Geopolitik mit Rohstoffen Washington und Berlin wollen Abhängigkeit von Peking bei Seltenen Erden reduzieren

E-Autos, Handys, Rüstungsgüter: Seltene Erden sind für Volkswirtschaften essenziell. Ihre Förderung ist aufwendig – und fest in der Hand Chinas. Die Folge: Die USA sind alarmiert. Auch Bundespräsident Steinmeier warnt.
In einem Tagebau werden Seltene Erden gefördert

In einem Tagebau werden Seltene Erden gefördert

Foto: Str / picture alliance/dpa/FEATURECHINA

Die USA wollen ihre Abhängigkeit von China bei zentralen Importgütern wie Seltenen Erden oder Solarzellen verringern. Finanzministerin Janet Yellen sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dies sei ein Grund, warum sie sich für verstärkte Handelsbeziehungen mit Südkorea und anderen vertrauenswürdigen Verbündeten einsetze.

Es gelte zu verhindern, dass die Volksrepublik die »übermäßige Abhängigkeit« der USA aus strategischen Gründen ausnutze und Lieferungen einstelle, wie sie es bei anderen Ländern getan habe. Die Möglichkeiten müssten eingeschränkt werden, mit denen »geopolitische Rivalen in der Lage sind, uns zu manipulieren und unsere Sicherheit zu gefährden«.

Yellen warb für eine Diversifizierung der Lieferketten und erklärte zugleich, China sei offen für Bedenken der USA in anderen Bereichen und habe einige konstruktive Schritte eingeleitet. »Ich möchte nicht den Eindruck einer reinen Eskalation der Feindseligkeiten mit China vermitteln.«

Janet Yellen

Janet Yellen

Foto: POOL / REUTERS

Bei Seltenen Erden handelt es sich um 17 chemische Elemente, die für viele Hightech-Produkte wie Handys und auch in der Rüstungsindustrie unverzichtbar sind. Zudem spielen sie bei der Produktion von Elektroautos eine wichtige Rolle. Seltene Erden kommen weltweit viel häufiger vor, als es der Name vermuten lässt. Ihre aufwendige Förderung ist allerdings fest in chinesischer Hand. Die USA decken etwa 80 Prozent ihres Bedarfs aus der Volksrepublik China ab.

Auch Kukies und Steinmeier warnen vor zu hoher Abhängigkeit

In Deutschland hatte Kanzleramts-Staatssekretär Jörg Kukies unlängst eine zu große Abhängigkeit von Seltenen Erden aus China beklagt. Man dürfe die Fehler wie bei Öl und Gas mit der Abhängigkeit von Russland nun nicht bei anderen Rohstoffen wiederholen, sagte Kukies Anfang Juli.

Vor einigen Tagen hatte dann auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ähnlich argumentiert. »Auf manchen strategisch wichtigen Feldern ist unsere Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen deutlich größer als unsere Abhängigkeit von russischem Gas in den vergangenen Jahren«, sagte er etwa beim Festakt zum 100. Geburtstag des Übersee-Clubs in Hamburg.

»Wenn wir uns von Gas, Öl und Kohle aus Russland unabhängig machen und Klimaneutralität erreichen wollen, dann müssen wir die Produktion von Elektrofahrzeugen, von Wind- und Solarenergie jetzt noch schneller und entschiedener ausbauen«, sagte Steinmeier. Zugleich müsse aber die Abhängigkeit von China im Blick behalten und nach Möglichkeiten gesucht werden, »Metalle der Seltenen Erden auch und ergänzend aus anderen Quellen zu beziehen, sie zu recyceln oder zu ersetzen«.

China sei und bleibe wichtiger Partner. »Aber, das ist mein Plädoyer, weder China noch ein anderes Land darf der jeweils einzige Partner bei Energie, Vorprodukten und Rohstoffen sein«, sagte Steinmeier. Deutschland dürfe von keinem Land der Welt erpressbar sein. »Deshalb müssen wir jetzt neue Partner finden und unsere politischen und wirtschaftlichen Beziehungen neu justieren – und zwar mit Weitsicht, Mut und Verantwortungsbewusstsein.«

dop/Reuters/dpa
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