»Schiff willkürlich festgesetzt« EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm fordert Freilassung der »Sea Watch 4«

Immer wieder setzt Italien Schiffe in seinen Häfen fest, die Menschen in Not retten wollen. Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm geht die Behörden nun scharf an, die Lage auf dem Mittelmeer sei »verheerend«.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deuschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zu Besuch im Hafen von Palermo

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deuschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zu Besuch im Hafen von Palermo

Foto: Carsten Splitt / dpa

Nach einem Jahr in Blockade konnte das Flüchtlingsschiffs »Sea Watch 4« im Mai erstmals wieder auslaufen, um im Mittelmeer Geflohene zu retten – dann wurde es von italienischen Behörden erneut festgesetzt. Nun hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deuschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, Italien bei einem Besuch auf Sizilien zur Freilassung der »Sea Watch 4« aufgefordert.

»Es kann nicht sein, dass Schiffe, mit denen Leben gerettet werden könnten, willkürlich festgesetzt werden, während Menschen auf dem Mittelmeer sterben«, sagte Beford-Strohm der Nachrichtenagentur dpa. »Die Situation in den letzten Wochen auf dem Mittelmeer war verheerend.« So seien in der vergangenen Woche 29 Menschen von einem anderen Rettungsschiff aus einem kleinen überfüllten Holzboot gerettet worden. »Unter ihnen sind 18 Minderjährige, davon vier Babys und acht Frauen«, berichtete Bedford-Strohm. »Zwei Frauen sind im neunten Monat schwanger.«

Im März hatte das Verwaltungsgericht Palermo die Festsetzung des von der evangelischen Kirche initiierten Flüchtlingsschiffs »Sea Watch 4« vorläufig aufgehoben. Nach einer sechsmonatigen Blockade konnte das Schiff ins zentrale Mittelmeer zurückkehren. Im Mai 2021 brachte die »Sea Watch 4« nach Angaben der EKD über 400 Menschen sicher in den Hafen der sizilianischen Stadt Trapani. Dort werde sie seitdem erneut von den italienischen Behörden festgehalten. »Wir hoffen, dass die ›Sea Watch 4‹ zeitnah wieder auslaufen darf«, sagte Bedford-Strohm.

Hilfe für afghanische Schutzsuchende

Der EKD-Ratsvorsitzende betonte auch die humanitäre Pflicht zur Aufnahme afghanischer Schutzsuchender in Deutschland. »Gegenwärtig kann man doch nur dankbar sein, wenn Menschen einem Regime in Afghanistan entfliehen können, das in der Vergangenheit berüchtigt für seine besondere Brutalität geworden ist«, sagte der bayerische Landesbischof. »Im Jahr 2020 lag die Zahl der Asylanträge bei gut 100 000 – das ist deutlich weniger als die Hälfte dessen, was die umstrittene Obergrenze vorgesehen hatte.«

Städte und Gemeinden in ganz Europa hätten ihre Aufnahmebereitschaft erklärt. Es sei richtig, durch schnelle Unterstützung der Nahrungsmittelhilfsprogramme den Menschen in der Region selbst zu helfen. »Gleichzeitig haben wir die humanitäre Verantwortung, uns als Land an der Aufnahme Geflüchteter zu beteiligen«, mahnte Bedford-Strohm. Die Menschenwürde habe keine Nationalität, sie komme jedem zu, der somalischen Frau ebenso wie dem syrischen Kind oder der afghanischen Ortskraft. »Deshalb dürfen wir die Not der einen nicht gegen die der anderen ausspielen.«

mrc/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.