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Acht Milliarden – Putins Krieg Wie lange hält die russische Propaganda?

Niederlagen auf dem Schlachtfeld, chaotische Mobilmachung, Kritik am Kreml: Es wird für Wladimir Putin immer schwerer, dem russischen Volk den Krieg zu verkaufen.

Sergej Shoigu ist schuld.

Zumindest wenn es nach der Meinung vieler Kommentatoren in russischen Medien geht, trägt der Generalstab die Verantwortung für die Misserfolge im Krieg gegen die Ukraine. Und Shoigu ist Russlands Verteidigungsminister.

Der stellvertretende Statthalter Russlands in der Region Cherson, ein Mann namens Kirill Stremusow, legte Putins oberstem Feldherr nun gar nahe, sich umzubringen: »Viele sagen: Wenn man ein Verteidigungsminister wäre, der eine solche Situation zugelassen hat, könnte man sich als Offizier durchaus erschießen«, sagte er am Donnerstag.

Die erfolgreiche Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte, die bislang chaotische Durchführung der daraufhin angeordneten Mobilmachung und die anhaltenden Versuche, die Ereignisse propagandagerecht schönzureden, erzürnen selbst die treuesten Befürworter des völkerrechtswidrigen Kriegs in den russischen Medien. Margarita Simonjan zum Beispiel, die Chefin des Propagandasenders »Russia Today«, gehörte stets zu den lautesten Stimmen, die eine Ausweitung des Kriegs forderten, zur Not mit Atomwaffen. Jetzt sammelt sie in ihrem Telegram-Kanal absurde Fälle von Zwangsrekrutierungen, darunter Blinde oder Männer mit bekannten Herzschwächen.

Ein Ventil für den Unmut des Volkes

»Mein Eindruck ist, dass diese Fernsehpropagandisten diejenigen sind, die jetzt die Sorge der Bevölkerung so ein bisschen aufnehmen«, sagt SPIEGEL-Redakteurin Ann-Dorit Boy im Podcast, »und weil sie eben öffentliche Gesichter sind, funktionieren sie so als Ventil für diesen Unmut«.

Und dieses Ventil erscheint inzwischen notwendig, denn die schöne Fassade des gerechten Krieges gegen Nazis, Satanisten oder andere vom Kreml angeführte Rechtfertigungen bekommt Risse. Durch russische Militärblogger, die minutiös die Situation auf den Schlachtfeldern kommentieren. Und durch furchtbare Szenen an den Sammelstellen für zwangsrekrutierte Menschen.

»Es herrscht ein Klima der Angst. In den Familien verstecken die Menschen ihre Söhne, ihre Männer. Keiner weiß, was passiert«, berichtet Moskau-Korrespondentin Christina Hebel. »Wir sind hier in einer Phase der großen Verunsicherung. Wenn man in den sozialen Medien sieht, was dort für Videos kursieren: Von Männern, die eingezogen wurden, dann auf der Straße warten müssen, nicht wissen, wo es hingeht, sich dort Feuer machen müssen und nicht wissen, ob sie überhaupt noch Sold bezahlt bekommen, um ihre Familien zu ernähren.«

Wie groß ist der Einfluss der Hardliner in russischen Medien, im Staatsfernsehen und in einschlägigen Telegram-Gruppen? Was bedeutet der veränderte Tonfall regimetreuer Kriegstreiber? Wie lange hält die russische Propaganda?

Darüber sprechen Ann-Dorit Boy und Christina Hebel in dieser Episode des SPIEGEL-Auslandspodcasts »Acht Milliarden«.

Die aktuelle Folge hören Sie hier:

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