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Acht Milliarden – Russlands Krieg gegen die Ukraine Die Wagner-Gruppe und ihre Bedeutung für Putin

Die Söldnertruppe Wagner betont selbstbewusst ihre Erfolge in der Ukraine. Chef Jewgeni Prigoschin traut sich sogar, Russlands militärische Führung harsch zu kritisieren. Wie groß ist sein Einfluss wirklich?

Wer darf Russlands militärische Führung kritisieren? Den Generalstabschef Walerij Gerassimow gar straflos »eine Schwuchtel« schimpfen?

Zum Beispiel Jewgeni Prigoschin, Chef der privaten Söldnertruppe »Gruppe Wagner«. Denn es waren angeblich zwei Wagner-Kämpfer, die jene diffamierende Bezeichnung für Gerassimow in einem Telegram-Kanal verwendeten. Prigoschin dementierte zwar später, ließ sich dafür aber mehrere Stunden Zeit. Eine Ewigkeit in Social-Media-Zeiträumen.

Bei den Kämpfen um die ukrainische Stadt Bachmut vermeldete die Wagner-Gruppe die Einnahme der Kleinstadt Soledar durch eigene Kräfte, ohne entscheidende Unterstützung der regulären russischen Armee. Zunächst dementierte der russische Generalstab noch, dann erkannte er die Verdienste der Söldner offiziell an. So viel Macht besitzt die Wagner-Gruppe inzwischen. Ihr Boss Jewgeni Prigoschin wird gern als »Putins Koch« bezeichnet, weil er damit Geld verdiente, Staatsbankette auszurichten, und das einzige Restaurant im Kreml betreibt. Ein viel zu niedlicher Ausdruck für einen Mann, dessen Söldner einen Deserteur aus den eigenen Reihen mit einem Vorschlaghammer folterten und töteten . Vor laufender Kamera.

Prigoschin nannte das Video zunächst »eine hervorragende Regiearbeit, die ich in einem Atemzug angesehen habe«. Sie müsse den Titel »Ein Hund verdient den Tod eines Hundes« tragen. Tags darauf teilte er mit, dass die Wagner-Gruppe nichts mit der Ermordung zu tun habe.

»Hinter den Kulissen gibt es eine große Konkurrenz zwischen Verteidigungsministerium, Armee und anderen Gruppen, die alle erfolgreich dastehen wollen«, erklärt Moskau-Korrespondentin Christina Hebel. »Aber Prigoschin, durch seine sehr mediale Präsenz und dadurch, wie er vorgeht, durch das sehr rabiate und rücksichtslose Vorgehen, kann anscheinend relativ viel machen, wenn nicht fast alles. Einen gefangenen Söldner vor laufender Kamera umbringen zu lassen und es gibt nicht wirklich eine Reaktion – das ist schon ein besonderes Ereignis.«

Und auch die militärische Abstimmung zwischen den Wagner-Söldnern und der russischen Armee weist Besonderheiten auf, wie SPIEGEL-Experte Oliver Imhof erklärt: »Es scheint da ein bisschen Reibungen zu geben. Also es wird davon geredet, dass die Wagner-Truppe in den meisten Fällen relativ privilegiert behandelt wird. Und Wagner hat sich jetzt in der Schlacht bei Bachmut sehr zu profilieren versucht.«

Dennoch hat wohl auch Prigoschins Einfluss Grenzen. Inzwischen wurde Walerij Gerassimow zum Oberbefehlshaber für die sogenannte Spezialoperation in der Ukraine bestimmt. Nach den Beschimpfungen auf Telegram.

Wie weit also reicht der Einfluss Jewgeni Prigoschins und seiner Wagner-Gruppe wirklich? Wie gehen die Söldner im Krieg vor? Und wie hilfreich ist die Angst, die Prigoschin mit seinem Vorgehen erzeugt, für Wladimir Putin? Darüber sprechen Oliver Imhof und Christina Hebel in dieser Episode des SPIEGEL-Auslandspodcasts Acht Milliarden.

Die aktuelle Folge hören Sie hier:

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