Angriffe in Saporischschja Russland und Ukraine werfen sich Beschuss von Atomkraftwerk vor

Ein Block des Atomkraftwerks Saporischschja musste abgeschaltet werden, weil bei einem Angriff eine Hochspannungsleitung zerstört wurde. Beide Kriegsparteien weisen sich gegenseitig die Schuld für die Attacke zu.
Atomkraftwerk bei Saporischschja

Atomkraftwerk bei Saporischschja

Foto: Dmytro Smolyenko; / imago images / Ukrinform

Moskau und Kiew haben sich gegenseitig den Beschuss des von Russland besetzten ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja vorgeworfen. Der ukrainische Atomkonzern Enerhoatom teilte mit, dass beim Beschuss eine Hochspannungsleitung zum benachbarten Wärmekraftwerk beschädigt worden sei. Ein Block des Atomkraftwerks sei heruntergefahren worden.

In Teilen der Stadt Enerhodar, in der das Kraftwerk liege, seien Strom- und Wasserversorgung ausgefallen, teilte das russische Verteidigungsministerium am Abend mit. Zudem habe ein Block des Kraftwerks teilweise abgeschaltet werden müssen. Ein Brand auf dem Werksgelände habe gelöscht werden können. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Von ukrainischer Seite hieß es hingegen, die Russen hätten das Gelände selbst beschossen. Das ukrainische Nachrichtenportal Hromadske berichtet auf Twitter , zwei Gebäude seien beschädigt worden, es bestehe die Gefahr von Feuer sowie des Austretens von Wasserstoff und Radioaktivität.

Außenministerium warnt: Treffer von Reaktor im Betrieb sei wie eine Atombombe

Das ukrainische Außenministerium appellierte an die internationale Gemeinschaft, sich dafür einzusetzen, dass die Russen den Ukrainern die Kontrolle über das Akw zurückzugeben. Sollte ein Reaktor im Betrieb getroffen werden, seien die möglichen Folgen »gleichbedeutend mit dem Einsatz einer Atombombe«, warnte die Behörde in Kiew.

Der geflohene Bürgermeister von Enerhodar, Dmytro Orlow, warnte die verbliebenen Bürger, dass Wohngebiete vom Kraftwerksgelände aus beschossen würden. Auch der britische Geheimdienst kam kürzlich zu der Einschätzung, dass Aktionen der russischen Streitkräfte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sicherheit des Kraftwerks Saporischschja gefährden.

IAEA: Prüfung von Saporischschja dringend erforderlich

Erst vor wenigen Tagen hatte sich die Internationale Atomenergiebehörde IAEA besorgt gezeigt angesichts der Lage um das Kraftwerk, das mit sechs Blöcken und einer Leistung von 6000 Megawatt das größte Atomkraftwerk Europas ist. Eine Inspektion zur Prüfung der technischen Sicherheit sei dringend erforderlich, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi. Aber es sei momentan sehr schwierig für die IAEA, überhaupt ins Kriegsgebiet nach Saporischschja zu kommen.

Im März hatte Russland das Atomkraftwerk Saporschschja besetzt. Schon damals war es direkt auf dem Gelände zu Gefechten und Bränden gekommen. Danach wurde das Kernkraftwerk von ukrainischem Personal weiterbetrieben, aber von russischen Nuklearspezialisten überwacht.

US-Außenminister Antony Blinken hatte Moskau vorgeworfen, die Anlage als Militärbasis zu nutzen und von dort aus Ukrainer anzugreifen, wohlwissend, »dass diese nicht zurückschießen können und wollen, weil sie versehentlich einen Atomreaktor oder dort gelagerten hochradioaktives Abfall treffen könnten«.

mgo/dpa/Reuters/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.