Missbrauchsvorwürfe gegen ehemaligen Parteifreund Untersuchungsausschuss macht schottischer Regierungschefin Sturgeon Probleme

In wenigen Wochen wählt Schottland ein neues Regionalparlament, Regierungschefin Nicola Sturgeon kann auf eine Wiederwahl hoffen. Doch Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihren Vorgänger bringen nun auch sie unter Druck.
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Kurz vor den Regionalwahlen in Schottland gerät Regierungschefin Nicola Sturgeon zunehmend unter Druck. Sie soll versucht haben, das schottische Parlament über Missbrauchsvorwürfe gegen ihren ehemaligen Parteifreund Alex Salmond »getäuscht« zu haben.

Salmond war vor Sturgeon Chef der schottischen Regionalregierung. Nach dem Ende seiner Amtszeit wurden ihm sexuelle Übergriffe gegen mehrere Frauen vorgeworfen – unter anderem versuchte Vergewaltigungen. Salmond bestritt die Vorwürfe und wehrte sich auch gegen die Untersuchung des Falls durch die schottische Regierung.

Sturgeon hatte zu Beginn der Affäre nach einer internen Untersuchung die Polizei eingeschaltet. 2019 trat Salmond aus Protest aus der Schottischen Nationalpartei (SNP) aus, Sturgeons Partei. Im März 2020 sprach ihn ein Gericht von den Vorwürfen frei.

Nun will ein Untersuchungsausschuss zur Affäre um die Missbrauchsvorwürfe klären, wann genau Sturgeon von den Anschuldigungen gegen ihren einstigen Mentor erfuhr. Den Berichten zufolge stellt der Ausschuss nun in seinem Bericht fest, dass Sturgeon widersprüchliche Angaben zu einem Treffen gemacht und das Parlament »getäuscht« hat.

»Scexit« unklar

Sie selbst wies die Vorwürfe vor dem Ausschuss zurück. Sie habe sich immer an die Beweislage gehalten und diese wahrheitsgemäß weitergegeben, sagte ein Sprecher nach Bekanntwerden des Ausschussberichts.

Der Bericht kommt für Sturgeon zur Unzeit: Im Mai steht in Schottland die Regionalwahl an, bei der mit einem Sieg der SNP gerechnet wird. Sturgeon hat die Wahl mit der Forderung nach einem erneuten Unabhängigkeitsreferendum in Schottland verknüpft. Sturgeon strebt an, dass Schottland nach einem neuen Referendum und einem Austritt aus dem Vereinigten Königreich wieder der Europäischen Union beitreten kann. Ob die Mehrheit der Schottinnen und Schotten hinter einem »Scexit« steht, ist aber mittlerweile ungewiss.

mrc/AFP/Reuters