Konkrete Umsetzung trotzdem weiter offen Schweizer stimmen für Verbot von Tabakwerbung

Kinos, Plakate, Internet: Überall wo Kinder sie sehen können, soll Tabakwerbung in der Schweiz künftig verboten sein. Dafür haben mehr als 54 Prozent der Wähler votiert.
Brennende Zigarette (Symbolfoto): In der Schweiz sitzen einige der größten Tabakkonzerne

Brennende Zigarette (Symbolfoto): In der Schweiz sitzen einige der größten Tabakkonzerne

Foto: McPHOTO / imago images/McPHOTO

Die Schweizer haben am Sonntag für ein weitgehendes Tabak-Werbeverbot gestimmt. Ersten offiziellen Ergebnissen zufolge stimmten 54 Prozent der Wähler und zugleich eine Mehrheit der Kantone für die Volksinitiative »Kinder und Jugendliche ohne Tabakwerbung«. »Wir sind extrem zufrieden«, sagte Stefanie de Borba von der Schweizer Krebsliga der Nachrichtenagentur AFP. »Die Leute haben verstanden, dass die Gesundheit wichtiger ist als wirtschaftliche Interessen.«

In der Schweiz ist anders als in den meisten anderen Industrieländern bislang Tabakwerbung außer im Fernsehen und Radio erlaubt. Kritiker führen dies darauf zurück, dass einige der größten Tabakkonzerne wie Philip Morris International (PMI), British American Tobacco und Japan Tobacco ihren Sitz in der Schweiz haben. PMI hatte die Kampagne gegen die Volksinitiative mitfinanziert.

Die Volksinitiative verlangt nun, dass Werbung für Tabakprodukte überall dort verboten wird, wo sie für Kinder und Jugendliche sichtbar ist – etwa auf Plakaten, in Kinos oder im Internet. Zulässig ist Tabakwerbung nur noch, wenn sie sich beispielsweise per Mail gezielt an Erwachsene richtet. PMI rief die Politiker auf, bei der gesetzlichen Umsetzung des Ergebnisses des Referendums »Augenmaß« zu bewahren.

Neben der Tabakindustrie hatten auch die Regierung und eine Mehrheit im Schweizer Parlament die Initiative abgelehnt. »Heute sprechen wir über Zigaretten, aber bald werden wir auch über Alkohol und Fleisch sprechen«, warnte Philippe Bauer von der Liberalen Partei. Er wolle nicht in einer »Diktatur der politischen Korrektheit« leben, »in der alles reglementiert werden muss«, sagte er dem Schweizer Rundfunk.

ime/dpa/AFP
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