Sarajevo Jüdische Gemeinde kritisiert geplante Gedenkfeier für kroatische Faschisten

Der Erzbischof von Sarajevo will am Wochenende eine Gedenkmesse für 1945 getötete Milizionäre abhalten. Die Veranstaltung soll das jährliche Gedenken von Rechtsextremen im österreichischen Bleiburg ersetzen.
Erzbischof Vinko Puljic

Erzbischof Vinko Puljic

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? Danilo Krstanovic / Reuters/ REUTERS

Jedes Jahr im Mai finden in der Nähe der südösterreichischen Stadt Bleiburg Gedenkfeiern statt, die an getötete kroatische Faschisten erinnern sollen. Die Veranstaltungen sind berüchtigt, auch weil immer wieder Nazi-Insignien gezeigt werden. Wegen Reise- und Versammlungsbeschränkungen in der Corona-Pandemie können die Feiern nicht stattfinden - doch auch die Alternative sorgt für Empörung.

Anstelle der Feiern in Bleiburg ist eine Gedenkmesse in der Kathedrale der bosnischen Hauptstadt Sarajevo geplant, Erzbischof Vinko Puljic soll die Messe am Samstag lesen. Vertreter der jüdischen Gemeinde Bosniens machen ihm daher schwere Vorwürfe: "Diese Messe wird der Schlächter unserer Mütter, Väter, Großväter und all der unschuldigen Mitbürger gedenken, die vom faschistischen 'Unabhängigen Staat Kroatien' getötet wurden", kritisierten Boris Kozemjakin und Jakob Finci, die Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Sarajevos und Bosnien-Herzegowinas.

Das Vorhaben rief auch bei den meisten Parteien, der serbisch-orthodoxen Kirche und jüdischen Verbänden Empörung hervor. Kardinal Puljic wies hingegen die Vorwürfe zurück und erklärte, das Beten für die Seelen der Toten bedeute keine Zustimmung zu ihren Taten.

Briten lehnten Kapitulation von Milizionären ab

Der an der Seite von Hitler-Deutschland kämpfende "Unabhängige Staat Kroatien" (NDH) verfolgte und tötete während des Zweiten Weltkriegs Hunderttausende Serben, Juden und antifaschistische Kroaten. Der NDH umfasste damals Bosnien und Teile Serbiens.

Gegen Kriegsende flohen Angehörige der faschistischen kroatischen Ustascha-Miliz zusammen mit Zivilisten sowie slowenischen und serbischen Kollaborateuren nach Österreich, um sich den britischen Streitkräften zu ergeben. Die Briten lehnten die Kapitulation jedoch ab.

Die Ustascha-Angehörigen wurden von kommunistischen Partisanen unter der Führung von Josip Broz Tito in der Grenzregion zwischen Österreich und Slowenien gefangen genommen und getötet. Die Zahl der Toten ist umstritten, Historiker schätzen sie jedoch auf Zehntausende.

Die jährlichen Feiern in Bleiburg stehen unter der Schirmherrschaft des kroatischen Parlaments und werden von der katholischen Kirche in Bosnien und Kroatien mitorganisiert.

mes/AFP
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