: Tausende Menschen haben am Samstag in Florenz gegen den russischen Einmarsch in die Ukraine protestiert und ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine bekundet. Viele Demonstranten schwenkten auf dem Platz vor der Basilika Santa Croce im Zentrum der italienischen Großstadt regenbogenfarbene Friedensfahnen und die blau-gelbe Flagge der Ukraine.

Friedensdemo in Florenz

Friedensdemo in Florenz

Foto: IMAGO/Claudio Giovannini / IMAGO/ZUMA Wire

Der ukrainische Präsident Selenskyj richtete sich in einer Videobotschaft an die Demonstranten. Sein Land werde »24 Stunden am Tag« bombardiert, wobei Schulen, Krankenhäuser, Wohngebiete und »sogar Kirchen, sogar Plätze wie der Ihre« angegriffen würden. Laut der italienischen Übersetzung sagte Selenskyj, dass seit Kriegsbeginn 79 Kinder in der Ukraine getötet worden seien und fügte hinzu, dass Europa »nicht vergessen« dürfe.

In Frankreich beteiligten sich am Samstag fast 10.000 Menschen an Solidaritätskundgebungen für die Ukraine. Etwa tausend Demonstranten versammelten sich in der Hauptstadt Paris. Einige von ihnen riefen auf Plakaten zum Boykott von russischem Öl und Gas auf. Am vergangenen Wochenende waren in ganz Frankreich mehr als 40.000 Menschen zu Kundgebungen gegen den Krieg auf die Straße gegangen.

Briten erhalten Geld für Aufnahme von Flüchtlingen

01.55 Uhr: Großbritannien bezahlt jedem Bürger 350 Pfund (418 Euro) pro Monat, wenn sie Flüchtlingen aus der Ukraine ein freies Zimmer oder eine Wohnung für mindestens ein halbes Jahr zur Verfügung stellen. »Das Vereinigte Königreich steht hinter der Ukraine in ihrer dunkelsten Stunde, und die britische Öffentlichkeit versteht die Notwendigkeit, so viele Menschen wie möglich in Sicherheit zu bringen«, sagt Michael Gove, Minister für Wohnungswesen, Gemeinden und Kommunalverwaltung, in einer Erklärung

Grünenchefin fordert Einführung eines »Energiegeldes«

Ricarda Lang

Ricarda Lang

Foto: Guido Kirchner / dpa

01.05 Uhr: Angesichts der steigenden Energiepreise werden Rufe nach Entlastungen für Bürger und Unternehmen lauter. Grünen-Bundeschefin Ricarda Lang sagte der »Bild am Sonntag«: »Viele Menschen leiden ganz akut unter den steigenden Preisen, beim Heizen, an der Zapfsäule oder im Supermarkt.« Es müsse so schnell wie möglich ein »Energiegeld« an alle Bürger ausgezahlt werden. Der Kindersofortzuschlag und die Abschaffung der EEG-Umlage, die die Koalition beschlossen habe, reichten nicht aus

jok/sog/hba/tfb/dpa/AFP/Reuters
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