Messerattacke auf Salman Rushdie »Nichts kann diesen Angriff rechtfertigen«

Weltweit äußern Politiker und Schriftsteller ihr Entsetzen über den Messerangriff auf Salman Rushdie. In iranischen Medien fallen die Reaktionen jedoch anders aus.
Salman Rushdie: Mit Messerstichen verletzt worden

Salman Rushdie: Mit Messerstichen verletzt worden

Foto: Joel Saget / AFP

Die US-Regierung hat den schweren Messerangriff auf Schriftsteller Salman Rushdie verurteilt. »Diese Gewalttat ist entsetzlich«, sagte der nationale Sicherheitsberater Jack Sullivan laut Mitteilung des Weißen Hauses. Alle in der Regierung von US-Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris beteten für die baldige Genesung des 75-Jährigen. Sullivan dankte außerdem den Bürgern und Einsatzkräften, die Rushdie »nach dem Angriff so schnell geholfen« hätten.

Rushdie war am Freitag bei einer Lesung im Ort Chautauqua im Bundesstaat New York von einem 24-Jährigen auf offener Bühne angegriffen und mit Messerstichen an Hals und Bauch schwer verletzt worden. Weltweit ist das Entsetzen groß.

DER SPIEGEL

»Hass und Barbarei haben feige zugeschlagen«

So auch bei Uno-Generalsekretär António Guterres. »In keinem Fall ist Gewalt eine Antwort auf Worte, die von anderen in Ausübung ihrer Meinungs- und Ausdrucksfreiheit gesprochen oder geschrieben wurden«, teilte ein Sprecher mit. Guterres wünsche Rushdie baldige Genesung.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verurteilte den Angriff ebenfalls. »Hass und Barbarei haben feige zugeschlagen.« Rushdie verkörpere seit 33 Jahren die Freiheit und den »Kampf gegen den Obskurantismus«, erklärte Macron. »Sein Kampf ist unser Kampf.«

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) gab dem Iran eine Mitverantwortung für die Messerattacke. »Für diese schreckliche Bluttat tragen auch die Verantwortung, die Salman Rushdie seit Jahrzehnten verfolgt und mit dem Tod bedroht haben«, sagte Faeser der »Bild am Sonntag«. »Salman Rushdie ist ein großer, mutiger Kämpfer für die Freiheit des Wortes und die Freiheit der Kunst. Er hat sich nie einschüchtern lassen. Der Mordanschlag auf ihn ist ein furchtbares Verbrechen. Wir alle wünschen ihm sehr, dass er die schweren Verletzungen übersteht und wieder gesund wird.«

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) bezeichnete die Attacke als Angriff auf die Freiheit der Literatur und die Freiheit des Denkens. Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) zeigte sich erschüttert und wünschte Rushdie gute Besserung. Der Grünen-Co-Vorsitzende Omid Nouripour schrieb von der schlimmsten »Frucht eines Hasses, der seit Jahrzehnten vom iranischen Regime geschürt und finanziert wird.«

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»Harry Potter«-Autorin Joanne K. Rowling drückte ebenfalls ihre Bestürzung aus und schrieb nach der Attacke von »entsetzlichen Neuigkeiten«. Bestsellerautor Stephen King twitterte, er hoffe, Rushdie sei okay.

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Schriftsteller T.C. Boyle nannte Rushdie einen alten und lieben Freund sowie einen brillanten und entzückenden Menschen. »Ich wünsche ihm eine schnelle und vollständige Genesung und schicke die Fanatiker, gleich welcher Couleur, in die letzten Winkel der Hölle.«

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Die indische Autorin und politische Aktivistin Arundhati Roy sagte der britischen Zeitung »Guardian« : »Ich bin über alle Maßen schockiert und traurig. Nichts kann diesen Angriff rechtfertigen.«

Nigella Lawson, britische Buchautorin und berühmte Fernsehköchin, gilt als langjährige Freundin Rushdies. Sie schrieb auf Twitter: »So eine schockierende Nachricht, dass auf Salman Rushdie eingestochen wurde. Das ist entsetzlich. Bin verstört.«

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Im Gespräch mit dem »Guardian« sagte der in Japan geborene englische Schriftsteller Kazuo Ishiguro: »Er war in all den Jahren unglaublich mutig.« Rushdie sei trotz der Gefahren, die nie gewichen seien, ständig für das Recht auf freie Meinungsäußerung und freies Denken eingetreten – und habe dabei sein Leben aufs Spiel gesetzt.

Der 1947 im indischen Bombay (heute Mumbai) geborene Rushdie war vor mehr als 30 Jahren per Fatwa zum Tode verurteilt worden: Wegen seines Werks »Die satanischen Verse« aus dem Jahr 1988 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini das religiöse Rechtsdokument veröffentlicht, das zur Tötung des Autors aufforderte. Einige Muslime fühlten sich durch Rushdies Buch in ihrem religiösen Empfinden verletzt.

Die französische Satirezeitung »Charlie Hebdo« schrieb am Samstag in ihrer Onlineausgabe: »Nichts rechtfertigt eine Fatwa, ein Todesurteil.«

Medien in Iran feiern Angreifer

In iranischen Medien wurde der Messerangriff begrüßt. In der regierungsnahen Zeitung »Kayhan«, deren Chefredakteur von Irans weltlichem und geistlichem Oberhaupt Ali Chamenei ernannt wird, hieß es am Samstag: »Tausend Bravos … für die mutige und pflichtbewusste Person, die den abtrünnigen und bösen Salman Rushdie in New York angegriffen hat.« Weiter hieß es: »Die Hand des Mannes, der dem Feind Gottes den Hals umgedreht hat, muss geküsst werden.« Die Zeitung »Chorasan« brachte die Schlagzeile: »Satan auf dem Weg zur Hölle«.

wit/dpa/Reuters
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