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Acht Milliarden – Putins Krieg »Russland will unter dem Schutz seiner Atomwaffen die bestehende Ordnung verändern«

Immer wieder droht Wladimir Putin mit Atomwaffen. Besonders in Deutschland wächst die Angst vor einer nuklearen Eskalation des Ukrainekriegs. Müssen wir mit diesen Sorgen leben lernen, Claudia Major?

»Die Gefahr eines Atomkrieges wächst, da gibt es nichts zu beschönigen. Unter keinen Umständen wird es einen Erstschlag Russlands geben. Wir haben allerdings eine Strategie für Atomwaffen: Diese Massenvernichtungswaffen zur Verteidigung einzusetzen, zum Schutz. Wenn wir angegriffen werden, schlagen wir zurück.«

Wladimir Putin ist ein Meister darin, Drohungen auszusprechen, die sich zunächst nicht wie Drohungen anhören. Wie diese Aussage, die Putin am Mittwoch dieser Woche äußerte. Vor dem von ihm selbst zusammengestellten »Menschenrechtsrat«, ausgerechnet. Aber der Aggressor aus Moskau spricht damit auch gezielt an, warum Nuklearwaffen als wichtigstes Instrument der Abschreckung eine Renaissance erfahren. Mehr noch: Russland versucht, die Regeln zu ändern.

»Das wahrscheinlich wichtigste Element in der veränderten nuklearen Ordnung für mich ist, dass Russland die Idee von Abschreckung mit Nuklearwaffen neu interpretiert«, sagt Claudia Major, Expertin für Sicherheits- und Verteidigungspolitik beim Berliner Thinktank Stiftung für Wissenschaft und Politik. »Es geht nämlich Russland nicht darum, die bestehende Ordnung zu bewahren und das eigene Territorium zu verteidigen. Sondern unter dem Schutz seiner Atomwaffen die bestehende Ordnung zu verändern, also Grenzen zu verschieben, Gebiete zu annektieren und die Ukraine als eigenständigen, souveränen Staat auszulöschen«.

Geht diese russische Taktik auf, könnte dieses Beispiel Schule machen und andere Nuklearmächte dazu animieren, unter dem Schutz ihrer Atomwaffen Grenzen zu verschieben. China zum Beispiel mit Blick auf Taiwan. Oder Nordkorea.

»Und das ist auch noch mal eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnt«, sagt Claudia Major im Podcast. »Also dass sie ihre territoriale Integrität und Souveränität herstellen kann, dass Russland aus dem Territorium der Ukraine zurückgeworfen wird«.

Aber wie kann der Westen, können die Nato und Europa auf diese Taktik reagieren? Was ist mit dem Traum von einer atomwaffenfreien Welt? Und warum kann man den europäischen Konfliktschauplatz nicht ohne die Konflikte im Indopazifik denken? Das erklärt Claudia Major in dieser Folge des SPIEGEL-Auslandspodcasts Acht Milliarden.

Die aktuelle Episode hören Sie hier:

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