Erste Ausfuhr seit Kriegsbeginn Ukrainischer Getreidefrachter erreicht Istanbul deutlich später als geplant

Erstmals seit Kriegsbeginn konnte ein ukrainisches Frachtschiff den Hafen von Odessa verlassen. Nun sollte es schon durch den Bosporus sein – doch die türkischen Behörden bremsen die Erwartungen.
Türkischer Admiral Özcan Altunbulak bei einer Pressekonferenz zur Fahrt der »Razoni« in Istanbul

Türkischer Admiral Özcan Altunbulak bei einer Pressekonferenz zur Fahrt der »Razoni« in Istanbul

Foto: Erdem Sahin / EPA

Ursprünglich war die »Razoni« für den frühen Nachmittag angekündigt – nun wird das seit Beginn des russischen Angriffskrieges erste aus der Ukraine ausgelaufene Getreideschiff in der Nacht in Istanbul anlegen. Das erklärte der türkische Admiral Özcan Altunbulak, Chef des Koordinationszentrums für Getreideexporte aus der Ukraine, in Istanbul. Das mit Mais beladene Frachtschiff werde entsprechend erst am Mittwochmorgen inspiziert werden. Vertreter Russlands, der Ukraine, der Türkei und der Uno würden die Fracht in Augenschein nehmen.

Das Schiff war den Angaben zufolge am Montag kurz nach 8 Uhr mit 26.000 Tonnen Mais an Bord vom ukrainischen Hafen Odessa gestartet. Ziel ist der libanesische Hafen Tripoli. Das Schiff sollte ursprünglich heute Nachmittag in Istanbul ankommen. Die Verzögerung erklärte der türkische Admiral mit dem Seegang. Das Schiff soll in der Türkei nicht in den Hafen einlaufen, sondern vor Istanbul vor Anker gehen, wo es dann auf See inspiziert wird.

Die »Razoni« befand sich am Morgen nach Daten der Website »Marine Traffic« vor der bulgarischen Küste. In der Nacht hatte das Schiff über acht Stunden lang sein automatisches Identifikationssystem abgeschaltet, mit dem seine Route verfolgt werden kann, bevor es sich am Morgen wieder mit dem System verband. Das türkische Verteidigungsministerium gab keine Begründung für dieses Manöver, durch das das Schiff von den Radarschirmen verschwand.

Einigung auf Getreideexport

Millionen Tonnen Getreide hängen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine Ende Februar in Schwarzmeerhäfen fest. Am 22. Juli hatten die Ukraine und Russland sich auf ein von der Türkei und den Vereinten Nationen vermitteltes Abkommen zum Getreideexport geeinigt. Die Ukraine und Russland verpflichten sich darin, sichere Korridore für die Frachtschiffe auf dem Schwarzen Meer zu respektieren und dort auf militärische Aktivitäten zu verzichten.

Am vergangenen Mittwoch war in Istanbul das im Abkommen vorgesehene Koordinationszentrum für den Getreideexport eröffnet worden. Dort sollen Vertreter der Ukraine und Russlands sowie der Türkei und der Vereinten Nationen künftig gemeinsam die sichere Durchfahrt ukrainischer Frachtschiffe auf den festgelegten Routen überwachen. Die Schiffe sollen außerdem in Istanbul bei ihrer Ankunft und Abfahrt inspiziert werden, um heimliche Waffenlieferungen zu verhindern.

DER SPIEGEL

Die Türkei rechnet damit, dass in nächster Zeit in etwa ein Getreideexportschiff pro Tag die ukrainischen Häfen am Schwarzen Meer verlassen kann. Das sagte ein hochrangiger türkischer Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur Reuters. »Wenn nichts schiefgeht, sollten Ausfuhren mit einem Schiff pro Tag für eine Weile möglich sein.«

Die Ukraine zählte – wie Russland – bisher zu den größten Getreideexporteuren der Welt. Die Häfen am Schwarzen Meer wie Odessa konnten zuletzt wegen der Blockade durch russische Streitkräfte nicht wie gewohnt genutzt werden. Das hat bereits zu steigenden Preisen und Engpässen in einigen vornehmlich ärmeren Ländern geführt.

mrc/AFP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.