Russisches Militärlager auf der Krim, aufgenommen am 13. April 2021

Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine Russland baut ein neues Militärlager auf der Krim

Moskau beordert Zehntausende Soldaten an die Grenze zur Ukraine. Satellitenbilder zeigen, wie auf der annektierten Halbinsel Krim ein riesiges Militärlager mit mehr als tausend Fahrzeugen entstanden ist.
Von Alexander Epp und Christina Hebel, Hamburg und Moskau

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Seit Wochen verlegt Moskau Militäreinheiten in die Nähe der Ukraine. Auch auf die von Russland annektierte Krim rollen Züge mit Panzern, Haubitzen und Transportern. Im Osten der Schwarzmeerhalbinsel ist ein riesiges neues Armeelager entstanden, wie Satellitenbilder zeigen, die dem SPIEGEL vorliegen.

Etwa 30 Kilometer von der Ortschaft Marfiwka nahe der Küste hat das russische Militär nach und nach einen provisorischen Stützpunkt aufgebaut, wie diese Animation zeigt. War das Gelände am 15. März noch leer, sieht man bis zum 2. April immer mehr Fahrzeuge und Aufbauten in dem Gebiet:

Das Hauptlager, aufgenommen am 15. März 2021 und 2. April 2021

Analysiert man das Satellitenbild vom 13. April, befinden sich auf dem Gelände neben Unterkünften mehr als tausend Militärfahrzeuge, die in Reihen in umzäunten Bereichen stehen.

Das Hauptlager, aufgenommen am 13. April 2021

Zudem ist zu erkennen, dass neben einem Hauptlager auch ein kleineres Lager weiter westlich errichtet worden ist.

Das Nebenlager, aufgenommen am 13. April 2021

Bereits vergangene Woche war bekannt geworden, dass die russische Armee nahe der Millionenstadt Woronesch im Südwesten Russlands einen neuen provisorischen Stützpunkt errichtet hat. Der SPIEGEL war vor Ort und beobachtete , wie an dem Militärlager weitergebaut wurde. Gepanzerte Fahrzeuge und Lastwagen mit vor allem 76- und 87-Nummern waren unterwegs. Sie stammen aus dem zentralen Militärbezirk Russlands, Hunderte Kilometer von Woronesch entfernt.

Lokalisiert hatte das Militärlager auf einem Feld Ruslan Lewijew, ein Open-Source-Analyst. Mit seinem Team vom Conflict Intelligence Team (CIT) , das sich auf Recherchen zum russischen Militär spezialisiert hat, analysierte er Videos und Fotos, die Nutzer in sozialen Netzwerken hochgeladen hatten – vor allem auf der Plattform TikTok und dem russischen Facebook VKontakte. Darauf ist zu sehen, wie Panzer und schweres Gerät von Güterzügen auf Tieflader verladen wurden. Diese Aufnahmen und weitere Bilder von Bewohnern zweier am Militärlager gelegener Datschensiedlungen machten es Lewijew möglich, den Stützpunkt zu finden.

Im Gespräch mit dem SPIEGEL hatte er in der vergangenen Woche bereits die Vermutung geäußert, dass es weitere neue Militärlager der Armee gebe, auch auf der Krim. In den sozialen Medien  waren bereits zuvor Bilder von mit Raketenwerfern und Panzern beladenen Güterzügen auf der Brücke zur Krim aufgetaucht, die aus der Tausende Kilometer entfernten sibirischen Stadt Jurga stammen.

Lewijew spricht von der »größten Konzentration russischer Streitkräfte seit 2014 und 2015« in der Nähe der ukrainischen Grenze, nennt die Verlagerung der Truppen eine Machtdemonstration Russlands. Kiew und westliche Partner sprechen von 50.000 Bewaffneten und schwerem Gerät, das in der Grenzregion und auf der ohnehin schon hochgerüsteten Krim in Stellung gebracht wurde.

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