»Sea-Eye 4« Italiens Behörden setzen deutsches Rettungsschiff fest

Das Seenotrettungsschiff »Sea-Eye 4« darf den Hafen von Palermo vorerst nicht verlassen, um weitere Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken zu retten.
Die »Sea-Eye 4« im sizilianischen Hafen Pozzallo Ende Mai

Die »Sea-Eye 4« im sizilianischen Hafen Pozzallo Ende Mai

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FRANCESCO RUTA / EPA

Die italienischen Behörden haben erneut ein Flüchtlingsrettungsschiff unter deutscher Flagge festgesetzt. Die »Sea-Eye 4« werde unter Verweis auf »technische Gründe« in Palermo am Auslaufen gehindert, erklärte die Regensburger Organisation Sea-Eye am Samstag.

Die angeführte Begründung der Behörden bezeichneten die Seenotretter als »grotesk«. »Die große Anzahl der geborgenen Personen« gehe über die erlaubte Zahl hinaus, für die das Schiff zertifiziert sei, zitierten die Seenotretter aus dem Bericht der italienischen Küstenwache. Das Schiff sei nicht als Rettungsschiff klassifiziert, deshalb würden andere Regeln bei der erlaubten Zahl von Menschen an Bord gelten.

Das Problem für die Organisation sei, dass es unter der deutschen Flagge die von den italienischen Behörden verlangte Rettungsschiff-Klassifizierung nicht gebe, sagte der Vorsitzende von Sea-Eye, Gorden Isler. Die Organisation fordert deshalb Unterstützung aus Deutschland.

Der Kapitän der »Sea-Eye 4« sei »der Pflicht zur Seenotrettung vorbildlich nachgekommen«, sagte Isler. »Er hat Seenotfälle gesehen und eine sichere Rettung durchgeführt.« Man wisse nicht, für wie lange die »Sea-Eye 4« nun in Palermo bleiben müsse.

Das Schiff ist den Angaben zufolge das vierte Rettungsschiff unter deutscher Flagge, das von Italien festgesetzt wurde. Betroffen sind demnach noch die »Alan Kurdi« sowie die »Sea-Watch 3« und »Sea-Watch 4«.

Die »Sea-Eye 4« hatte bei ihrem zurückliegenden Einsatz im Mai nach eigenen Angaben 408 Bootsmigranten aus dem zentralen Mittelmeer gerettet und sie nach Pozzallo auf Sizilien gebracht, darunter 150 Kinder. Von dort setzte die Crew der privaten Organisation für die Zeit der Quarantäne und zur Wartung des Schiffes später nach Palermo über. Der Bürgermeister der Stadt ernannte die Schiffscrew am Freitagabend wegen ihres Engagements zu Ehrenbürgern.

Seit Januar haben nach Angaben des Innenministeriums in Rom bereits Tausende Menschen Italien über das Mittelmeer erreicht. Die meisten Boote starten aus Libyen und Tunesien. Mindestens 760 Menschen sind laut der Uno seit Januar bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ertrunken.

lov/AFP/dpa