Pressefreiheit BBC-Korrespondentin soll »nie mehr nach Russland zurückkehren« dürfen

Die Moskauer BBC-Reporterin Sarah Rainsford verbrachte fast ein Drittel ihres Lebens in Russland. Nun wird sie offenbar aus politischen Gründen ausgewiesen – und zeigt sich »schockiert«.
BBC-Korrespondentin Sarah Rainsford: »Schockierend und niederschmetternd«

BBC-Korrespondentin Sarah Rainsford: »Schockierend und niederschmetternd«

Foto: - / dpa

Die BBC-Korrespondentin Sarah Rainsford hat ihre angekündigte Ausweisung aus Russland als »niederschmetternd« bezeichnet. Die russischen Behörden hätten ihr mitgeteilt, dass sie nach Ablauf ihres Visums Ende August »nie mehr nach Russland zurückkehren« dürfe, sagte Rainsford dem Radiosender BBC 4, dies komme einer »Vertreibung« gleich. Sie habe fast ein Drittel ihres Lebens in Russland verbracht, sagte die Journalistin.

Das russische Staatsfernsehen hatte zuerst über Rainsfords Ausweisung berichtet. Die Entscheidung ist demnach eine Antwort auf die britische Politik gegenüber der Regierung in Moskau und markiert eine weitere Eskalation in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen. »In letzter Zeit hatten vor allem unabhängige russische Journalisten ernsthafte Probleme, aber als ausländische Presse waren wir bis jetzt irgendwie von all dem abgeschirmt«, sagte Rainsford.

Die Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland sind seit Jahren angespannt. London wirft dem Kreml unter anderem vor, hinter dem Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal im englischen Salisbury 2018 zu stecken.

»Jetzt sind sie hinter der Presse her«

Rainsford zeigte sich »schockiert« über die Entscheidung der russischen Behörden. »Ich habe es wirklich geliebt, zu versuchen, der Welt Russlands Geschichte zu erzählen. Es ist aber eine zunehmend schwierige Geschichte«, sagte sie. Einen großen Teil ihrer Zeit als Reporterin habe sie vor Gericht verbracht, da derart viele Leute wegen ihrer politischen Ansichten verfolgt wurden – »letztendlich, weil sie zu kritisch waren. Und jetzt sind sie hinter der Presse her.«

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Die Journalistin erinnerte an die Neunzigerjahre, die eine »Zeit neuer und aufregender Freiheiten für Russland« gewesen seien. Während ihrer Karriere in dem Land habe sie den Weg nachgezeichnet, auf dem »diese Freiheiten verringert und verringert und verringert« worden seien.

BBC kritisiert »direkten Angriff auf die Medienfreiheit«

Die BBC hatte die Ausweisung ihrer langjährigen Russland-Korrespondentin als »direkten Angriff auf die Medienfreiheit« angeprangert. BBC-Generaldirektor Tim Davie bezeichnete Rainsford als »außergewöhnliche und furchtlose Journalistin«. Sie habe »unabhängige und gründlich recherchierte Berichte über Russland und die ehemalige Sowjetunion« geliefert.

Die russischen Behörden kritisieren immer wieder öffentlich die westliche Berichterstattung über Russland und verurteilen Artikel oder Reportagen regelmäßig als russlandfeindlich. Ausweisungen von Journalisten und Journalistinnen waren bisher jedoch selten.

rai/AFP
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