Schwer verletzter Schriftsteller Rushdie-Angreifer wegen versuchten Mordes angeklagt

Ein 24-Jähriger stach auf offener Bühne auf den Autor Salman Rushdie ein. Nun geht die Staatsanwaltschaft gegen ihn vor – wegen versuchten Mordes und Körperverletzung.
Rettungskräfte transportieren Rushdie nach der Attacke in Chautauqua

Rettungskräfte transportieren Rushdie nach der Attacke in Chautauqua

Foto: @HoratioGates3 / EPA

Der Mann, der verdächtigt wird, den Schriftsteller Salman Rushdie am Freitag angegriffen zu haben, ist wegen versuchten Mordes und Körperverletzung angeklagt worden. Das teilte der Bezirksstaatsanwalt von Chautauqua County im Bundesstaat New York mit. Demnach wurde der Mann am Abend wegen dieser Vorwürfe angeklagt und ohne Kaution in Untersuchungshaft genommen.

Rushdie war am Freitag bei einer Lesung im Ort Chautauqua im Bundesstaat New York von einem 24-Jährigen auf offener Bühne angegriffen und mit Messerstichen an Hals und Bauch schwer verletzt worden . Der mutmaßliche Attentäter hatte eine Eintrittskarte – und offenbar »Sympathien für schiitischen Extremismus«.

Weltweit ist das Entsetzen groß. »Diese Gewalttat ist entsetzlich«, sagte der nationale Sicherheitsberater Jack Sullivan laut Mitteilung des Weißen Hauses. Alle in der Regierung von US-Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris beteten für die baldige Genesung des 75-Jährigen. Sullivan dankte außerdem den Bürgern und Einsatzkräften, die Rushdie »nach dem Angriff so schnell geholfen« hätten.

Rushdies Werk »Die satanischen Verse« wurde im Jahr 1988 in Iran verboten, viele Muslime betrachteten es als blasphemisch. Der damalige iranische Führer Ayatollah Ruhollah Khomeini erließ eine Fatwa, die zu Rushdies Tötung aufforderte. Inzwischen ist ein Kopfgeld von mehr als drei Millionen US-Dollar auf ihn ausgesetzt.

Ein japanischer Übersetzer des Werks wurde später tatsächlich getötet. Rushdie musste untertauchen, erhielt Polizeischutz. In einem SPIEGEL-Gespräch von 2015 sagte Rushdie: »Meine Angst wächst nicht. Seit 16 Jahren gibt es keinen Sicherheitsdienst mehr für mich.« Und: »Wenn Sie heute einem jungen Menschen die Geschichte der Todesdrohung gegen mich erzählen, klingt das für ihn wohl wie ein Märchen aus längst vergangener Zeit.«

Nach Angaben seines Verlags aus dem vergangenen Jahr habe die Fatwa für Rushdie inzwischen längst keine Bedeutung mehr. Er sei nicht mehr eingeschränkt in seiner Bewegungsfreiheit und brauche auch keine Bodyguards mehr. Die Jahre des Versteckens gingen jedoch nicht spurlos an ihm vorüber. Er verarbeitete diese Zeit in der nach seinem Aliasnamen benannten Autobiografie »Joseph Anton« aus dem Jahr 2012.

asa
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