Steigende Infektionszahlen Schweden schließt Restaurants und Kneipen am frühen Abend

In Schweden gab es trotz Corona lange kaum Verbote. Aber jetzt geht auch bei den Skandinaviern die Angst vor der nächsten Pandemiewelle um.
Menschen vor einem Eiscafé in Stockholm (Archivaufnahme vom April 2020)

Menschen vor einem Eiscafé in Stockholm (Archivaufnahme vom April 2020)

Foto: Ali Lorestani/ dpa

Mit dem bestaunten Sonderweg ist es in Schweden offenbar vorbei: Angesichts einer möglichen dritten Corona-Welle verschärft das skandinavische Land seine Corona-Maßnahmen. Cafés, Bars und Restaurants dürfen ab dem 1. März nur noch bis 20.30 Uhr öffnen, sagte Ministerpräsident Stefan Löfven am Mittwoch in Stockholm.

Außerdem werde die Anzahl der Kunden in Geschäften und Fitnessstudios begrenzt. »Es besteht ein erhebliches Risiko einer sogenannten dritten Welle. Unser aller Handeln bestimmt, ob es dazu kommt«, sagte Löfven. »Die Lage in Schweden ist ernst. Wir haben eine hohe Infektionsausbreitung. Und sie nimmt weiter zu«, sagte der Regierungschef.

Die Stockholmer Behörden hatten bereits am Dienstag das Tragen einer Mund-Nasen-Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln und Räumen empfohlen, in denen nicht ausreichend Abstand eingehalten werden kann. Die strikteren Beschränkungen sollten dazu beitragen, die Schulen so lange wie möglich offenzulassen, erklärte Bildungsministerin Anna Ekström. »Schulen sollten das Letzte sein, was wir schließen und das Erste, was wir öffnen.«

Geschäfte werden nach Angaben der Gesundheitsbehörde ab Montag zudem angehalten, ihre Kunden dazu zu ermahnen, allein statt zusammen mit Angehörigen einzukaufen. Die Behörde will auch die Besucherzahl in Läden, Einkaufspassagen und Fitnessstudios begrenzen. Wettkampfveranstaltungen mit Ausnahme des Spitzensports und Partien von Kindern und Jugendlichen, die 2005 oder später geboren sind, sollen darüber hinaus nicht mehr zugelassen sein, sagte Johan Carlson, der Generaldirektor der schwedischen Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten.

Schweden hatte in der Corona-Pandemie einen anderen Weg eingeschlagen als die meisten anderen europäischen Länder und wurde dafür auch kritisiert. So wurde nie ein strenger Lockdown verhängt, stattdessen setzten die Behörden auf Abstandsregeln und auf Händewaschen.

Vor Kurzem verschärften die Behörden angesichts steigender Fallzahlen jedoch die Maßnahmen. Unter anderem wurden der Verkauf von Alkohol nach 20 Uhr und Versammlungen von mehr als acht Menschen verboten.

als/dpa/AFP
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