Nicola Sturgeon Schottlands Regierungschefin will zügigen EU-Beitritt

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon will ihr Land zurück in die EU führen. Mehr als die Hälfte der Schotten wolle laut jüngsten Umfragen die Unabhängigkeit von Großbritannien.
Nicola Sturgeon: »Schottland kommt nach Hause, das ist kein neuer Anfang«

Nicola Sturgeon: »Schottland kommt nach Hause, das ist kein neuer Anfang«

Foto: ANDREW MILLIGAN / AFP

Nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU dringt die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon immer stärker auf einen EU-Beitritt Schottlands. Sie werde ihre Nation nach dem von ihr angestrebten Unabhängigkeitsreferendum zügig in die Europäische Union führen, sagte Sturgeon im Interview mit der Tageszeitung »Die Welt« und anderen europäischen Medien.

»Mehr als die Hälfte der Schotten will laut jüngsten Umfragen die Unabhängigkeit. Ich bin zuversichtlich, dass die Schotten beim nächsten Referendum Ja sagen werden«, sagte sie weiter. Ein unabhängiges Schottland werde dann unmittelbar einen Antrag zur EU-Mitgliedschaft stellen. Ihrer Ansicht nach sei Schottland »ein einmaliger Fall für einen schnellen Beitritt zur EU«.

»Schottland kommt nach Hause, das ist kein neuer Anfang«

Schottlands Beitritt sei »keine Erweiterung«. Als Teil des Vereinigten Königreichs sei Schottland schließlich über 40 Jahre Mitglied gewesen. »Schottland kommt nach Hause, das ist kein neuer Anfang.«

Schottland braucht für das Referendum die Zustimmung Londons. Lasse Premier Boris Johnson ein Referendum nicht zu, schließe sie den gerichtlichen Weg nicht aus, so Sturgeon. »Verweigert London die Zustimmung, müssen wir sehen, ob das schottische Parlament die nötigen Gesetze erlassen kann. Diese Frage hat sich noch nicht vor Gericht gestellt, aber ich schließe das nicht aus. Wir können nicht zulassen, dass die britische Regierung die Demokratie blockiert«, sagte die Chefin der Scottish National Party (SNP). 

Bei der jüngsten Abstimmung im Jahr 2014 hatten 55 Prozent der Schotten für einen Verbleib in Großbritannien gestimmt. Die SNP argumentiert jedoch, dass angesichts des Brexits eine neue Abstimmung nötig sei. Bei dem britischen Referendum über den EU-Austritt von 2016 hatte sich eine Mehrheit der Schotten für den Verbleib in der Europäischen Union ausgesprochen.

mfh/dpa