Gemeinsame Erklärung auf Twitter G7 verurteilen »abscheulichen Angriff« auf Einkaufszentrum in Krementschuk

Der Raketeneinschlag in der Ukraine mit mindestens 15 Toten sorgt für Bestürzung – auch in Elmau. »Wahllose Angriffe auf unschuldige Zivilisten sind ein Kriegsverbrechen«, schreiben die G7-Teilnehmer – und drohen Russland.
Rauchschwaden dringen aus dem Einkaufszentrum in Krementschuk

Rauchschwaden dringen aus dem Einkaufszentrum in Krementschuk

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Viacheslav Priadko / dpa

Aufnahmen vom verheerenden Einschlag einer Rakete in einem Einkaufszentrum in der Ukraine sind beim Gipfel der führenden demokratischen Wirtschaftsmächte im bayerischen Elmau mit Bestürzung aufgenommen worden. Das Gebäude in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk, in dem sich Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge mehr als tausend Zivilisten aufgehalten haben sollen, brannte nach dem Raketentreffer am Montagnachmittag aus. Mindestens 15 Menschen wurden laut dem Gouverneur des Gebiets Poltawa, Dmytro Lunin, getötet. Zuvor hatten die Behörden die Zahl der Todesopfer mit 13 angegeben.

Der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft zufolge sind bei den Behörden mindestens 40 Vermisstenanzeigen eingegangen. 59 Menschen seien medizinisch behandelt worden, rund die Hälfte von ihnen sei in einem ernsten Zustand.

Die G7 veröffentlichten bei Twitter eine gemeinsame Erklärung: »Wir verurteilen den abscheulichen Angriff auf ein Einkaufszentrum in Krementschuk auf das Schärfste. Wir werden nicht ruhen, bis Russland seinen brutalen und sinnlosen Krieg gegen die Ukraine beendet«, heißt es in der Mitteilung.

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»Wahllose Angriffe auf unschuldige Zivilisten sind ein Kriegsverbrechen«, erklärten die Staats- und Regierungschefs der sieben Länder am Montagabend weiter. Russlands Präsident Wladimir Putin und weitere Verantwortliche »müssen zur Rechenschaft gezogen werden«. Zur G7-Runde führender demokratischer Wirtschaftsmächte gehören neben Deutschland und den USA auch Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. Zudem nehmen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel am Gipfel teil.

»Dieser entsetzliche Angriff zeigt erneut, zu welchem Ausmaß an Grausamkeit und Barbarei der russische Staatschef (Wladimir Putin) fähig ist«, hatte der britische Premierminister Boris Johnson zuvor am Rande des Treffens, zu dem Bundeskanzler Olaf Scholz eingeladen hatte, gesagt.

Keine Reaktion aus Moskau

Aus Moskau gab es zunächst keine Reaktion auf den Vorwurf, russische Truppen seien verantwortlich für den Raketeneinschlag. Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte handelte es sich um Luft-Boden-Raketen des Typs X-22, die von Tu-22-Langstreckenbombern aus dem russischen Gebiet Kursk abgefeuert worden seien.

Die G7-Staaten sagten zugleich weitere Unterstützung für die Ukraine zu. Deren per Video zugeschalteter Präsident Selenskyj begrüßte den geplanten Erlass weiterer Sanktionen gegen Moskau, wobei Kiew besonders auf eine Preisdeckelung für russische Erdölexporte setzt.

G7 und Nato erhöhen den Druck

Im Mittelpunkt der neuen Sanktionen sollen laut Erklärung der G7 die Rüstungsindustrie und der Technologiesektor stehen. Auch Russlands Goldexporten als Einnahmequelle für die Kriegsmaschinerie wollen die Staats- und Regierungschefs einen Riegel vorschieben. Der Kreml kündigte an, in diesem Fall neue Absatzmärkte zu erschließen.

Flankiert wurde die Stellungnahme der G7 von einem deutlichen Signal der Nato an Russland. Einen Tag vor dem Beginn des Nato-Gipfels am Dienstag in Madrid kündigte Generalsekretär Jens Stoltenberg an, die Allianz werde die Zahl ihrer schnellen Eingreifkräfte um ein Vielfaches erhöhen – von rund 40.000 auf mehr als 300.000.

Angriff löst Entsetzen aus

Am Dienstag (21.00 Uhr MESZ) will der Uno-Sicherheitsrat zu dem Angriff in Krementschuk beraten, wie Diplomaten in New York am Montag mitteilten. Das Treffen war auf Bitten der Ukraine anberaumt worden.

EU-Ratspräsident Charles Michel sprach von einem »schrecklich wahllosen« russischen Raketenangriff. Die Einschüchterungstaktik Russlands werde aber nicht funktionieren, zeigte er sich bei Twitter überzeugt. Das französische Außenministerium kritisierte die Attacke als weitere entsetzliche Verletzung des humanitären Völkerrechts. Russland werde sich für diese Taten verantworten müssen.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Monaten gegen die russische Invasion. Die Vereinten Nationen haben bisher über 4700 zivile Todesopfer erfasst, gehen aber wie die Regierung in Kiew von weitaus höheren Opferzahlen aus.

Auch in der Stadt Lyssytschansk in der Ostukraine kamen am Montag mehrere Menschen durch einen Raketenangriff ums Leben. Behördenangaben zufolge starben acht Menschen, die sich vor einem Tankwagen anstellten, um Trinkwasser zu bekommen. In der Stadt Charkiw wurden nach Angaben der regionalen ukrainischen Befehlshabers Oleg Sinegubow bei russischem Beschuss fünf Zivilisten getötet und 22 weitere verletzt.

bbr/ngo/dpa/afp
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