Laut Uno-Bericht Schweiz hat Problem mit »systemischem« Rassismus gegen Schwarze

Eine Expertengruppe der Uno nennt mehrere Beispiele für systemischen Rassismus gegen Schwarze in der Schweiz, darunter »schockierende« Polizeigewalt. Der Schweizer Uno-Botschafter spricht dagegen von »Einzelfällen«.
Die Statue des Bankiers David de Pury im Schweizer Neuchâtel wird mit Hochdruck gereinigt, nachdem sie bei »Black Lives Matter«-Demonstrationen mit blutroter Farbe bemalt wurde (2020)

Die Statue des Bankiers David de Pury im Schweizer Neuchâtel wird mit Hochdruck gereinigt, nachdem sie bei »Black Lives Matter«-Demonstrationen mit blutroter Farbe bemalt wurde (2020)

Foto: Laurent Gillieron/ dpa

Die Schweiz hat ein ernstes Problem mit systemischem Rassismus gegen Menschen afrikanischer Abstammung, zu diesem Schluss kommt ein dem Uno-Menschenrechtsrat vorgelegter Bericht. Die Beispiele reichen von Polizeigewalt bis hin zu einem Kinderspiel.

Die Uno-Expertengruppe für Menschen afrikanischer Abstammung (WGEPAD) stellte Gegenmaßnahmen der Schweiz fest, äußerte sich jedoch weiterhin besorgt über die Verbreitung von rassistischer Diskriminierung und hob mehrere Vorfälle nach einem Besuch im Land in diesem Jahr hervor. »Die Allgegenwärtigkeit und Straflosigkeit dieses Fehlverhaltens deutet darauf hin, dass ein ernsthaftes systemisches Problem besteht«, hieß es. In dem Bericht heißt es, die Schweiz war nie eine Kolonialmacht, doch ihre Banken, Geschäftsleute und Gemeinden hätten stark in den transatlantischen Sklavenhandel investiert und von ihm profitiert.

Der Bericht verwies auf Bemühungen, das öffentliche Bewusstsein für Aspekte der Schweizer Geschichte zu schärfen, wie etwa eine Petition und Debatte über die Entfernung der Statue eines Bankiers im Kanton Neuchâtel, dessen Vermögen auf der Ausbeutung versklavter Menschen aus Afrika beruhte. Andererseits ist ein Alpengipfel weiterhin nach dem Naturforscher Louis Agassiz benannt, der wegen rassistischer Theorien umstritten ist.

Rassistische Kinderspiele und »schockierende« Polizeigewalt

Auch Spielplatzspiele wie »Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?«, hätten laut den Experten diskriminierende Wirkung. Der Bericht verwies auch auf »schockierende« Polizeigewalt und den Tod mehrerer schwarzer Männer im Kanton Waadt.

»Die Schweiz stimmt Ihrer Beobachtung zu, dass Rassismus und rassistische Diskriminierung – auch gegenüber Menschen afrikanischer Abstammung – Probleme sind, die dringend angegangen werden müssen«, sagte der Schweizer Uno-Botschafter Jürg Lauber in Genf vor dem Uno-Menschenrechtsrat. Er betonte, es seien neue Maßnahmen ergriffen worden, um die Probleme anzugehen, darunter kantonale Beratungsstellen für Opfer von rassistischer Diskriminierung, und verwies auf Verbesserungen bei Polizeiausbildungsprogrammen.

Allerdings kritisierte Lauber laut »Blick« , die Uno-Expertengruppe scheine sich bei vielen allgemeinen Schlussfolgerungen lediglich auf Einzelfälle zu stützen. Diese seien nicht repräsentativ für die Gesamtsituation. Ferner werfe die Schweiz der Expertengruppe vor, der Bericht enthalte Missverständnisse und Annahmen, die keine Grundlage hätten. Sie bedauerte, dass der Dialog mit den Fachleuten nicht länger angedauert habe.

jso/Reuters
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