Russischer Außenminister Lawrow spricht von »echter Gefahr« für Atomkrieg

Im russischen Staatsfernsehen hat sich Minister Sergej Lawrow in deutlichen Worten zum Krieg in Osteuropa geäußert – und zur Rolle der Nato. Dem ukrainischen Präsidenten warf er Schauspielerei vor.
Sergej Lawrow, Außenminister von Russland

Sergej Lawrow, Außenminister von Russland

Foto: Jean-Christophe Bott / dpa

Der russische Außenminister Sergej Lawrow bezeichnet die Gefahr eines Konflikts mit Nuklearwaffen derzeit als ernst. Die zentrale Position Russlands sei es, diese Bedrohung auszuschließen, erklärt Lawrow in einem Interview des Staatsfernsehens laut einer auf der Seite des Außenministeriums veröffentlichten Mitschrift. »Ich möchte diese Risiken nicht künstlich erhöhen. Viele würden das gern tun. Die Gefahr ist ernst, real. Und wir dürfen sie nicht unterschätzen.«

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Mit Blick auf das Verhalten des Westens sagte Lawrow, die Nato befinde sich »praktisch« im Krieg mit Russland. Das westliche Militärbündnis will genau einen solchen offenen Konflikt – mit unabsehbarem Eskalationspotenzial – unbedingt vermeiden. In der Darstellung des russischen Ministers allerdings bedeutet allein schon die Bewaffnung der Ukraine durch den Westen ein Eingreifen in den Krieg.

Die Nato-Staaten hatten zuletzt immer wieder militärische Hilfen an Kiew zugesagt und geliefert. Lawrow bezeichnete solche Waffenlieferungen in der Ukraine als »rechtmäßige Ziele« russischer Angriffe. Entsprechende Attacken habe es auf Militärdepots im Westen des Landes gegeben, so Lawrow: »Wie sollte es auch anders sein?«

Der Kremlvertreter sagte zudem, dass der Krieg mit einer Vereinbarung mit der Regierung in Kiew enden werde. Der Inhalt hänge von der militärischen Situation ab. Lawrow kritisiert zugleich das Verhalten der ukrainischen Regierung in Bezug auf Friedensgespräche: Die Ukraine täusche Verhandlungen nur vor.

Vorwürfe gegen die Führung in Kiew

Russland werde die Verhandlungen mit der ukrainischen Delegation fortsetzen, sagte Lawrow. Er betonte zugleich: »Der gute Wille hat seine Grenzen.« Wenn er nicht auf »Gegenseitigkeit« beruhe, »hilft dies dem Verhandlungsprozess nicht«.

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Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj warf Lawrow vor, nur »vorzutäuschen«, dass er verhandle. »Er ist ein guter Schauspieler«, sagte Lawrow unter Anspielung auf Selenskyjs frühere Karriere als Komiker und Seriendarsteller. »Wenn Sie aufmerksam beobachten und lesen, was er sagt, finden Sie eintausend Widersprüche.«

Mit Blick auf ein mögliches Abkommen zur Beendigung des Konflikts in der Ukraine sagte Lawrow, die »Rahmenbedingungen« einer solchen Vereinbarung würden vom »Stand der Kampfhandlungen« abhängen, die zum Zeitpunkt des »Realwerdens des Abkommens stattgefunden haben werden«.

jok/AFP
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