Umstrittenes Kafala-System Saudi-Arabien will Gastarbeitern mehr Rechte zugestehen

Das umstrittene Kafala-System in arabischen Ländern liefert Angestellte ihren Hausherren aus. Nun kündigt Saudi-Arabien überraschend an, das System zu kippen.
Gastarbeiter am Golf: Ein ausländischer Arbeiter ruht sich auf einer Baustelle in Dubai aus

Gastarbeiter am Golf: Ein ausländischer Arbeiter ruht sich auf einer Baustelle in Dubai aus

Foto: AHMED JADALLAH/ REUTERS

In Saudi-Arabien sind die Rechte von Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern stark eingeschränkt. Das sogenannte Kafala-System bindet bislang ausländische Arbeiter fest an einen einheimischen Bürgen. Immer wieder kommen Berichte ans Licht, dass Angestellte von diesen Bürgen gefoltert und misshandelt werden.

Nun hat Saudi-Arabien überraschend Lockerungen des umstrittenen Systems angekündigt. Arbeiterinnen und Arbeiter aus dem Ausland brauchen demnach nicht länger die Erlaubnis ihres saudischen Vormunds, um den Job zu wechseln, auf Reisen zu gehen oder das Land wieder zu verlassen. Das verkündete das saudische Ministerium für Arbeit und Soziales auf Facebook . Bisher konnten saudische Arbeitgeber ihren Angestellten diese Dinge verwehren.

"Die Änderungen sind enorm"

Vor allem als Kindermädchen oder Reinigungshilfen angestellte Gastarbeiterinnen wurden so oft in saudischen Haushalten gefangen gehalten. Flüchteten sie, hatten die Arbeitgeber das Recht, sie anzuzeigen. Das solle nun nicht mehr möglich sein, versprach der Vizeminister für Arbeit und Soziales, Sattam Al-Harbi, in einem Interview mit "Bloomberg" .

"Die Maßnahmen sind keine kleinen Änderungen, das ist enorm", so der Vizeminister. Im März 2021 sollen sie in Kraft treten. "Wir wollen Saudi-Arabien in einen dynamischeren und effizienteren Arbeitsmarkt verwandeln", sagt Al-Harbi. Dazu gehöre, das Land für Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter attraktiver zu machen.

Mehr als zehn Millionen Arbeitende betroffen

Sollten die Änderungen tatsächlich so umgesetzt werden, wäre das ein großer Schritt. Im Land leben mehr als zehn Millionen ausländische Arbeitende, sie machen rund ein Drittel der Bevölkerung aus.

Das umstrittene Kafala-System, das neben Saudi-Arabien auch in vielen anderen arabischen Golfstaaten angewandt wird, wird seit Jahren von Menschenrechtlern scharf kritisiert.

Frauen berichten von Misshandlungen und Erniedrigung

Amnesty International zufolge schafft es die Voraussetzungen für Missbrauch: Angestellte seien häufig Misshandlungen, Erniedrigung und härtesten Arbeitsbedingungen ausgesetzt.

Bei einer Umfrage unter bediensteten Frauen in Katar gaben etwa 85 Prozent an, selten oder nie freie Tage zu bekommen, und dass Arbeitgeber ihre Pässe einbehalten würden. Viele erklärten auch, dass sie spät oder gar nicht bezahlt würden.

Zuletzt hatte auch Katar im August angekündigt, sein umstrittenes Arbeitsmarktsystem zu reformieren.

mrc
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