Ukraine-News am Sonntag Präsident Selenskyj bezeichnet Annexionen als bedeutungslos

In seiner abendlichen Ansprache bezeichnet Präsident Selenskyj die Annexionen durch Russland als bedeutungslos. Und: Die Massenflucht wehrdienstpflichtiger Männer macht dem russischen Staat zu schaffen. Nun wurden mehr als 180 von ihnen gefasst und einberufen. Das waren die News am 2. Oktober.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj

Foto: - / dpa
Russland stoppt mehr als 180 Männer bei Fluchtversuch

18.30 Uhr: Russland hat an der Grenze zum Nachbarland Georgien eigenen Angaben zufolge bereits mehr als 180 wehrpflichtige Männer bei der versuchten Flucht vor dem Einzug ins Militär gestoppt. Ihnen sei direkt am Grenzübergang Werchni Lars ein Einberufungsbescheid übergeben worden, meldete die Agentur Interfax.

Die von Kremlchef Wladimir Putin angeordnete Teilmobilmachung hat in Russland eine regelrechte Massenflucht ausgelöst. Zehntausende Männer flüchteten nicht nur nach Georgien im Südkaukasus, sondern beispielsweise auch in die zentralasiatischen Ex-Sowjetstaaten Kasachstan und Kirgistan.

Angesichts der Flüchtlingsströme hatte die Region Nordossetien in der vergangenen Woche Durchreisebeschränkungen verhängt. Zudem war bereits angekündigt worden, dass Männer im wehrpflichtigen Alter an der Grenze nun verstärkt kontrolliert werden sollten.

Russlands Verteidigungsministerium teilte unterdessen mit, dass die Rekruten ein Training in den »hinteren Gebieten« des Kampfgebietes absolvieren müssten. Zuvor hatte es geheißen, dass die frisch eingezogenen Männer anfangs zwar in unmittelbarer Nähe, aber nicht im Kriegsgebiet selbst eingesetzt werden

Präsident Selenskyj bezeichnet Annexionen als bedeutungslos

23:08 Uhr: Angesichts jüngster Erfolge seiner Armee bei der Rückeroberung zwischenzeitlich besetzter Gebiete hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Annexionen durch Russland als bedeutungslos bezeichnet. »Sobald die ukrainische Flagge zurückgekehrt ist, erinnert sich niemand mehr an die russische Farce mit irgendwelchen Papieren und irgendwelchen Annexionen«, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache.

Rund sieben Monate nach Kriegsbeginn hatte Kremlchef Wladimir Putin am vergangenen Freitag neben Donezk auch die ukrainischen Gebiete Luhansk, Saporischschja und Cherson annektiert. Die völkerrechtswidrige Einverleibung der Regionen, die Russland in Teilen nicht einmal erobert hat, wird international nicht anerkannt.

Der Erfolg der Soldaten des Landes beschränke sich nicht auf die Rückeroberung von Lyman, so Selenskyj in seiner Ansprache. Weiter verurteilte der ukrainische Präsident die Entführung des Leiters des von Russland besetzten Kernkraftwerkes Saporischschja als »weiteren klaren Fall von russischem Terror«. Zuvor hatte Russland gegenüber der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigt, Ihor Muraschow »für Befragungen vorübergehend festgenommen« zu haben, nachdem dieser als vermisst gemeldet wurde.

US-Minister: Unterstützung für Ukraine »so lange wie nötig«

19.13 Uhr: Die USA versprechen der Ukraine kontinuierliche Unterstützung - und zwar unabhängig vom weiteren Kriegsverlauf. Aktuell entwickelten sich die Kampfhandlungen positiv für die ukrainische Armee, sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin im Nachrichtensender CNN. »Aber ich würde sagen, dass egal, in welche Richtung sich das entwickelt, wir den Ukrainer so lange wie nötig Sicherheitsunterstützung gewähren werden«.

Austin ging in dem Interview nicht direkt auf die Frage ein, ob die USA der Ukraine nach der Annexion von vier Regionen durch Russland auch Raketensysteme mit größerer Reichweite liefern sollten. Die Ukraine will solche Raketen mit einer maximalen Reichweite von rund 300 Kilometern. Als Grund für die bisherige US-Zurückhaltung gilt die Sorge, dass damit auch Ziele in Russland angegriffen werden könnten. Mit der Annexion betrachtet Moskau aber nun auch die widerrechtlich einverleibten ukrainischen Regionen als sein Territorium.

Die US-Regierung hat der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor gut sieben Monaten bereits Waffen, Munition und Ausrüstung im Wert von mehr als 16 Milliarden US-Dollar zugesagt oder bereits geliefert.

Nato-Chef Stoltenberg dämpft Hoffnung auf Ukraine-Beitritt

18.15 Uhr: In einem Interview mit dem US-Fernsehsender NBC wollte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg keine Zusagen für einen baldigen Beitritt der Ukraine zum Verteidigungsbündnis machen. »Jede Entscheidung über eine Mitgliedschaft muss im Konsens getroffen werden«, sagte Stoltenberg, als er nach dem Antrag des Landes gefragt wurde. Alle 30 Verbündeten müssten »einer solchen Entscheidung zustimmen.«

Ähnlich unverbindlich äußerte sich auch der nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Jake Sullivan. Das Antragsverfahren solle »zu einem anderen Zeitpunkt aufgenommen werden«, sagte er. Eine Position, die man in der deutschen Regierung teilt: Sowohl Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) als auch Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hatten sich zuvor indifferent bis ablehnend gegenüber einer beschleunigten Aufnahme der Ukraine in das Militärbündnis gezeigt.

Der beste Weg, Russlands proklamierter Annexion von Teilen der Ukraine zu begegnen, sei die weitere Unterstützung der Regierung in Kiew, sagte Nato-Chef Stoltenberg.

Italien und Deutschland berufen russische Botschafter ein

15.55 Uhr: Wie mehrere europäische Länder hat auch Deutschland den russischen Botschafter einbestellt. Wie das Auswärtige Amt der Nachrichtenagentur dpa bestätigte, sei der Botschafter Sergej Netschajew »zeitnah ins Auswärtige Amt einbestellt« worden.

Die Bundesregierung reagiert damit auf die weitere Eskalation des russischen Krieges in der Ukraine und die Annexion von vier ukrainischen Regionen durch Russland. Auch in Italien wurde der dortige Botschafter für Montag einbestellt, in Belgien geschah das schon am Freitag.

Staatschefs von neun Nato-Mitgliedern verurteilen russische Annexion

14.59 Uhr: Die Staatspräsidenten von neun Nato-Ländern in Mittel- und Osteuropa haben die russischen Annexion von vier besetzten ukrainischen Gebiete verurteilt und als unrechtmäßig zurückgewiesen. »Wir erkennen Russlands Versuche, ukrainisches Territorium zu annektieren, nicht an und werden diese niemals anerkennen«, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Unterzeichnet wurde sie von den Staatschefs von Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Nordmazedonien, Montenegro, Rumänien und der Slowakei.

»Wir unterstützen die Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen die russische Invasion, fordern Russland auf, sich unverzüglich aus allen besetzten Gebieten zurückzuziehen, und ermutigen alle Verbündeten, ihre Militärhilfe für die Ukraine erheblich zu erhöhen«, schrieben die Präsidenten weiter. Verantwortliche für Verbrechen müssten zur Rechenschaft gezogen und vor Gericht gestellt werden.

Unterstützung signalisierten die neun Staatsoberhäupter auch für den Wunsch der Ukraine, in die Nato aufgenommen zu werden. »Wir stehen fest hinter der Entscheidung des Nato-Gipfels von Bukarest 2008 über die künftige Mitgliedschaft der Ukraine«, schrieben sie. Damals war der Ukraine ein spätererer Beitritt zum Verteidigungsbündnis in Aussicht gestellt worden. Zahlreiche andere Länder, darunter Deutschland, haben dem erneuten Wunsch zunächst eine Absage erteilt.

Lambrecht gegen Lauterbach: »Wir werden keine Kriegspartei«

15.28 Uhr: Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hat ihrem Kabinetts- und Parteikollegen Karl Lauterbach in Bezug auf Deutschlands Rolle im Krieg in der Ukraine widersprochen. »Es ist ganz klar - sowohl für die deutsche Bundesregierung als auch für die gesamte Nato: Wir werden keine Kriegspartei«, sagte Lambrecht in der ARD-Sendung »Bericht aus Berlin«. Bundesgesundheitsminister Lauterbach hatte zuvor auf Twitter geschrieben: »Wir sind im Krieg mit Putin«.

Der SPD-Politiker bezog sich mit seinem Tweet am Samstag auf Äußerungen des Schriftstellers Richard David Precht. Dieser hatte gefordert, einzelne Nato-Staaten sollten Russland garantieren, dass die Ukraine nicht in das Bündnis aufgenommen werde.

»Mal ehrlich: Was sollen denn jetzt Kniefälle vor Putin bringen?«, schrieb Lauterbach dazu. »Wir sind im Krieg mit Putin und nicht seine Psychotherapeuten. Es muss weiter konsequent der Sieg in Form der Befreiung der Ukraine verfolgt werden.« Ob die Psyche des russischen Präsidenten Waldimir Putin das verkrafte, »ist egal«.

Lambrecht betonte hingegen in der ARD, das Prinzip, nicht Kriegspartei zu werden, »hat uns von Anfang an geleitet. Und daran hat sich auch nichts geändert.«

Lambrecht: Ukraine bekommt zusätzlich 16 Haubitzen aus Slowakei

14.14 Uhr: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat für das kommende Jahr die Lieferung von 16 Radpanzerhaubitzen aus slowakischer Produktion an die Ukraine angekündigt. Die Systeme vom Typ Zuzana würden in der Slowakei produziert und gemeinsam mit Dänemark, Norwegen und Deutschland finanziert, sagte die SPD-Politikerin der ARD-Sendung »Bericht aus Berlin« nach der Rückkehr von ihrer ersten Reise in die Ukraine nach Kriegsbeginn.

In der Slowakei seien die entsprechenden Produktionsstätten vorhanden, sagte Lambrecht. Die Zuzana-Haubitze ist das Vorzeigeprodukt der slowakischen Verteidigungsindustrie und das einzige im Land produzierte schwere Waffensystem. Sie kann nach Herstellerangaben alle Arten von Nato-Munition des Kalibers 155 Millimeter verschießen. Der Ukraine habe man den Beginn der Lieferungen ab Mitte 2023 zugesagt.

Lambrecht hatte der Ukraine bei ihrem Besuch zudem die rasche Lieferung einer ersten Einheit des Luftabwehrsystems Iris-T SLM zugesichert. Deutschland will der Ukraine zunächst vier der jeweils 140 Millionen Euro teuren Systeme zur Verfügung stellen. Die Finanzierung von drei weiteren Systemen ist gesichert.

Dänemark: Wohl kein Gas-Austritt mehr bei Nord-Stream-1-Pipeline

13.53 Uhr: Aus der beschädigten Ostseepipeline Nord Stream 1 soll dänischen Behörden zufolge kein Gas mehr austreten. Man sei vom Betreiber darüber informiert worden, dass sich der Druck in der Pipeline stabilisiert habe, teilte die dänische Energiebehörde am Samstagnachmittag auf Twitter mit. Das deute darauf hin, dass kein Gas mehr ausströme. Am Samstag war bereits bekannt gegeben worden, dass kein Gas mehr aus der Nord Stream 2-Pipeline strömt.

In der vergangenen Woche wurden insgesamt vier Lecks an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 in der Ostsee nahe Dänemark und Schweden entdeckt. Obwohl keine der beiden Pipelines zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Explosionen in Betrieb war, waren sie mit Gas gefüllt, das seit Montag ausströmte.

Papst appelliert direkt an Putin

13.21 Uhr: Papst Franziskus fordert eine sofortige Waffenruhe in der Ukraine. An die Präsidenten beider Länder gerichtet, erklärt er, sie müssten einen Weg aus der Krise finden. Es sei »absurd«, dass die Welt wegen der Ukraine mit einer atomaren Bedrohung konfrontiert sei: »Der Krieg an sich ist ein Irrtum und ein Horror!«

»Mein Appell richtet sich in erster Linie an den Präsidenten der Russischen Föderation, den ich bitte, diese Spirale von Gewalt und Tod zu stoppen, auch zum Wohl seines Volkes«, sagte der Papst in Rom. »Andererseits appelliere ich, in großer Betroffenheit über das unermessliche Leid des ukrainischen Volkes infolge der Aggression, die es erlitten hat, ebenso zuversichtlich an den Präsidenten der Ukraine, für ernsthafte Friedensvorschläge offen zu sein.«

»Es ist bedauerlich, dass die Welt die Geografie der Ukraine durch Namen wie Butscha, Irpin, Mariupol, Isjum, Saporischschja und andere Orte kennenlernt, die zu Orten unbeschreiblichen Leids und unbeschreiblicher Angst geworden sind.«

Papst Franziskus

Der Pontifex widmete seine gesamte Ansprache vor dem traditionellen Angelus-Gebet – in der er sonst normalerweise über das Evangelium spricht – der Lage in der Ukraine. »Ich bin zutiefst betrübt über die Ströme von Blut und Tränen, die in diesen Monaten vergossen wurden. Ich bin traurig über die Tausenden von Opfern, insbesondere Kinder, und die zahlreichen Zerstörungen, die viele Menschen und Familien obdachlos gemacht haben und weite Gebiete mit Kälte und Hunger bedrohen. Solche Handlungen sind niemals zu rechtfertigen, niemals!« Franziskus fragte: »Was muss noch geschehen? Wie viel Blut muss noch fließen, damit wir erkennen, dass Krieg niemals eine Lösung ist, sondern nur Zerstörung?

Selenskyj gibt vollständige Eroberung von Lyman bekannt

12.24 Uhr: Nur zehn Sekunden lang war das Video, das Präsident Selenskyj auf seinem offiziellen Telegram-Kanal gepostet hat. Es gab nur eine Nachricht zu verkünden, und zwar, dass die Stadt Lyman »vollständig geräumt« sei von russischer Militärpräsenz. Selenskyj dankte in dem Video dem ukrainischen Militär.

Russland hatte die Stadt Lyman am Samstag aufgegeben. Die Streitkräfte sind nach Angaben des russischen Militärs wegen der Gefahr einer Einkesselung abgezogen worden. Zuvor hatten ukrainische Behörden von rund 5000 eingekesselten russischen Soldaten gesprochen. Über die Anzahl der Gefallenen und Gefangenen gab es bislang keine konkreten Angaben.

Experten: Putin hat den Rückzug aus Lyman selbst angeordnet

11.45 Uhr: Die Militärexperten des renommierten Institute for the Study of War sehen in dem Rückzug russischer Truppen aus der strategisch wichtigen Stadt Lyman in der Ostukraine »mit ziemlicher Sicherheit« eine bewusste Entscheidung von Russlands Präsident Wladimir Putin. Nicht die Militärkommandos hätten entschieden, dass die Frontlinien nahe der Städte Kupjansk oder Lyman nicht verstärkt werden, sondern der Präsident selbst, hieß es am Abend in einer ersten Analyse. Es deute darauf hin, dass sich Putin vielmehr um die Sicherung strategischer Gebiete in den Regionen Cherson und Saporischschja kümmern wolle. Lyman liegt in der Region Donezk.

Ukrainische und russische Quellen wiesen übereinstimmend darauf hin, dass die russischen Streitkräfte ihre Stellungen in den Regionen Cherson und Saporischschja weiter verstärkten, schrieben die Experten weiter. Sie berichteten zudem von einem »gescheiterten Bodenangriff« russischer Truppen auf den Ort Kosatscha Lopan im nördlichen Gebiet von Charkiw. Ukrainische Soldaten hätten den Angriff laut Generalstab nahe der russischen Grenze abgewehrt. Solche Angriffe deuteten darauf hin, dass Putin wahrscheinlich weiter das Ziel verfolge, die Kontrolle über Gebiete jenseits der von ihm rechtswidrig annektierten Regionen zurückzugewinnen – anstatt Soldaten gegen die ukrainische Offensive im Donbass einzusetzen.

London geht von hohen russischen Verlusten bei Rückzug aus Lyman aus

10.33 Uhr: Beim Rückzug aus Lyman haben die Russen nach Einschätzung britischer Geheimdienste hohe Verluste erlitten. Die Stadt im östlichen Donezk sei zuvor mutmaßlich von unterbesetzten russischen Einheiten sowie Reservisten verteidigt worden, hieß es am Sonntag im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums. Beim Rückzug über die einzige Straße aus der Stadt, die noch unter russischer Kontrolle sei, seien wohl viele Soldaten gefallen.

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IAEA-Chef fordert Freilassung von AKW-Leiter

10.10 Uhr: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat die Freilassung des Leiters des von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk (AKW) Saporischschja im Südosten der Ukraine gefordert. Eine russische Patrouille hatte Ihor Muraschow am Freitag festgenommen. Gründe dafür wurden zunächst nicht bekannt.

IAEA-Chef Rafael Grossi hoffe, »dass Muraschow sicher und schnell zu seiner Familie zurückkehren und seine wichtigen Funktionen in der Anlage wieder aufnehmen kann«, twitterte die Agentur am späten Samstagabend. Man stehe mit den zuständigen Behörden in Kontakt, um Klarheit über die vorübergehende Inhaftierung von Herrn Muraschow zu erhalten, die »erhebliche Auswirkungen« auf ihn und die Standards der nuklearen Sicherheit und Sicherung habe, hieß es weiter.

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Grossi wird in der kommenden Woche zu Gesprächen über die Einrichtung einer Schutzzone rund um das AKW in Moskau und Kiew erwartet.

Bäckerei passt sich dem Rhythmus des Kriegs an

9.25 Uhr: Die Agentur AP liefert heute etwas andere Fotos von der Front. Sie berichtet über eine Bäckerei, die in einem tagsüber scheinbar verlassenen, beschädigten Fabrikgebäude in Kostiantynivka nachts frisches Brot backt. Es ist eine von zwei Großbäckereien, die in dem von der Ukraine kontrollierten Teil der Region Donezk, die größtenteils unter russischer Besatzung steht, noch in Betrieb sind.

Die Mitarbeiter der Fabrik starten um sieben Uhr abends, im Morgengrauen kommen Lastwagenfahrer, um frisches Brot in die Städte und Dörfer zu bringen, in denen die Lebensmittelgeschäfte in der Regel nur am Morgen geöffnet sind, wenn der russische Beschuss meist nachlässt.

Die Bäckerei hat 20 Fahrer, die täglich Brot ausliefern, nicht nur in die Städte, sondern auch in die halbleeren Dörfer an der Front

Die Bäckerei hat 20 Fahrer, die täglich Brot ausliefern, nicht nur in die Städte, sondern auch in die halbleeren Dörfer an der Front

Foto: David Goldman / AP

Etwa sieben Tonnen Brot werden täglich gebacken, das entspricht rund 17.500 Broten. Die Hälfte davon geht an das ukrainische Militär.

Deutsche Justiz könnte wegen Pipeline-Sabotage ermitteln

8.37 Uhr: Auch der deutsche Generalbundesanwalt könnte Strafverfolgung gegen die Verantwortlichen der Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines aufnehmen. »Es ginge dann möglicherweise um eine verfassungsfeindliche Sabotage mit Auswirkungen auf Deutschland. Auch der Straftatbestand des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion kommt infrage«, sagt Justizminister Marco Buschmann, FDP, in einem Bericht der »Bild am Sonntag«. Es ginge dann vor allem um die Zusammenarbeit mit anderen Staaten, insbesondere der EU, um der Täter habhaft zu werden und sie in Deutschland vor Gericht zu stellen.

Australien weitet Sanktionen gegen Russen aus

8.06 Uhr: Australien hat gezielte Finanzsanktionen und Reiseverbote gegen 28 von Russland ernannte Machthaber, Minister und hochrangige Beamte verhängt, nachdem Präsident Wladimir Putin die Annexion von vier Regionen der Ukraine verkündet hatte.

Die neuen Sanktionen richten sich gegen Personen, die nach Ansicht der australischen Regierung das Völkerrecht missachten, um Russlands Vorgehen in der Ukraine durch »Scheinreferenden, Desinformation und Einschüchterung« zu legitimieren.

»Diese zusätzlichen Sanktionen bekräftigen Australiens entschiedene Ablehnung der Handlungen von Präsident Putin und derjenigen, die seine Befehle ausführen«, teilte Außenministerin Penny Wong mit.

CDU-Politiker angesichts Putins Atomdrohung für mehr Abschreckung

7.15 Uhr: Angesichts der russischen Atomwaffen-Drohungen hält der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter eine verstärkte Abschreckung seitens der westlichen Staaten für nötig. »Sicher müssen wir das ernst nehmen, und es besteht natürlich immer ein solches Risiko«, sagte er dem Berliner »Tagesspiegel« mit Blick auf Drohungen Putins, notfalls »alle zur Verfügung stehenden Mittel« zu nutzen. »Verhindern können wir dies aber, indem wir unsere eigene Abschreckung erhöhen und Putin mit Stärke und Geschlossenheit begegnen.«

Kiew freut russische Pleite nach Annexion

6.30 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit Spott auf die russische Niederlage in Lyman und den Ärger in Moskau reagiert. Dort, wo die Russen zuvor ihre »Pseudoreferenden« abgehalten hätten, wehe nun wieder die ukrainische Flagge, sagte der 44-Jährige am Samstag in seiner täglichen Videoansprache. Zugleich teilte er mit, dass in Lyman noch gekämpft werde.

»Übrigens haben sie dort schon angefangen, sich gegenseitig zu beißen: Sie suchen nach den Schuldigen, beschuldigen einige Generäle des Versagens«, kommentierte Selenskyj die verärgerten Reaktionen aus Moskau auf den Rückzug in Lyman. Es sei nur der erste Warnschuss für alle diejenigen, die sich an Putins Krieg beteiligten. Bis sie nicht das Problem mit dem einen lösten, »der diesen für Russland sinnlosen Krieg gegen die Ukraine begonnen hat, werden Sie einer nach dem anderen getötet und zu Sündenböcken gemacht«.

Zweiter Luftalarm für Lambrecht in Odessa

6.00 Uhr: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ist am frühen Sonntagmorgen von einem neuerlichen Luftalarm in der ukrainischen Hafenstadt Odessa geweckt worden. Mit anderen Mitgliedern ihrer Delegation musste die SPD-Politikerin um kurz vor 1.00 Uhr Schutz im Bunker ihres Hotels suchen. Nach etwa 20 Minuten wurde Entwarnung gegeben und die Ministerin konnte auf ihr Zimmer zurückkehren.

Lambrecht sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie sei im Schlaf von dem Alarm überrascht worden. Aus Sicherheitsgründen habe sie vor der Reise in die Ukraine ihr Mobiltelefon abgegeben, um zu verhindern, dass sie geortet werden könne. Andernfalls wäre sie wohl noch wach gewesen und hätte auf dem Handy gelesen, erzählte die Ministerin.

Schon am Samstagnachmittag gegen 15.30 Uhr musste Lambrecht während eines Treffens mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Olexij Resnikow wegen eines Luftalarms für 45 Minuten in einen Bunker gehen. Auch Odessa wird regelmäßig von der russischen Armee mit Raketen sowie von Drohnen aus beschossen. Die Ministerin war zum ersten Mal seit Kriegsbeginn in die Ukraine gereist.

rai/sak/jpa/dpa/Reuters
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