Getötete Al-Jazeera-Reporterin Baerbock »erschüttert« über Gewalt bei Trauerfeier für Schirin Abu Akleh

Tausende kamen zur Beisetzung der getöteten Journalistin Abu Akleh, doch die Trauerfeier in Jerusalem eskalierte. Es sei traurig, dass die Bestattung »nicht in Frieden und in Würde stattfinden konnte«, sagte Bundesaußenministerin Baerbock.
Bei der Beisetzung von Schirin Abu Akleh kam es zu Ausschreitungen

Bei der Beisetzung von Schirin Abu Akleh kam es zu Ausschreitungen

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Ilia Yefimovich / dpa

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat sich »erschüttert« über die Gewalt während der Beisetzung der getöteten palästinensischen Journalistin Schirin Abu Akleh  geäußert.

Es sei »traurig«, dass die Bestattung der Reporterin des arabischen Senders Al Jazeera »nicht in Frieden und in Würde stattfinden konnte«, sagte Baerbock beim Abschluss des G7-Außenministertreffens im schleswig-holsteinischen Wangels. »Ehrlich gesagt, persönlich gesagt: Ich bin darüber zutiefst erschüttert.«

Am Freitag wurde die Reporterin auf einem christlich-orthodoxen Friedhof neben der Altstadt Jerusalems beigesetzt, Tausende Menschen kamen zu der Beerdigung. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen, die israelische Polizei sprach von Hunderten gewalttätigen Demonstranten, die unter anderem mit Steinwürfen für Unruhen gesorgt hätten.

Im Internet kursierende und von Fernsehsendern ausgestrahlte Videobilder zeigen jedoch offenbar israelische Sicherheitskräfte, wie sie auf Menschen einprügeln, die offenbar den Sarg mit Abu Aklehs Leichnam tragen. Der Sarg fiel dabei beinahe zu Boden.

Wie der Jerusalemer Rettungsdienst Roter Halbmond später mitteilte, wurden 33 Menschen bei der Beisetzung verletzt.

Borrell macht israelische Polizisten verantwortlich

EU-Außenbeauftragter Josep Borrell machte die Polizei für die Eskalation verantwortlich. Die Europäische Union sei entsetzt über die Szenen, teilte er mit. »Die EU verurteilt die unverhältnismäßige Gewaltanwendung und das respektlose Verhalten der israelischen Polizei gegenüber den Teilnehmern des Trauerzugs.«

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, wich der Frage aus, ob sie die israelischen Sicherheitskräfte dafür verurteile. Psaki sprach von »verstörenden Bildern« und sagte: »Wir bedauern das Eindringen in eine Prozession, die eigentlich friedlich hätte verlaufen sollen.« Abu Akleh hatte auch die US-Staatsbürgerschaft.

Zusammenstöße zwischen Trauernden und der Polizei in Jerusalem

Zusammenstöße zwischen Trauernden und der Polizei in Jerusalem

Foto: AMMAR AWAD / REUTERS

Seit der Tötung der Journalistin am Mittwoch ist die Lage angespannt.

Abu Akleh war bei der Berichterstattung über einen israelischen Militäreinsatz in Jenin im Norden des Westjordanlands durch einen Kopfschuss getötet worden. Al Jazeera beschuldigt israelische Sicherheitskräfte, die 51-Jährige vorsätzlich getötet zu haben.

Laut den israelischen Streitkräften sei es derzeit nicht möglich, »eindeutig« zu sagen, von wo der tödliche Schuss kam. Die palästinensische Generalstaatsanwaltschaft erklärte, Untersuchungen hätten gezeigt, dass allein israelische Truppen in dem Moment geschossen hätten, in dem die Journalistin getroffen worden sei.

Baerbock sagte am Samstag in Wangels, dass der Tod der Journalistin transparent aufgeklärt werden solle. Der hochrangige Palästinenservertreter Hussein al-Scheich twitterte am Samstag , dass internationale Unterstützung bei den Ermittlungen willkommen sei.

hba/dpa/AFP