Eingeschlossene Hafenstadt Mariupol Selenskyj droht Russland mit »Schlussstrich« unter Friedensverhandlungen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt Moskau eindringlich vor den Konsequenzen, sollten die übrigen ukrainischen Soldaten in Mariupol getötet werden. Premier Boris Johnson will Kiew indes weitere Waffen schicken.
Ein ausgebrannter Panzer in Mariupol am 16. April 2022

Ein ausgebrannter Panzer in Mariupol am 16. April 2022

Foto: Sergei Bobylev / ITAR-TASS / IMAGO

Scharfe Worte an Russland: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat dem Kreml mit einem Ende der Friedensverhandlungen gedroht, falls die ukrainischen Kämpfer in der Hafenstadt Mariupol getötet werden sollten. »Die Vernichtung unserer Jungs in Mariupol, das, was sie gerade tun (...), könnte einen Schlussstrich unter jede Form von Verhandlungen setzen«, sagte Selenskyj in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit örtlichen Internetmedien.

Die russischen Truppen verhielten sich gegenüber den verschiedenen ukrainischen Einheiten unterschiedlich. »Es gibt dort Militärs, welche [ukrainische Soldaten] absolut hassen, und ich glaube nicht, dass sie diese am Leben lassen«, sagte der ukrainische Staatschef mit Blick auf das von Nationalisten dominierte Regiment »Asow «.

Über die verbliebenen ukrainischen Kämpfer in Mariupol, die sich im Stahlwerk Asowstal verschanzt haben, sagte Selenskyj: »Wir sind in Verbindung mit den Jungs im eingeschlossenen Werk.«

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar wurde Mariupol Anfang März komplett von russischen Truppen eingeschlossen. Russlands Armee gibt an, die Stadt am Asowschen Meer größtenteils erobert zu haben. Laut einem Medienbericht meldete das russische Verteidigungsministerium am Samstag eine fast komplette Vertreibung der ukrainischen Streitkräfte aus der Küstenstadt. Demnach sollen die Ukrainer mehr als 4000 Militärangehörige in Mariupol verloren haben. Die Angaben lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

Johnson sichert Selenskyj weitere Unterstützung zu

Der britische Premierminister Boris Johnson versprach Selenskyj unterdessen eine Lieferung von bewaffneten Fahrzeugen in den kommenden Tagen. Johnson habe Selenskyj versichert, Großbritannien werde der Ukraine weiterhin Material bereitstellen, um sich selbst zu verteidigen, hieß es am Samstagabend in einer Mitteilung der Downing Street.

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Die beiden Regierungschefs hätten außerdem über die Notwendigkeit einer langfristigen Lösung für die Sicherheit der Ukraine gesprochen. Johnson wolle eng mit Partnern und Verbündeten zusammenarbeiten, um zu gewährleisten, dass das Land in den kommenden Wochen und Monaten seine Souveränität verteidigen könne. In der vergangenen Woche hatte Johnson Selenskyj persönlich in Kiew getroffen.

Von jenen Ländern, die der Ukraine wie Großbritannien Waffen zukommen lassen, forderte Selenskyj mehr Tempo bei den Lieferungen für sein Land. »Von dem Moment an, an dem sie sagen, wir haben beschlossen, der Ukraine Waffen zu liefern, bis unsere Streitkräfte die Waffen erhalten, können zwei bis drei Wochen vergehen«, sagte er in einem Interview für ukrainische Internetmedien.

Der Prozess dauere zu lange, so Selenskyj. »Worauf setzen sie, dass wir monate- oder jahrelang kämpfen?« Dennoch erhalte die Ukraine Waffen, sagte Selenskyj. »Ich finde wenig. Russland meint, dass wir sehr viel erhalten. Das ist ebenfalls kein schlechtes Resultat.« Dennoch glaube Selenskyj, dass die Ukraine längerfristig keinen Waffenmangel haben werde: »Das ist mein Gefühl von den Zusagen, die wir haben.«

atb/dpa/Reuters