Mitten im Ukrainekrieg Moskau will erneut Flugabwehrsystem an Ankara liefern

Wladimir Putin wirbt für russische Waffen – und lässt ankündigen, dass auch die Türkei bald ein Flugabwehrsystem geliefert bekommt. Das Nato-Mitglied reagiert ausweichend.
Flugabwehrsysteme S-400 in der Nähe von Kaliningrad (im März 2019)

Flugabwehrsysteme S-400 in der Nähe von Kaliningrad (im März 2019)

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Vitaly Nevar/ REUTERS

Russland geht trotz des Ukrainekriegs weiter von einer zweiten Lieferung seiner hochmodernen Flugabwehr S-400 an das Nato-Mitglied Türkei aus. Der Vertrag sei unterschrieben, sagte der Leiter der russischen Behörde für Rüstungszusammenarbeit, Dmitri Schugajew, der Nachrichtenagentur Tass zufolge auf einer Rüstungsmesse bei Moskau. Die Übereinkunft sehe vor, dass ein Teil der Komponenten in der Türkei produziert werde.

Aus Ankara kam eine ausweichende Stellungnahme. Es gebe keine neuen Entwicklungen bezüglich der Beschaffung des Raketenabwehrsystems S-400, hieß es von der türkischen Verteidigungsindustrie. »Der Prozess wird gemäß der am ersten Tag getroffenen Vereinbarung fortgesetzt.«

Bereits im Jahr 2017 hatte die Türkei gegen Kritik aus der Nato einen ersten Kaufvertrag mit Russland über die S-400 geschlossen – Medienberichten zufolge über rund 2,5 Milliarden Dollar. Nach früheren Angaben sah der Vertrag die Lieferung von zwei S-400 vor, Russland lieferte das erste im Jahr 2019. Die Lieferung des zweiten Flugabwehrsystems war demnach bereits im ersten Vertrag enthalten.

Die Türkei testete die Waffe, stellte sie aber mit Blick auf US-Sanktionen nicht in Dienst. Die USA befürchteten, dass Russland durch das S-400-System Einblick in die Technik moderner amerikanischer Kampfflugzeuge bekommen könne. Sie stoppten die Auslieferung von US-Kampfjets F-35 an die Türkei. Das S-400-System kann anfliegende Flugzeuge und Raketen in einem Umkreis von 400 Kilometern bekämpfen.

Ankara pflegt gute Beziehungen zu Moskau und Kiew und hat in dem Krieg an mehreren Stellen zu vermitteln versucht.

Putin wirbt für russische Waffensysteme

Die Meldungen aus Russland kommen einen Tag, nachdem Präsident Wladimir Putin bei der Rüstungsmesse in der Nähe von Moskau die Werbetrommel für russische Waffensysteme gerührt hatte. »Wir sind bereit, unseren Verbündeten die modernsten Waffentypen anzubieten«, sagte Putin. Dabei nannte der russische Präsident Kleinwaffen, gepanzerte Fahrzeuge, Artillerie sowie Kampfflugzeuge und unbemannte Flugkörper.

Moskau dürfte damit seine in Verruf geratene Rüstungsindustrie stärken wollen. Westliche Militärexperten sind der Ansicht, dass potenzielle Käufer von russischen Waffen wie Indien aufgrund der Probleme der russischen Truppe und ihrer Waffen in der Ukraine abgeschreckt werden könnten. Seit Kriegsbeginn wurde viel über das Versagen des russischen Militärapparats diskutiert.

hba/dpa/Reuters
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