Erste Hochrechnung zur Volksabstimmung Schweizerinnen und Schweizer votieren für die Ehe für alle

Auch in der Schweiz dürfen gleichgeschlechtliche Paare künftig heiraten. Einer ersten Hochrechnung zufolge gab es bei der Volksabstimmung eine klare Mehrheit für die Neuregelung.
Eine Protestierende mit einem »Ja, ich will«-Schild bei einer Zürich-Pride-Aktion am 4. September

Eine Protestierende mit einem »Ja, ich will«-Schild bei einer Zürich-Pride-Aktion am 4. September

Foto: Manuel Geisser / IMAGO

Auch die Schweiz erlaubt nun die Ehe für alle. Nach einer ersten Hochrechnung des Umfrageinstituts gfs.bern eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale stimmten 64 Prozent für die Ehe für alle. Bei einer Fehlermarge von drei Prozent war klar, dass sich das Ergebnis nicht mehr entscheidend ändern kann. Wann die Gesetzesänderung in Kraft tritt, muss die Regierung noch festlegen.

Hintergrund der Volksabstimmung ist eine Initiative der Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe. Nachdem das Schweizer Parlament im Dezember beschlossen hatte, gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe zu ermöglichen, sammelten sie genug Unterschriften, um eine Volksabstimmung durchzusetzen.

In den Umfragen vor dem Referendum hatte sich jedoch stets eine deutliche Mehrheit für die Neuregelung abgezeichnet, die in den meisten westeuropäischen Ländern bereits besteht.

Bislang haben homosexuelle Paare in der Schweiz nur die Möglichkeit, ihre Partnerschaft eintragen zu lassen.

In den meisten Ländern Westeuropas ist die Ehe für alle bereits Gesetz, in Deutschland seit 2017. Die Möglichkeit wird stark genutzt: Jede 30. neue Ehe in Deutschland ist seither gleichgeschlechtlich. Zehntausende homosexuelle Paare haben seit Herbst 2017 geheiratet. Ungefähr zwei Drittel von ihnen lebten zuvor in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Mit der Gesetzesvorlage möchte die Schweiz auch das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare öffnen und lesbischen Paaren die Samenspende ermöglichen. Beides ist bislang verboten. Insbesondere die Samenspende und die damit einhergehende rechtliche Anerkennung beider Frauen als Mütter sind umstritten.

Wird das Gesetz angenommen, wäre die Schweiz weiter als Deutschland, wo CDU und CSU die rechtliche Anerkennung beider Partnerinnen als Mütter verhindern. Die Parteien argumentieren mit den Rechten der biologischen Väter, die sie nicht marginalisieren wollen.

löw/AFP
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